Auf Umwegen zu uns

Ist doch auch immer wieder ein Knüller, wie Patienten bei uns landen.

Heute gehe ich gegen Mittag in die Ambulanz, weil dort die Hütte brennt. Im Untersuchungsraum liegt ein älterer Herr auf der Liege, daneben steht seine aufgebrachte Frau. sofort fängt sie an zu reden. Ihrem Mann gehe es ja so schlecht, er würde sich immer mehr verschlechtern, so könne das jetzt nicht weiter gehen. Sie drückt mir einen Arztbrief einer anderen Klinik aus der Stadt in die Hand. Daraus geht hervor, dass der Patient bereits eine Woche zuvor 6 Tage dort in Behandlung war – allerdings in der Inneren Medizin! Sein Hauptproblem scheinen Knieschmerzen zu sein, aber seine Frau erzählt auch ständig was von Verstopfung, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und dass es ihm halt schlecht ginge. Was haben die Internisten gemacht? Sofort eine Gastroskopie. Ist ja auch logisch, bei Knieschmerzen erstmal in den Magen zu gucken. Aber egal. Die haben dort wohl auch irgendwas gefunden (laut Ehefrau einen Knick in der Speiseröhre), aber mit dem Knie hatte das nichts zu tun. Fürs Knie wurde dann ein Belegorthopäde konsiliarisch hinzugerufen und außerdem ein MRT veranlasst. Der Radiologe hat im MRT dann eine zystische Veränderung gesehen, die aber nicht typisch für eine Bakerzyste sei, woraufhin der Orthopäde empfohlen hat, den Patienten in der Tumorsprechstunde der Uniklinik vorzustellen. Gesagt, getan, es wurde ein Termin vereinbart. Nun hat der Patient aber solche Schmerzen (und es geht ihm ja soooo schlecht), dass er (und die Ehefrau) es einfach nicht mehr ausgehalten hat.

Daraufhin hat irgendwer zum Patienten gesagt: „Na dann gehen Sie doch in Annettes Krankenhaus!“

Hat uns einer gefragt, ob wir den Patienten behandeln wollen? Nein. Behandeln wir überhaupt komische Tumoren am Knie? Nein.

Aber die Ehefrau muss wohl schon Hinz und Kunz wuschig gemacht haben, jedenfalls war klar, dass sie und ihr Mann sich keinen Millimeter mehr aus meinem Krankenhaus wegbewegen würden.

OK, ich ergab mich also meinem Schicksal und schritt zum äußersten: Anamnese und Untersuchung. Das Knie war warm, hatte Erguss und tat weh. Alles klassische Zeichen einer Entzündung. Passt auch zu dem schlechten Allgemeinzustand und ich denke mal, auch diese komische zystische Raumforderung in der Kniekehle wird nichts anderes sein als eine Bakerzyste voller Eiter. Hat bisher mal einer ins Knie gestochen, um eine Probe zu gewinnen und ins Labor zu schicken? Nee. Aber eine Magenspiegelung wurde gemacht. Hurra.

Manchmal wundert man sich über seine Kollegen.

Eine Reaktion zu “Auf Umwegen zu uns”

  1. Antje

    Nicht wundern – in der Inneren sind viele Anfänger unterwegs und die Oberärzte haben keine Zeit… :-(

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