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Famulieren in Rotterdam

Manhattan aan de Maas

Anne Wacker

Rotterdam

Warum ich meine Auslandsfamulatur denn gerade in den Niederlanden machen wolle – das wurde ich oft gefragt, wenn ich mich mit anderen Studenten über Pläne zu Auslandsaufenthalten austauschte. Ganz einfach: Ich habe Freunde in den Niederlanden und das Interesse an unserem Nachbarland ist tief in mir verankert.

Meine Heimatstadt Freiberg ist nämlich die Partnerstadt von Delft. Mit der historischen Grachtenstadt in der niederländischen Provinz Süd-Holland besteht schon seit 20 Jahren ein Bürgeraustausch. Jährlich besuchen Delegationen der Städte die Partnerstadt, und schon als Dreijährige war ich mit meinen Eltern auf einer solchen Reise nach Delft dabei – und es sollte nicht die letzte Reise gewesen sein. Auch nahm ich an einem Schüleraustausch zwischen meinem Gymnasium „Geschwister Scholl“ in Freiberg und dem Stedelijk Gymnasium Breda (Provinz Nord-Brabant) teil. Mit meiner Austauschschülerin halte ich bis heute Briefkontakt, sie studiert ebenfalls Medizin an der Erasmus Universiteit Rotterdam, sodass wir uns über das Studium ständig austauschen konnten und dabei auch viele Unterschiede sowohl im Ablauf des Studiums als auch in den medizinischen Systemen entdecken konnten. Das hat in mir schon sehr zeitig die Neugier geweckt, irgendwann einmal in Rotterdam zu arbeiten, Neues kennen zu lernen und einen Vergleich zum deutschen System zu erhalten.
 

Erst via bvmd...

Nach meinem Physikum im Herbst 2007 besuchte ich als erstes meine Brieffreundin in Breda. Sie nahm mich dort unter anderem auch zu Vorlesungen nach Rotterdam mit, was für mich ein interessantes, unvergessliches Erlebnis war. Und dann stand für mich endgültig fest, dass ich dort famulieren werde, das war alles nur eine Frage der Zeit. So begann ich dann mit Hilfe einer CD Niederländisch zu lernen, das ich über Briefkontakt nach Breda und E-Mail- Verkehr mit Freunden in Delft frühzeitig anwenden konnte. Nachdem ich dann schon drei Famulaturen in deutschen Kliniken absolviert hatte, davon zwei in meiner Universitätsstadt Leipzig und eine in Berlin, war für mich im Sommer 2009 der günstigste Zeitpunkt gekommen, um mein „Vorhaben Niederlande“ zu verwirklichen.

Dazu erschien es mir am sichersten, mich über den dfa (Deutscher Famulantenaustausch) bzw. den bvmd (Bundesvertretung für Medizinstudenten Deutschland) um einen Platz zu bewerben. Also nahm ich allen bürokratischen Aufwand in Kauf, der mit diesem Weg verbunden ist, und bewarb mich im Dezember 2008 für die Niederlande. Leider kam in den Wintersemesterferien 2009 die Absage. Man kann zwar die Bewerbung um ein Semester verlängern, ohne erneut Bewerbungsunterlagen einzureichen, doch ich beschloss, die Famulatur eigenhändig zu organisieren.


…dann selbst beworben

Deshalb surfte ich dann öfter auf den Homepages der niederländischen Universitätskliniken und las mir alle Informationen für Studenten zu den verschiedenen Abteilungen durch, bis ich mich schließlich für die Anaesthesiologie im Erasmus Medisch Centrum (EMC www.erasmusmc.nl) entschied. Dort war Herr Dr. Klimek, der stellvertretende Abteilungsleiter, als Studentenbeauftragter für die „coassistenten“ angegeben. Ich übersetzte meine Bewerbung, die ich an den bvmd geschickt hatte, komplett einschließlich Motivationsschreiben und Lebenslauf vom Englischen ins Niederländische und schickte ihm alles per E- Mail zu. Am selben Tag noch hatte ich meine Zusage im E-Mail-Postfach und erhielt die Kontaktdaten meiner Ansprechpartnerin für alle organisatorischen Dinge, wie Einschreibung in die Uni als Gaststudent, Unterkunft, MRSA-Screening etc.

Ganz wichtig ist: Den Impfstatus muss man im Vorfeld überprüfen lassen. Er muss vollständig sein! Das wird sehr genau genommen. Dazu bekommt man ein spezielles Formular geschickt, das man vom Hausarzt ausfüllen lassen muss. Dieses Formular und den Impfausweis muss man unbedingt zur Screening- Untersuchung mitbringen! Außerdem benötigt man den Tuberkulintest und den Hepatitis B-Titer, was ich in einer Voruntersuchung bei unserer Betriebsärztin erledigte. Ein MRSA-Test aus Deutschland wird in den Niederlanden nicht anerkannt.

Obwohl ich mich schon vorher im Institut für Mikrobiologie an der Uni habe testen lassen, wurde das MRSAScreening in der Abteilung für Mikrobiologie im EMC Rotterdam vor Ort durchgeführt. Und das wird sehr streng gehandhabt: Bevor man keinen negativen Befund hat, darf man nicht anfangen zu arbeiten. Auf das Ergebnis wartet man drei bis fünf Tage. Ich bin deshalb extra eine Woche früher angereist!
 

Unterkunft: schwierig

Generell ist es sehr schwierig in niederländischen Großstädten eine passende Unterkunft zu bekommen, und besonders wenn man nur einen kurzen Zeitraum dort verweilen möchte. Auch niederländische Studenten haben Probleme, an den Universitätsstädten eine Bleibe zu finden.

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