Ärztliche Empfehlung bei BSL…

5. März 2010 geschrieben von josephine

…= BRUDAL SCHLECHTE LAUNE:

Der ein oder andere geneigte Leser wird festgestellt haben, daß meine Laune derzeit einer Mördergrube gleicht – was neben einigen anderen Dingen hauptsächlich an der derzeitigen personellen Situation an meiner geliebten Arbeitsstätte und den durchaus sibirisch anmutenden Außentemperaturen liegt. Jetzt mal Hand aufs Herz, Freunde - KLIMAERWÄRMUNG??? Ich mein – die Tanne in unserem Vorgarten hat sich bereits Anfang Januar selbständig ausgegraben und ist auf nimmer Wiedersehen nach FLORIDA verzogen! Mein Pferd hat soviel Winterfell, daß ich ihn ohne größere Probleme als Braunbär an den nächsten Zoo verkaufen könnte – und die Stadtwerke hat uns zur Ehrenfamilie 2009 gekürt – allein mit unserer Heiz- und Stromrechnung konnte der komplette Haushalt saniert werden.

Ernsthaft – ich hab sowas von die Faxen, ich kann es nicht beschreiben! Aber – und jetzt kommt´s: für jedes Zipperlein gibts ein Mittelchen, und mein heutiges Allheilmittel gegen BrudalSchlechteLaune möchte ich sehr gerne mit allen LeidensgenossInnen teilen:

Ihr braucht gar nicht viel – weder DocMorris noch die Notapotheke des Tages, einzig

1. einen funktionstüchtigen Computer (und da ihr das hier gerade lest, geh ich davon aus, das ihr so etwas besitzt) UND (das ist jetzt ganz wichtig): das Ding muß einen Audio Ausgang haben. Sprich: wenn irgendwo im WWW etwas tüdelt, fiept, jault oder singt, dann muß das auf eurer Maschine zu hören sein. Tut es? Prima!

2. Jetzt kommen die vorbereitenden Maßnahmen: Ruft bei euren Nachbarn an, informiert die Chefsekretärin, das OP-Personal, die Schüler eurer Klasse – ganz besonders Menschen, die UNTER EUCH leben (Mehrfamilienhaus!) sollten wissen, daß egal was in den nächsten 5-50 Minuten auch passiert, es ist keinesfalls die Polizei zu informieren!!! Und auf Sturmklingeln an der Haustür oder hämmern an Wände oder Decken sollte keinerlei Reaktion erwartet werden. Zieht außerdem Vorhänge und Jalousien zu – außer es ist euch völlig egal, was der Rest der Menschheit von euch denkt. Alles klar? Erledigt? Sehr gut – dann kommt jetzt

3. Schafft alle scharfkantigen Gegenstände im Umkreis von 1-3 m aus dem Weg oder schlagt Ecken und Kanten in Decken und Kissen ein. Zieht eure Schuhe aus, löst Zöpfe und Hochsteckfrisuren, geht nochmal schnell zur Toilette, und befreit euch dann von unnötigem Ballast wie Brillen, Krawatten, Jackets und Arztkitteln. Keine Sorge, für das, was wir vor haben, müßt ihr nicht gut aussehen – ihr müßt euch hinterher nur GUT FÜHLEN!!!

Nachdem ihr nun optimals vorbereitet seit, kommen wir ans Eingemachte: Dreht den Lautstärkeregler eures Computers so hoch, wie nur irgend möglich, stellt euch entspannt in die Mitte eurer freigeräumten 3 qm, Arme über Kopf, Hüfte locker, Kopf rhythmisch schwingend (oder für die älteren Semester unter uns: laßte es mal wieder so richtig HEADBANGEN) und sobald die Musik anfängt zu laufen GEBT ALLES!!!! Hüpfen, Kopf kreisen, Haare werfen, stampfen, johlen – und wer will, darf selbstverständlich laut und ggf. auch richtig MITSINGEN!!!

ReadMyMind

Sollte sich nach dem ersten Durchgang (noch nicht) der gewünschte Erfolg eingestellt haben, darf die Anwendung unbegrenzt bis zum völligen Verschwinden der BSL wiederholt werden. Bei sachgerechter Anwendung sind weder Risiken noch Nebenwirkungen bekannt! In diesem Sinne: LET`S DANCE!!!

VollMon(d)Tag…

4. März 2010 geschrieben von josephine

7.30 Uhr, ich komme schlecht geschlafen und genauso schlecht gelaunt zum Dienst – im Übergabezimmer absolutes Chaos:

Nachdem wir einige Tage lang ein absolutes Baby-Tief hatten, scheint sich die Situation mittlerweile deutlich entspannt zu haben – zumindest, was die rückgängigen Geburtenzahlen angeht: Gleich drei Frauen befinden sich derzeit unter Geburt!

Frau S., 37-jährige erstgebärende Lehrerin (!!!) am Termin mit regelmäßiger Wehentätigkeit ohne Blasensprung in Kreißsaal 1 mit Hebamme GS (=Goldstück), dann

Frau M., 30-jährig Frau mit Wehentätigkeit am Termin, ebenfalls erstes Kind, im Kreißsaal 2 bei meiner Lieblingshebamme *HUST* Von Sinnen und – aller guten Dinge sind drei -

Frau K., 32 Jahre, auch hier erste Schwangerschaft, erste Geburt, mit Wehen seit dem vergangenen Abend und Blasensprung gegen 5 Uhr morgens, grünes Fruchtwasser, kein Geburtsfortschritt. Hebamme: OsoleMia :)

Unsere personelle Decke an diesem Montagmorgen ist so dünn, daß es mich friert – Blondie im dienstfrei, Olga im Urlaub, die Kleine mit OÄ Dr. O im OP – bleiben ich, Chef, Klitschko und die Famula für den Rest. Ich krempel die Ärmel hoch und gehe systematisch die Kreißsäle ab, stelle mich vor, checke Geburtsbögen und Mutterpässe, untersuche Cervixlänge und Höhenstand des Kopfes – und frag mich zum wiederholten Male, WARUM Kinder immer nur gleichzeitig kommen, und dann auch nie schön unkompliziert, sondern nur auf die irre Art..

Frau S. in der 1 ist momentan die unauffälligste von allen Frauen – ihre Wehen lassen sich noch gut veratmen, und sie weist mich auch mehrfach darauf hin, daß sie nicht vor 11 Uhr entbinden könne, da ihr Mann Pilot bei der Lufthansa sei und erst gegen 8.30 Uhr in XY lande. Da sie ihn aber unbedingt bei der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes dabei haben wolle, sei sie gewillt, notfalls auch solange zurück zu halten, bis er da sei. Nee, is´ klar, mach ma, Mädchen…

Bei Frau M. in der 2 wird es schon schwieriger. Der Muttermund ist mittlerweile bei 5 cm angekommen, Köpfchen kommt tiefer, aber die Herztöne sind immer mal wieder nicht so richtig schön. Gedanklich positioniere ich Frau M. an erster Stelle meiner internen Prioritätenliste und gehe fix weiter zu Frau K. in 3. Diese Schwangere ist eine ausgesprochen hübsche Person, außerdem suuuuuper nett, sehr bemüht niemandem auf die Nerven zu fallen oder irgendjemanden zu stören, und ihr Mann, ein kleiner, blonder Knabe, der mit seiner Nickelbrille aussieht wie “Pfeiffer mit drei “f”, gibt das männliche Pendant dazu. Bisschen problematisch: beide sind ungefähr gleich brutal ängstlich!!!

Herr K.s Gesicht hat laut Solis Auskunft schon seit etlichen Stunden die Farbe einer reifen Wassermelone (die Farbe der SCHALE wohlgemerkt…!!!), und seiner Partnerin steht die absolute Panik ins Gesicht geschrieben. Dabei sind wir noch nicht mal im entferntesten beim wirklich kniffligen Teil der Entbindung angekommen….! Ich erkläre beiden, daß ich nochmal gerne untersuchen würde, um dann zu entscheiden, wie wir weiter verfahren wollten. Das Ergebnis zeigt einen gleichbleibenden Befund seit mittlerweile 2 Stunden: Muttermund 5-6 cm, Köpfchen weit über Beckeneingang, kein Eintreten unter Wehentätigkeit. Das CTG ist zwar ganz schön, aber mit jeder Wehe kommt mir ein Schwall grünes Fruchtwassers entgegen – nur eine Frage der Zeit, bis die Frau explodiert.

Da die Wehen eigentlich sehr suffizient und regelmäßig sind, macht es auch wenig Sinn, einen Tropf anzuhängen, um NOCH mehr Druck zu erzeugen – da würde uns nur irgendwann das CTG aussteigen…. Somit ist die Entscheidung zur Sectio gefallen – und ich habe das Gefühl, daß Frau K. nicht wirklich unglücklich mit dieser Entscheidung ist. Ihr Mann hingegen wechselt gerade die Gesichtsfarbe Richtung Iglo-Rahmspinat…

Somit wird Frau K. also zur Sectio vorbereitet, während ich im zweier Kreißsaal noch fix eine MBU (=Mikroblutuntersuchung. Entnahme eines Blutstropfens vom kindlichen Kopf zur Bestimmung der Sauerstoffsättigung) durchführe – Ergebnis: pH 7,38, also alles im grünen Bereich, wir können los.

Ich will gerade Richtung OP verschwinden, als Goldstück aufgeregt japsend hinter mir her gerannt kommt – Frau S., die Lehrerin hätte jetzt stärkere Wehentätigkeit und möchte bitte SOFORT sectioniert werden….!

Also auf dem Absatz kehrt und zurück in Kreißsaal 1, wo sich die Schwangere gerade laut stöhnend über einer Wehe krümmt, während sie dem Häs-schen (unserer kleinen Famula) mit solcher Kraft die Hand quetscht, daß ich Angst habe, wir müssen die Kleine postpartal den Handchirugen vorstellen…

Ich: “Frau S., sie wollten mich sprechen?”

Sie: “$%%$§*?%&!!§ß?” (=sie will eine Sectio STAT und der Rest ist zensiert!!!)

Ich: “Wir rufen den Anästhesisten, damit er die PDA nochmal hoch spritzt, und sobald wir den Kaiserschnitt der anderen Patientin beendet haben, sind sie dran!”

Sie: “&%$$?ß?§§§5%&$$§” (=sie geht nicht wirklich konform mit meinem Vorschlag)

Ich verabschiede mich schleunigst und werfe noch einen bedauernden Blick auf mein Goldstück und datt Häs-schen, die ich leider mit der wild tobenden Frau alleine lassen muß.

Kaum hab ich den OP betreten und mich eingewaschen, als Herr L., die OP-Oberschwester auf mich zugerannt kommt und mir ein barsches “Not-Sectio in Saal 3!” entgegenbrüllt – was ist geschehen? Frau M. (wir erinnern uns – die Patientin in der 2) hat gerade eine Mega-Badewanne hingelegt. Das heißt: die Herztöne des Kindes haben sich von normalen 110-150 Schlägen pro Minute auf gerade mal noch 60 Spm verlangsamt und auch nach Gabe von wehenhemmenden Medikamenten nicht mehr wirklich erholt.

JETZT heißt es rennen, denn offiziell hat man von dem Moment an, in dem die Not-Sectio ausgerufen wird, 10 Minuten Zeit, bis das Kind geboren sein sollte. Realistisch sind in der Regel 20 Minuten, aber heute morgen klappt alles wirklich wie am Schnürchen, und keine drei Minuten später steh ich mit Chef am Tisch und setze das Skalpell an. Die Patientin ist nicht wirklich zierlich gebaut, aber zum Glück ist es ihre erste Entbindung, so können wir (Grüße an Misgav-Ladach, den “sanften” Kaiserschnitt) flott stumpf bis auf den Uterus präparieren. 1 1/2 Minuten nach Schnitt hab ich einen erstaunlich fitten Knaben aus dem Uterus der Frau gefischt – als Ursache der abfallenden Herztöne zeigt sich dann auch ein echter Nabelschnurknoten! Whow – DAS kann mal so richtig in die Hose gehen… *schluck*

Nach weiteren 20 Minuten ist die Frau vernäht, verpflastert und zum Aufwachen in den Kreißsaal verbracht, ich will gerade meine OP diktieren, als Goldstück mich auf dem Handy anbimmelt – ich soll schnell kommen, ihre Schwangere sei jetzt nicht mehr Frau S. sondern Frau von Sinnen…

Ich hör sie schon im Eingangsbereich des OPs schreien, dabei ist der Kreißsaal nochmal durch zwei Türen von diesem Bereich getrennt. Und kaum habe ich meinen Kopf zur Tür herein gestreckt, fliegt auch schon eine graue Papp-Nierenschale Frisbee-gleich und nur wenige Zentimeter an meinem Kopf vorbei gegen die Wand. Goldstück und datt Häs-schen stehen fassungslos starrend zu Füßen der tobenden Furie, die dem tasmanischen Teufel aus “Bugs Bunny” ähnlich auf ihrem Kreißbett herumwütet.

Sie wolle JETZT sofort einen Kaiserschnitt, und es sei ihr VÖLLIG egal, wer oder was sonst noch alles im OP sei, und ihr Mann hätte UNGLAUBLICH viel Einfluss und kenne GANZ VIELE berühmte Menschen und sie würde uns AUGENBLICKLICH alle verklagen und es würde uns GANZ FURCHTBAR leid tun und außerdem wolle sie DIREKTAMENTE einen Krankenwagen in eine andere Klinik denn hier würde sie AUF GAR KEINEM FALL weiterhin entbinden wollen!!!!!!!

Ich bin sprachlos! Wir fassen zusammen: die Frau hat ein CTG wie aus dem Lehrbuch, der Muttermund war vor einer halben Stunde bei 8 cm, die PDA ist vor 10 Minuten aufgespritzt worden, es gibt überhaupt keinen GRUND, jetzt eilig einen Kaiserschnitt zu machen – und sie tobt hier wie der wilde Willie auf dem Bett herum….?! Ich versuche lautstark, mir Gehör zu verschaffen, was nur zur Folge hat, daß sie mich anbrüllt, ich solle gefälligst die Klappe halten, ich sei ja sowieso total unfähig und ob ich überhaupt Medizin studiert hätte…?! Äh – ja!

Frau K. wartet im OP auf ihren Kaiserschnitt und ich trete fix den Rückzug an – soll sich doch der Chef mit seiner privaten Lehrerin herum schlagen – wofür ist man schließlich privat versichert?

Die nächste Sectio geht nicht ganz so flott, aber genauso komplikationslos über die Bühne. Nach angemessener Zeit hole ich einen kleinen, weiblichen Sternengucker auf die Welt – kein Wunder, das das 3,8kg-Kind seinen Weg nicht durchs Becken seiner zierlichen Mutter gefunden hat! Highlight dieser OP war aber eindeutig HERR K! Nachdem seine Gesichtsfarbe nun chamäleongleich den Farbton der OP-Wand (=weiß) angenommen hatte, liefen die Wetten schon präoperativ auf Hochtouren, ob und wenn ja wie lange es dauern würde, bis er kollabiert. Der Anästhesist kennt seine Schäfchen in der Regel am besten und gewann mit 2 geschätzten Minuten souverän vor der Instrumentenschwester (5 Minuten) und mir (gar nicht kollabieren).

Gegen 10.30 Uhr verlasse ich den OP Richtung Kreißsaal und bin schwer erstaunt, gar kein Gebrüll mehr zu hören…?! Tatsächlich: Frau S. hat all ihre Wut und ihren hormoninduzierten Wahnsinn zusammen genommen, und mit nicht einmal zwei Presswehen ihr 2800g Kind von Beckeneingang auf Beckenausgang durchgepresst. Damm intakt – Mutter und Kind wohlauf.

Als ich kurz darauf vorsichtig meinen Kopf durch die Kreißsaaltür stecke (wer weiß, womit sie als nächstes wirft?!) liegt da eine völlig andere Person: strahlend nimmt sich mich in den Arm, drückt mich dann reanimationspflichtig eine halbe Stunde lang laut schluchzend an sich, um mir danach in nicht enden wollendem Sermon dafür zu danken, daß ich sie zur spontanen Entbindung geführt hätte… (hab ich?????). Außerdem entschuldigt sich sich reumütig für Nierenschale und Schimpforgie, während dat Häs-schen immer noch schwer traumatisiert mit erschrockenem Karnickelblick in der Kreißsaalecke steht, und “Geburtshilfe” gerade gedanklich von ihrer Berufswunschliste streicht…

GOMER – Get Out Of My Emergency Room!!!…

1. März 2010 geschrieben von josephine

…daran mußte ich just heute morgen denken, als ich eine demte Dame Jahrgang 27 in meiner Ambulanz liegen hatte. Einweisungsdiagnose: Demenz, Diabetes, Z.n. multiplen apoplektischen Insult(i???), Hypertonus – FLOUR VAGINALIS!!!

Letzteres ist dann wohl mein Stichwort… – Die alte Lady liegt mit eiskalten Händen und schlotternd vor Kälte auf ihrer Sani-Liege, und auch die dicke Wolldecke wärmen sie nicht wirklich auf.

“Guten Morgen, Frau XY!”

“GUUUUUTEN MOORRRRRRRRRGEN!!!!”

Cool – Kommunikation möglich!

“Wie geht es ihnen heute? Haben sie irgendwo Schmerzen?”

“GUUUUUTEN MOORRRRRRRRRGEN!!!!”

Äh – ja….

Frau XY ist laut Samuel Shem´s “HOUSE OF GOD” ein Gomer – aufdröselung der Abkürzung siehe oben. Und ja, es mag sich für Außenstehende gemein und respektlos anhören, aber dem ist nicht wirklich so. Fakt ist ganz einfach – die Patientin ist 83 Jahre alt, multimorbide und gaaaaaaaaaanz weit weg von gut und böse. Sie sollte in ihrem gemütlichen, warmen Pflegeheimbett liegen, ein bisschen Griesbrei zum Frühstück schlürfen, ein langes Nickerchen machen und den Blick aus dem Fenster genießen (sofern sie weiß, was die Welt da draußen überhaupt ist!), und nicht mitten im immer noch frostig-kalten Frühfrühling durch die Weltgeschichte gekarrt werden, nur damit ein gynäkologischer Assistenzarzt ihr eine Vaginalsonde in die welke, alte Scheide stopft, vorbei an Erwachsenenpampers und hemiplegiebedingten Beinkontrakturen.

KLAR hat die Frau Ausfluß aus der Scheide – sie könnte auch aus der Scheide bluten – es hätte aber keine Konsequenz! Selbst wenn es ein Corpus Ca (Gebärmutterkrebs) wäre – WAS sollten wir tun? Operieren??? Sicher nicht… – Bestrahlen? Kein guter Gedanke (aber noch am ehesten durchführbar).

Fakt ist – die Frau hat ein uraltes Uterusmyom, dem es jetzt (nach bestimmt 40 Jahren oder länger) auch nicht mehr so richtig gut in seiner alten Wirtin gefällt, und welches just entschieden hat, sich in Wohlgefallen (=vaginalen, übelriechenden Ausfluss) aufzulösen. Das mag unangenehm sein (vor allem für das pflegende Personal), aber nicht gefährlich. Ich schreibe ein Rezept für antiseptische Zäpfchen, telefoniere kurz mit der (wirklich sehr kooperativen – KEIN SCHERZ!!!) Schwester im Pflegeheim, und verabschiede Frau XY nach Hause!

“GUUUUUTEN MOORRRRRRRRRGEN!!!!”

Es ist nicht nett, an GOMERS zu denken, wenn man solch eine Patientin vor sich hat – aber ich kann nicht anders. Und parallel dazu fallen mir selbstverständlich die Regeln des “House of God” ein, welche da wären:

  1. Gomers sterben nicht.
  2. Gomers gehen zu Boden.
  3. Bei Herzstillstand zuerst den eigenen Puls fühlen.
  4. Der Patient ist derjenige, der krank ist.
  5. Zuerst an Verlegung denken.
  6. Es gibt keine Körperhöhle, die nicht mit einer 14er Kanüle und einem sicheren, starken Arm erreicht werden kann.
  7. Alter + Serum-Harnstoff = Lasixdosis.
  8. Sie können Dich immer noch mehr quälen.
  9. *zensiert*
  10. Wenn Du keine Temperatur misst, stellst Du auch kein Fieber fest.
  11. Zeige mir einen PJler, der meine Arbeit nur verdreifacht, und ich werde ihm die Füße küssen.
  12. Wenn der Radiologe und ein PJler auf einer Thoraxaufnahme etwas Auffälliges sehen, kann dort nichts Auffälliges sein.
  13. Die beste ärztliche Betreuung besteht darin, so wenig wie möglich zu tun, davon aber reichlich.

Ihr Nicht-Mediziner mögt es glauben oder nicht, aber viele dieser 13 Punkte haben mir schon das ein oder andere Mal den Verstand gerettet. Oder da Leben. Oder mich vor weiteren Dummheiten bewahrt. Ist einfach so… :)

Schöne Neue Website… ;)

28. Februar 2010 geschrieben von josephine

KLICK Heldin Im Chaos Im Neuen Design KLICK

BRUTAL SCHLECHTE LAUNE!!!

28. Februar 2010 geschrieben von josephine

Heute hab ich ungelogen fast 10 (in Worten: ZEHN!) Stunden gebügelt! Hab mich quasi in Rage geplättet, und obwohl ich das eigentlich ganz gerne mache (zur Zeit zum Beispiel zu Kate Walsh und “Privat Practice”), damit außerdem immer gut runter kommen kann, wurde meine Laune minütlich schlechter.

Der Grund dafür ist mal wieder mein geliebter Arbeitsplatz, Ort der Heldentaten, Heimat der Faulenzer und Drückeberger.

Es ist Freitag, 12 Uhr, ich trete fristgerecht und (wie immer) superpünktlich meinen Dienst an – miese Meldung Nummer 1: Die Abrechnung liegt vor, und man hat mir neben meinem (ohnehin schon recht dezimierten, weilhalbierten) Grundgehalt KEINEN CENT EXTRA bezahlt. Will heißen: der komplette Dezember samt doppel-gerechneter Feiertags- und jeder Menge sonstiger Dienste NICHT ABGERECHNET!!! Ich nehm mir eine Runde Schnappatmung, dann das Telefon und nach kurzem *Tüdelütütüt* hab ich die nette aber komplett sinnbefreite Dame der Personalabteilung dran:

Ich: “Hallo Frau Personal, ich hab zu wenig Geld auf meinem Lohnzettel!”

Sie: “Ach, ja, da ist uns ein kleiner Fehler unterlaufen – das Geld bekommen sie dann im nächsten Monat mit drauf!”

*TiefLuftHol*  *BisHundertZähl*  *Ausatme*

Ich (gepresst): “Frau Personal – ich MÖCHTE aber keinen Monat auf mein Dienstgeld warten, ich hab nicht wenig dafür gearbeitet (ich schwöre – alles nachzulesen in meinem schönen, neuen Blog… ;)), dann darf ich auch erwarten, pünktlich dafür bezahlt zu werden…!”  - zumal der S**-Haufen mir schon zum dritten Mal die Aufstockung der Dienste von 65 auf 80% nicht gezahlt hat – Begründung: “Wir haben den falschen >Button< erwischt!!!! Neeee, is´ klar – soll ich ihnen mal sagen, was passiert wenn ICH den falschen Button drücke? Soll ich? SOLL ICH???? Kann ich gleich hier machen!!!!!!!! *schnauf*

Langer Rede sowieso kein Sinn – ich bekomme mein Geld irgendwann. Oder später – man kanns nicht so genau sagen. Mann, bin ich geladen…

Aber es wird noch schöner – das war nur das Vorspiel!

12.15 Uhr, ich rufe Olga (meine Kollegin) zwecks Übergabe an – Olga kommt, drückt mir das Diensttelefon in die Hand, nuschelt etwas von “Patientin aufgenommen aber nicht untersucht” und will sich schon verzupfen, als ich sie (NOCH schlechter gelaunt als vorher) zurückrufe: WAS für eine Patientin hat sie wo und warum aufgenommen und aus welchem Grund ist die Gute noch nicht untersucht???? Das kann Olga mir nun auch nicht sagen, denn eigentlich soll ich ja dringend in den OP kommen – Wundrevision bei einer 180 kg-Frau, und Olga kann heute “beim besten Willen” nicht mehr in den OP – sie hat ab Montag Urlaub, und ihre Nägel sind schon frisch gemacht…

Sprichts, wedelt mit ihren Goldglitzer bestückten, French manikürten Griffeln vor meinem Gesicht herum und entfleucht gen Ausgang.

Ich bin in Mörderlaune, ich schwöre.

Im OP steht Dr. Klitschko mit langem Gesicht vor der riesigen, sekundär nicht wirklich schön heilenden Diabetes-Adipositas-Wunde unserer Dicken und flucht wie ein Bauarbeiter. Ich verstehe nur Bruchstücke, aber Fakt ist wohl, daß er genau so wenig Lust auf den ganzen Mist hier hat, wie ich. Hilft aber alles nix – das Mädel muß nach Wochen der Konservierung und Vacuseal-Therapie jetzt endlich mal wieder nach Hause, als machen wir uns nach konsiliarischer Unterstützung durch die chirurgischen Kollegen daran, die Restnekrose aus dem handtuchgroßen Wundgebiet der Dame zu kratzen, um dann alles schön säuberlich mit einzelnen Rückstichnähten zu versorgen. Eine Arbeit für jemanden, der Mutter und Vater erschlagen hat…

Um 15.30 Uhr sind wir endlich fertig, und ich mache mich auf meinen ersten Rundgang über Station. Die Patientin, welche Olga mir un-untersucht angedreht hat, hält bereits den ganzen Laden auf Trab – Arbeitsdiagnose ist “rechtsseitiger Unterbauchschmerz bei fraglicher Hyper- und Dysmenorrhoe!” Als ich die junge Frau fertig untersucht habe, revidiere ich in: “rechtsseitiger Unterbauchschmerz ohne gynäkologisches Korrelat – V. a. Magen-Darm-Infekt!” Da die Gute noch im Vollbesitz ihrer Appendix ist, stelle ich sie meiner Lieblingschirurgin konsiliarisch vor, die mein “gynäkologisches” gegen “chirurgisches” tauscht und mit meiner Verdachtsdiagnose mitgeht. Ich bin STINKEWÜTEND!!! Wenn Olga nur einen einzigen, manikürten Finger an diese Frau gelegt hätte, wäre sie aller Wahrscheinlichkeit nach erst gar nicht auf meiner Station gelandet, und ich hätte mich auch nicht mit ihr herum schlagen müssen – denn die Frau ist ECHT anstrengend: im 5-Minuten-Takt klingelt sie ab 18.30 Uhr nach der Schwester – ihr sei schlecht, sie habe Schmerzen, sie habe heiß, dann wieder kalt, dann wieder schlecht und zu guter Letzt Schmerzen! Vomex hilft nicht, Ibu hilft nicht, Novalgin hilft nicht, MCP hilft nicht, Dipi hilft nicht, Zofran hilft nicht…. – Rauchen geht – halbstündig!!! Danach fängt die Leier von vorne an…

Die Frau ist nicht-insulinpflichtige Diabetikerin, aber der Zucker ist okay. Genauso wie Labor und Urin. Schwanger ist sie nicht, und der Schall war unauffällig.

Um 2.30 Uhr bin ich am Ende – und Pumuckel, die Nachtschwester auch. Während ich also mein obligatorisches Gute-Nacht-Dienst-Baby durchs Kinderzimmer schaukele, telefoniere ich nebenbei mit der diensthabenden Internisten – was sich in etwa so anhört:

Ich “Hallo, hier ist Dr. Josephine, Gyn – ich habe folgende Patientin, und vielleicht fällt IHNEN noch irgendetwas schönes ein???”

Sie “Hallo, ich bin Dr. Frischfleisch, leider muß ich meinen Oberarzt anrufen, denn ich bin ganz neu und kann noch gar nix!”

*gggggg*

Okay, ist legitim – wir haben alle mal angefangen. Keine zwei Minuten später rappelt das Handy – die Internistin:

“Mein Oberarzt hat gesagt, wir übernehmen die Patientin NICHT!!!”

“…??????????????…”

Ich: “Süße, ich hab nix von übernehmen gesagt – es ist mitten in der Nacht, ich bin ja nicht doof – ich wollte wissen, ob es irgendetwas gutes gibt, damit die Frau das Kotzen dran gibt?!”

Sie: “Oh, tut mir leid! Aber probieren sie es doch mal mit Haldol…?!”

Coole Idee!!! Und siehe da – Babys Idee funktioniert: eine halbe Ampulle Haldol auf 100ml als Kurzinfusion, und die Frau vergisst sogar das Rauchen… *ggg*

Aber eins sag ich euch – morgen mach ich Olga zur Minna. Und DANN geh ich zur Personal-Abteilung. Bin ICH geladen!!!!!…..

Wie man sich KEINE Freunde macht….

25. Februar 2010 geschrieben von josephine

Gestern Abend – Sattelplatz meines Reithofes. Ich bin gerade dabei meinen Dicken zu satteln und trensen, als eine (mir persönlich nicht bekannte) Frau ihren kleinen, hübschen Haflinger neben uns befestigt und ebenfalls zu putzen anfängt. Wir kommen ins Gespräch: übers reiten, Pferde, Kinder, all sowas. Und das sie meint, mich von irgendwo her zu kennen. Ich frage nach ihrem Nachnamen (Reitervolk dutzt sich in der Regel unkomplizierterweise) – nee, kenn ich nicht!
“Eventuell noch aus Schulzeiten?!” meint sie dann überlegend, und ich stutze – selbst im schlechten Licht des dämmrigen Sattelplatzes ist klar, das die Gute DEUTLICH älter sein muss, als ich…?!
“Wie alt bist du denn?” frag ich also todesmutig nach, und bete innerlich, das sie nur einfach schnell vorgealtert ist…
“46!”
“…..?!?!?!?…….”
*GesichtszügeEntgleis*
Wenn mir nicht just in diesem Moment eingefallen wäre, das meine Freundin mir zwei Wochen zuvor von einem fast identischen Erlebnis berichtet hatte (und I. ist 4 Jahre jünger als ich und sieht aus wie Mitte 20!!!) – ich hätte mich wohl noch vor Ort an meiner Trense erhängt.
So habe ich lediglich wortkarg mein Pferd fertig gemacht und bin grußlos von dannen gezogen!
Bin eben eine Frau – und die verstehen keinen Spass, wenn es ums Alter geht. Echt nicht!

Ich bin übrigens 36 Jahre alt……

Datt Häs-schen…!!!

24. Februar 2010 geschrieben von josephine

Wir haben seit dieser Woche eine Famula. Datt Häs-schen! Häs-schen ist maximal 12 Jahre alt, hat ihr wirklich wunderschönes, dunkelbraunes Haar immer brav zu einem Pferdeschwanz nach hinten gebunden, und ihr niedliches Kindergesicht besteht eigentlich nur aus zwei UNGLAUBLICH großen, blauen Babyaugen und einem Mund, der permanent vor Erstaunen (oder Verzückung) offen steht. Sie ist durch und durch ein liebreizender Anblick, aber manchmal kribbelt es mich in den Fingern, sie nach Ausweis oder Führerschein zu fragen, ich bin nämlich der festen Überzeugung, die Kleine ist ein gefakter Medizinstudent und besucht im wirklichen Leben die Parallelklasse meiner grundschulpflichtigen Tochter.

Waren WIR damals (6. Semester) eigentlich auch so verdammt jung??? Ach so, nee, ich natürlich nicht – aber IHR, die ihr regulär mit Abschluß der allgemeinen Hochschulreife ins Studium eingetreten seid – WART IHR auch so jung? Oder seid es gar noch? Unfassbar… :-0

Aber es kommt noch viel besser: Häs-schen sieht nicht nur jung aus, sie ist auch ähnlich begeisterungsfähig wie eine 5jährige bei Hamley´s (= größtes Spielzeuggeschäft Londons) und hat einen unglaublichen Unterhaltungswert. Gestern zum Beispiel durfte sie als zweite Assistenz bei meiner abdominalen HE partizipieren, und da wir ein Haus sind, welches auch tatsächlich Wert auf LEHRE (und nicht nur aufs Haken halten) legt, hatte sie einen Logenplatz direkt an meiner grünen Seite (ich dagegen hab meinen ersten HE-Situs erst zu Gesicht bekommen, als ich schon Assistenzärztin war – vorher war ich immer für Stunden zwischen den Beinen der jeweiligen Patientin geparkt, mit fünf Haken in der linken und dem Blasen-Larry in der rechten Hand….). Meine Oberärztin hat sich dann auch wirklich alle Mühe gegeben, Häs-schen einen umfassenden Einblick in die Wunder der gynäkologischen Chirurgie zu vermitteln, und die Kleine durfte den Urachus anschauen (“WHOOOOOW” *GroßeAugen* “Das ist ja SO TOLL!!!” *MitDenHändenFuchtel*), die Skelettierte Cervix anfassen (“Oh weh…” *ErschrockenGroßeAugen* “…mach ich da auch nichts kaputt???” *BlassWerd*) und Fäden abschneiden.

D.h. – prinzipiell hätte sie Fäden abschneiden dürfen. Kurz bevor es jedoch so weit kam, fing sie plötzlich mit wilden Verrenkungen an – linkes Bein hochheb, rechtes Bein hochheb, nach vorne beug, nach hinten dehn…?!

Herr H., die OP-Oberschwester und Instrumentenpfleger schaut ein wenig sparsam drein und fragt Häs-schen, ob ihr schlecht sei?

Häs-schen schüttelt abwesend den Kopf: “Nein, ich muß mir nur mal die Füße vertreten…!” tritt dann ungefragt vom Tisch ab und beginnt, schlafwandlerisch-ungezielt durch Saal 3 zu kreisen. Herr H. starrt ihr fassungslos hinterher – so etwas ist ihm auch schon lange nicht mehr unter gekommen….?! Und während ich nun meinen Bauch alleine zu mache, zieht Häs-schen weiterhin Kreise um den Tisch, nimmt dann abschließend mit einem tiefen Seufzer auf dem Anästhesisten-Stühlchen Platz und meint mit weit aufgerissenen Baby-Blau-Augen: “DAS war wirklich eine SEHR LANGE Operation…!!!!”

Der Betäuber fällt vor unterdrücktem Lachen fast hintenüber, und ich habe deutlich Mühe, meiner Empörung nicht laut Luft zu machen (schließlich betrug die Schnitt-Naht-Zeit gerade mal 1 1/2 Stunden! Menno….!). Aber im zweiten Satz schiebt sie ein ansteckend euphorisches “…aber SO GROSSARTIG!!! Und wie toll du das gemacht hast – so etwas könnte ich ja auf gar keinem Fall!!!” hinterher – und augenblicklich bin ich wieder ausgesöhnt mit unserem Baby. Die Kleine hätte eigentlich Motivationstrainer werden sollen – DAS hat sie wirklich RICHTIG drauf…!!!!

Ausflug in die Pädiatrie und bestes Buch ever: HOUSE OF GOD!!!

23. Februar 2010 geschrieben von josephine

Gestern las ich bei KinderDoc DIESEN Artikel über den besorgten Vater eines fiebernden Kindes, und mußte schmunzelnderweise an ein Ereignis im letzten Jahr zurückdenken, das gut zum Thema “besorgte Eltern” passt.

Mein Mann und ich sind sehr gut mit einem benachbarten Ehepaar befreundet, deren Söhne 1 und 3 Jahre alt sind. Das jüngere der Kinder war nun also im Herbst 2009 erkältungstechnisch angeschlagen (typisch erster Kindergartenwinter eben), und fieberte schon seit Tagen mal mehr mal weniger hoch durch die Gegend. Donnerstagabend klingelt dann mein Telefon, Freundin dran – ob ich denn mal geschwind rüber kommen könnte, der kleine Jan-Hugo-Alexander hätte fürchterlich hohes Fieber, sie wisse nicht, was sie machen solle…?! Dazu sei gesagt, daß I., die Freundin, zwar unglaublich lieb, außerdem hoch gebildet und vollumfänglich kompatibel, aber leider (im Bezug auf ihre Kinder) nicht die Nervenstärkste ist. Typ überbesorgte Panik-Mutter.

Ich also ins Nachbarhaus gepilgert, wo mich ein hochrot-backiges, sonst aber durchaus quietschfideles Kind empfängt, die das Thermometer sorgenvoll schwenkende Mutter im Schlepptau. Temperatur: 39,5°C. Ich empfehle lauwarme Waschungen in der Badewanne nebst Paracetamol rectal, und rate sonst zu Abwarten und Tee trinken. ”Ob man denn nicht doch lieber den Notdienst verständigen solle…?” Ein weiterer Blick auf den munter im halbhohen Wasser planschenden Jungen läßt mich kopfschüttelnd verneinen. ”Das wird schon wieder!!!! Ich schwöre…!!!” -  vergebe noch ein paar freundliche, aufmunternde Worte und gehe heim ins Bett, zufrieden, geholfen zu haben.

Tags drauf – ich sitze um 6.10 Uhr komatös vor meiner ersten Tasse Kaffee, fragt der Mann: “Was heute Nacht wohl bei I. & N. los war?”

Ich: “….” (=Erst Kaffee – dann reden!)

Er: “Da stand gegen halb Vier in der Früh der Krankenwagen vor der Tür…?!”

Ich *PRUUUUUUUUUUUUUUST*

Mir wird heiß und kalt gleichzeitig und in meinem Kopf fährt das Gedankenkarussell langsam in die erste Runde: “Hast du etwas übersehen? Vergessen? Hat das Kindele gar gefieberkrampft? War es eine Laryngitis? Meningitis? Andere -itis? Hätte man den Kinderarzt rufen oder Mutter und Kind mit knapp 40 Fieber in die Klinik schicken sollen???”

Ich versuche, I. auf dem Handy zu erreichen - ohne Erfolg. Danach N.s Nummer: die Mailbox geht ran. Waaaaaaah – auf Kinderintensiv sind Handys ja verboten. Mir ist schlecht…

Auf dem Weg zur Arbeit komme ich am Haus der Nachbarn vorbei, das in gespenstiger Stille einsam da liegt… - die Tatsache, daß kein Licht brennt konnte nur bedeuten, daß N. (der Vater des Kindes) EBENFALLS mit in die Klinik gefahren war. Und das kleine Kind hatten sie dann mitten in der Nacht AUCH NOCH mitgenommen – großer Gott, dann mußte ja wirklich etwas ganz furchtbares passiert sein…?! Mein schlechtes Gewissen macht mich völlig fertig und ich schwöre innerlich, NIE WIEDER den Aushilfspädiater für irgendwen zu geben. In der Klinik dann die Anweisung an meine Lieblingsambulanzschwester im 5-Minuten-Takt auf besagte Handynummer anzurufen. Gegen 11 Uhr endlich der erlösende Rückruf auf dem Diensthandy: “I. ist in der Leitung – ich verbinde!”

WAS WAR GESCHEHEN?!?!

Kurzfassung:

I. – auch nach meinem Verlassen des Hauses nicht gänzlichst beruhigte Gluckenmutter – hat dem armen (irgendwann tief und fest schlafenden) Kind im Stundenrythmus das Fieberthermometer sonstwohin gehalten, und von Stunde zu Stunde ging dessen Körpertemperatur immer weiter RUNTER…!!! Um drei Uhr dann 35,8°C (wohl gemerkt: mitten im Winter, mitten in der Nacht und außerdem mittig im REM-losen Tiefschlaf angekommen) hielt sie es nicht mehr aus und verständigte den Rettungsdienst (-> Sie dachte ernsthaft, daß Kind käme jetzt – Paracetamol-kühle-Waschungen bedingt - in die krankhafte Untertemperatur….!!!! )Die Sanitäter-Jungs rückten kurze Zeit später auch brav an, und nachdem sie sich am Kopf kratzend davon überzeugt hatten, daß es sich bei diesem Notruf keineswegs um einen Dumme-Jungen-Streich sondern vielmehr um eine hochbesorgte Jungmutter handelte, packten sie Mutter und Kind in den Wagen und verfrachteten beide in die nahe gelegene Kinderklinik – sollten die sich dort doch mit ausschweifenden Erklärungen herum schlagen.

Und der N., Vater des Bengels? Der war weder mit in die Klinik gefahren, noch hatte er es für nötig gehalten, sich sorgengeplagt den Rest der Nacht schlaflos um die Ohren zu schlagen, sondern war – die Gunst der Stunde nutzend – mit seinem kleinen Kind zurück ins Nest gefallen, und hatte dort friedlich bis zum kommenden Morgen gepennt.

Ehrlich – wenn I. nicht so ein herzensguter Kerl wäre, und ich sie nicht so sagenhaft gut leiden könnte – an diesem morgen hätt ich sie gerne ein klitzekleines bisschen durchgeschüttelt! Zu ihrer Ehrrettung sei jedoch abschließend gesagt, daß sie (bei Tageslicht gesehen) die Sinnlosigkeit dieser nächtlichen Aktion durchaus selbständig eingesehen, deshalb ihr putzmunteres, nun völlig fieberfreies Kind eingepackt und wieder nach Hause verfrachtet hatte. Dies jetzt aber nur gegen Unterschrift und ausdrücklich ärztlichen Rat, denn der (ca. 12-jährige, frisch von der Uni kommende) Stationsarzt hatte nach reiflicher Überlegung und Durchsicht aller vorhandenen Parameter auf einer Ganzkörper-Untersuchung nebst Röntgen-Thorax-Aufnahme UND Schlaf-EEG bestanden….

Zurück in die Gegenwart:

Es ist Diens(t)Tag, und ich hab einen wirklich wunderschönen, hoch befriedigenden Tag hinter mir: Ich durfte nämlich OPERIEREN!!! Eine abdominale Hysterektomie ohne Adnexen! Traumhaft!!!  Und zum wiederholten Mal ist mir aufgegangen, daß ich wohl definitiv zu den Spätgeborenen gehöre: laparoskopieren mag ja super schonend, fortschrittlich und was-noch-alles sein, aber so ein ordentlich aufgeschnittener Bauch, in dem man nach Herzenslust absetzen, schneiden, koagulieren und nähen kann – DA macht Chirurgie doch erst richtig Spaß!!! Bin ich eben altmodisch!… ;)

Zum House of God erzähl ich euch morgen was – heute bin ich einfach zu müd dafür…!

Nachtrag und Dienst und ein persönliches Wort an den KINDERDOC!!!!

21. Februar 2010 geschrieben von josephine

Kleiner Nachtrag zu gestern: Vielen Dank an alle Kommentatoren, und nein, ich bin konstruktiver Kritik keinesfalls abgeneigt, schließlich seid ihr ja das beste Stimmungsbarometer, das Frau sich leisten kann. Und – sind wir doch mal ganz ehrlich – man hat ja doch einen Hang zum Exibitionismus, wenn man der blogschreibenden Gilde angehört, da sollte  man schonmal damit rechnen, das nicht jedem gefällt, was unter dem geöffneten Mantel zum Vorschein kommt… *ggg*

Elisabeths Einwand mit der Zigarette fand ich z.B. überraschend nachvollziehbar – werde es aber dennoch nicht ändern, da ich als ehemalige Ex-Raucherin noch heute in absoluten Stress-Situationen unglaubliche Gier nach einer Kippe bekomme. Und wenn schon ICH nicht darf, dann doch wenigstens meine Lieblingsprotagonistin :)

Und auf Adjektive steh ich einfach von Haus aus. Eine Freundin hat mal gesagt “Du bist Wort-Malerin – aber nicht die puristische Variante”. Recht hat sie - bei mir wird geklotzt und nicht gekleckert!

Heute nun wollte ich euch ein bisschen bespaßen, und - nach 10 Tagen Urlaub frisch zurück im Dienst – einige nette Anekdötchen zum Besten geben - aber was ist??? TOTE HOSE!!! Außer drei Frühschwangeren mit Übelkeit und Erbrechen bzw. profanem Scheidenpilz ist genau gar nichts los hier. Also gibt es keine zu schüttelnden Patienten und auch mein Schädel bleibt wohl für heute von einem direkten Tischkantenkontakt verschont!

Kurz vor Schluß noch ein persönliches Wort in eigener Sache an den Kinderdoc: lieber Kollege, da du mich ja hier in meinem Blog völlig freiwillig und ungezwungen angesprochen (=kommentiert) hast, gehe ich davon aus, das es NICHT in deiner Absicht liegt, das keiner meiner Kommentare in deinem Blog erscheint? Mag mich vielleicht dein Spam-Filter nicht? Gästebucheintrag funzt auch nicht… :(

Okay – demnächst bestimmt mehr – die Woche fängt gerade erst an, der nächste Dienst kommt (Dienstag) ganz sicher…!!!

Hello Auckland, Good Morning San Antionio, Ola Spain!!!

18. Februar 2010 geschrieben von josephine

Ich hab eine neue Leidenschaft: Besucherländer schauen. Wie das geht? Ganz einfach – man nehme “StatPress” (oder irgendein beliebiges anderes Statistik-Programm) und klicke sich durch die einzelnen Sitzungen der Blogleser – in meinem Fall jeweils hübsch dekoriert mit der passenden Flagge des Besucher-Ursprungslandes. Und da stehen dann tatsächlich so tolle Städte wie Auckland, Seattle, Bejing oder London, und ich stelle mir vor, wie “mein” Blogleser da jetzt gerade sitzt und meine Beiträge liest, während durchs geöffnete Fenster vielleicht das Meeresrauschen des Pazifiks oder der Großstadtlärm New Yorks dringt. Und ich frage mich, was die betreffende Person dort gerade wohl zu tun und wie sie “mich” gefunden hat, in den unendlichen Weiten des World Wide Webs…?!

Ihr da draußen in der Welt, erzählt doch mal, was tut ihr da, wo ihr seid und ist es schön? Habt ihr heute schon die Golden Gate Bridge gesehen oder seid in der Bucht vor Sidney surfen gewesen? Liegt Schnee am Kilimandscharo und wie kalt ist es gerade in Südspanien?

Ich bekomme fernweh, wenn ich all die Fähnlein wehen sehe – Australien und New Zealand, Canada und sogar Bermudas!!!

Schickt mir doch ein bisschen warmen Sand oder eine handvoll  Morgensonne über Washington D.C.! Irgendetwas. Ins kalte, neblige, ewig graue Deutschland…!!!