Passend: Mündlich-praktischer Teil des Staatsexamens – Tag 2

12. April 2011

Natürlich ist im ganzen Freizeitstress und im Diss-schreiben wieder untergegangen, dass ich diese Geschichte noch zu Ende führen sollte. Moment, erstmal brauch ich nen Kaffee…
Nebenbei hatte ich etwas verdrängt, dass heute gegen 11:00 jemand kommt und im Bad ne Wasseruhr austauscht. Also, noch schnell das Bad besuchertauglich geputzt.

Wie komme ich gerade heute darauf diesen Blog endlich mal abzuschließen? Ganz einfach: Nachdem letzte Woche Di-Do ja nun (im R.A.F.-Deutsch würde man sagen die 2te Generation) die nächste Kohorte den Kreuzmarathon hinter sich gebracht hat, sind die mündlichen Termine an unserer schönen Uni diesmal in sehr kurzem Abstand – sie haben gestern begonnen und heute um 14:00 muss ne Bekannte von mir vor´s jüngste Gericht. Also, spul auch ich mal schnell die Zeit ein paar Monate zurück…

Rest 1ter Tag in Kurzfassung: Nach endlosen 30 Minuten vor der Tür (unser 4ter Prüfling hatte uns mittlerweile mit seinem Personalausweis wieder gefunden) ging es dann auf die nächste Station, das Kitteldrama geht von vorn los und diesmal kann kein Kittel für den Prüfer gefunden werden. Der Vorsitzende sagt daraufhin “Dann gehen wir halt so rein und ich stelle Sie als Prof. vor!” darauf antwortet dieser “Es ist mir egal, meinetwegen können Sie mich als PJ´ler vorstellen”. Beste Startbedingungen also. Den Teil am Patienten hab ich dann wohl begonnen mit der Vorstellung und der angeforderten Untersuchung (Perkussion Thorax, Schallqualitäten bei verschiedenen Erkrankungen, Untersuchung Knie, Beurteilen Stauungsdermatitis) ganz brauchbar hinbekommen – mit kleinen Aussetzern.

Den 3ten Prüfling überspringen wir mal, beim 4ten war es leider sehr hackelig und wenn keine Antowrt des Prüflings kommt und auch der Prüfer das stur aussitzt, werden Sekunden zur Ewigkeit. Irgendwann sind die dann übrigens auch genervt, wenn man z.B. zur Pauwels-Klassifikation (Schenkelhalsfraktur) nix sagen kann. Wer jetzt nur Fragezeichen sieht – im Rahmen der schriftlichen Vorbereitung begegnet einem die mehr als nur einmal, also keine Angst. Jedenfalls ist es für den prüfling wenig ermunternd wenn er vom Prüfer hört: “Wissen Sie, ich mache das seit 20 Jahren, aber das hab ich noch nie erlebt!”. Soweit so gut, der erste Tag neigt sich dem Ende und ich war einfach nur fertig, erledigt, am Ende. Was ich vorhin nicht erwähnt hatte: Meine Lebensgefährtin ist einen Tag vor mir in den mündliche gegangen, kam mich dann während des Arztbriefs schreiben kurz besuchen, völlig aufgelöst und happy. Note 1. Freut mich total, ich hab aber andere Sorgen, dass ist auch Abend noch so – ich angespannt, sie ausgelassen. Verständlich…

Leider habe ich wie sie nicht das Glück, dass es morgens um 8:00 weitergeht, mein Fahrstuhl zum Schafott fährt erst um 14:00 Uhr ab. Da hat man morgens noch schön Zeit sich verrückt zu machen… Um 13:50 treffen wir uns in der Gruppe, fahren tatsächlich mit dem Fahrstuhl zum angegebenen Konferenzraum, pefektes timing, knappe 3 Minuten zu früh. Drinnen technische Probleme: Unser Chirurg möchte gern Röntgenbilder verwenden, da es keinen Lichtkasten gibt und er das geahnt hat, muss jetzt ein Beamer besorgt werden und auch ein Notebook, CD´s mit Befunden hat er haufenweise dabei wie er uns versichert. Wir stehen insgesamt 18 Minuten vor der Tür mit wachsender Anspannung.

Die Prüfungssituation selber sieht so aus, dass wir den Prüfern direkt gegenübersitzen, die Prüfer sind nach und in der Reihenfolge der Prüfer wird jeder geprüft, der Vorsitzende wacht darüber mit Uhr und Stift, protokolliert genau, wer bei wem wie lange geprüft wurde. Leider kommt so auch der Prüfer des vierten Fachs (KJP) in den Genuss, jeden von uns volle 15 Minuten zu prüfen… Ich will mich nicht beschweren, dafür war´s “nur” KJP, keine Ahnung was passiert wäre wenn da ein Pathologe oder Humangenetiker gesessen hätte.

Das Resümee der Prüfung über alle Kandidaten: Wenn Ihr merkt, die Fragen werden schwieriger und schwieriger und irgendwann wisst ihr nix mehr, gebt das ruhig zu, man muss nicht alles wissen. Mein Visceralchirurg (bei dem ich ja gestern schon Knie untersuchen durfte) hatte tatsächlich einen Stapel CD´s hingelegt, jeder durfte eine ziehen. Bei ihm war ich aber als letzter dran – er hatte uns vorher schon eine CD an die Seite gelegt und gesagt: Wer eine 1 haben will, sollte diese CD nehmen. Gut, mir hat er dann leider nicht mehr die Wahl gelassen, es seien ja so tolle Bilder er hätte Sie erst bekommen. Er würde mir auch einen Tip geben: Da ich ja gesagt hätte, wenn Anä mir nach nem Jahr zu langweilig ist, würde ich auch Hausarzt werden – dann würde ich das im Lauf meines Lebens (zumindest auf dem Land) öfter zu sehen bekommen.

Bild: Schulterluxation, dann Repositionsmöglichkeiten, verschiedene Techniken, wohin am häufigsten luxiert. Reluxationsgefahr? Wie häufig, schätzen Sie mal! Dieses “Schätzen Sie mal haben wir ohnehin alle so oft gehört in den 2 Tagen, z.B. auch: Von allen Kolon-CA-Pat, wie viel Prozent HNPCC?

Die Zeit ging mit einigen lachern und deutlich besserer Stimmung als am Vortag so langsam rum, vom Gefühl her hatte ich 2 fiese Hacker, einmal in Innerer: Wie unterscheiden Sie eine zentrale von einer peripheren Zyanose, ganz einfach, diagnostischer Blick. (Zunge blau: zentral) und in Anästhesie irgendwas mit Ein-Lungen-Beatmung, ich weiss es nicht mehr.

Dann alle raus, Beratungszeit vielleicht 5 Minuten, wieder rein. Wir wollten uns gerade setzen: “Müssen Sie gar nicht, blablabla, sie waren von den Leistungen her unterschiedlich, daher auch die Bewertung unterschiedlich: Ich und ein Mitstreiter “sehr gut”, einmal “gut”, einmal “befriedigend”. Herzlichen Glückwunsch, tschüss, schönen Abend noch.
Das heißt: Nach 6 Jahren: Hurra, ich bin Arzt. Puff. Erledigt. Wie in Trance gehen wir runter, können es noch gar nicht so richtig fassen, im Foyer erwarten mich Freunde mit Sekt und Gebäck…

E N D E und ein letzter Soundtrack

Mündlich-praktischer Teil des Staatsexamens – Tag 1

20. Februar 2011

So, dann wollen wir mal. Der Termin für den mündlich-praktischen Teil des STEX lag knapp 30 Tage nach dem schriftlichen Martyrium, natürlich kredenzt vom IMPP. Ich persönlich war etwas aufgeregter als vor dem schriftlichen, wenn man was nicht weiss, sagt der blöde Kreuzbogen nicht dumme Sau zu einem und guckt nicht blöd. Ok, dumme Sau sagen Prüfer auch nicht, aber wenn man in die Gesichter blickt während jemand anders geprüft wird spricht das manchmal schon mehr als Bände.

Doch von Anfang an, den Abend vorher konnte ich erstaunlich gut einschlafen, bin dann zwar ein paar Mal aufgewacht, aber so schlimm wie vorm Physikum war es irgendwie nicht. Also schnell in den Anzug geschmissen und den weißesten der weißen Kittel eingepackt und ab in die Klinik. Mit der Prüfungsgruppe haben wir uns 7:50 Uhr getroffen, um 8:00 waren wir dann am vereinbarten Treffpunkt. Dort auch Anwesend: Die Chefsekretärin der Abteilung Anästhesie, dafür kein Prüfungsvorsitzender. Die Patienten hat Sie uns mehr oder weniger zugelost, wir hätten auch noch tauschen können. Jeder hatte einen Chir und einen Innere Patienten, unser Vorsitzender wollte aber, dass wir nur zu einem gehen und demenssprechend mussten wir auch nur einen vorstellen. Eigentlich ungerecht, ich kenne Gruppen, die mussten beide vorstellen aber nur einen Brief schreiben. Da ist natürlich viel weniger Zeit.

Diagnose chirurgischer Patient: Handphlegmone nach Arbeitsunfall mit Hammer, Innerer Patient: keine Angabe, kardiologische Station. Da ich vor dem Chirurgen erheblich mehr Angst hatte als vor dem Innereprüfer (Kardiologe) beschloss ich, lieber den zu nehmen. Auf der Station begegnet mir ein Bekannter, der da gerade PJ macht. Die Situation beginnt sich zu entspannen. Der Patient, Herr E. selber hat AP-Beschwerden seit geraumer Zeit, die aber nur am Beginn der Belastung auftreten, im Verlauf dann verschwinden. Hat er sich nichts bei gedacht. Supi denke ich und bediene mich im Arztzimmer erstmal am Kaffee, während ich die Patientenakte kopiere und mein „Team“ anrufe, die mir in der Bib netterweise helfen beim Brief schreiben und aus dem Karow die verordneten Medikamente und so weiter raussuchen.

Das Gespräch mit Herrn E. gestaltet sich total nett, ich kann mir richtig viel Zeit für Ihn nehmen, weshalb ich auch nicht panisch werde, als es an der Tür klopft und Oberarztvisite ansteht. Ich verlasse derweil mal das Zimmer um einen Schluck zu trinken, gucke nochmal auf den ausgefüllten Anamnesebogen. Anschließend kläre ich die letzten Fragen und gehe runter zum Team, um Arztbrief zu schreiben und das Wissen nochmal up-2-date zu bringen.
Wir sind relativ schnell fertig mit allem, und die anderen wollen auch nach Hause, schließlich macht man diese Nummer meist für 3-4 Personen, so furchtbar viel Spaß macht das nicht. Einer meiner Freunde bleibt bei mir, und die letzte Stunde verbingen wir damit die Patientenvorstellung zu üben. Den Brief musste ich um 12:00 Uhr abgeben, treffen mit der Prüfergruppe ist um 14:00 Uhr. Die Spannung steigt natürlich, wer muss als Erster vorstellen, sind die Prüfer auch tatsächlich die angegebenen oder gab es kurzfristige Umbesetzungen? (dann wäre aus einem Kardiologen mal eben ein Hämatologe oder aus einem Visceralchirurgen ein Endoprothetiker geworden, worauf man sich natürlich nicht so intensiv vorbereitet hat…)

Es klappt alles, Prüfergruppe wie angegeben, ich soll als 2ter meinen Patienten vorstellen. Der Vorsitzende möchte die Personalausweise sehen – ZACK! Einer meiner Mitprüflinge hat keinen mit, bzw. ist sich nicht sicher ob der im Spint liegt, der Prüfer besteht aber drauf. Die Stimmung hat den ersten knack weg. Während wir warten bis der Prüfling wieder im 4ten Stock angekommen ist, dauert es dem Vorsitzenden zu lange, er beschließt schon einmal los zu gehen. Erste Station: Erneutes Problem, der Kardiologe (Prof) hat keinen hübschen Kittel mitgenommen, der Vorsitzende (ebenfalls Prof.) meckert ihn an, wir würden schließlich als Ärzte auftreten und er bräuchte einen. Also rennt der Vorsitzende los, ins Stationszimmer und „leiht“ sich einen rumhängenden Kittel aus, vermutlich von einer Ärztin, jedenfalls passt er überhaupt nicht. „Herr D., das Statussymbol, was Sie besorgt haben ist zu klein…!“ Jetzt fühle ich langsam einen wachsenden Riss in der Stimmung. Der Vorsitzende geht erneut los um zu suchen, was der kittellose Prof nutzt um zu frotzeln: Er kann mir ja seinen geben, da passe ich auf jeden Fall rein (Anspielung auf den Bauchumfang des Vorsitzenden). Naja, schließlich hat er noch einen anderen Kittel gefunden und es kann endlich losgehen (ins Patientenzimmer). Mitprüfling zieht sich brav Handschuhe an vorm Zimmer und setzt sich Mundschutz auf, Vorsitzender fragt: „Warum das? Was hat der Patient?“. Leider wird diese Frage schon mit Achselzucken quittiert, was zu einigen Diskussionen vor der Tür führt. Da vor der Tür nicht zu eruieren ist, warum jetzt Vermummung angesagt ist, beschließt der Vorsitzende, dass die übrigen Prüflinge (Prüfling mit fehlendem Ausweis immer noch nicht wieder anwesend…) vor der Tür ausharren und nur die Prüfer und der zu Prüfende ans Bett treten. Toll, ich bin zwar an 2ter Stelle dran, damit ist es gefühlt aber wie an 1ter…

Wie es weiter geht… in den nächsten Tagen

Was muss ich da sehen ???

9. Februar 2011

Nach meinem letzten Eintrag vom 09.11.2010 ist nun schon einige Zeit vergangen, die Existenz dieses Blogs ist mir gestern durch dir digitale MEDI-LEARN Zeitung erst wieder so richtig klar geworden. Der letzte EIntrag so kurz vom mündlichen? Nee, das irgendwie auch blöd.

Also: Was wollt ihr hören (bzw. lesen)

A) Der Erste Tag der mündlich-praktischen Teil des Hammerexamens
B) Let´s talk together – der Zweite Tag
C) “Are there any Germans left in Germany?” – Reisebericht Australien, das Akademiker-Mallorca
D) Stellensuche und Bewerbungsgespräche – Nicht überall herrscht Ärztemangel…
E) 9 Seiten inkl. Deckblatt, WOW! – Arbeiten an der Diss

Ich bitte um rege Beteiligung, auch Mehrfachnennungen sind möglich. Schreibt mir eine Email an

letalis(eht)gmx.de

Bis dahin …

Li Grü

Die Spannung steigt…

9. November 2010

… nach sechs Jahren ist es nun in mehr als greifbarer Nähe. Das letzte Gefecht, auch mündlich-praktischer Teil des zweiten Teils der ärztlichen Prüfung genannt.

Genauer gesagt geht es morgen um 08:00 Uhr los, heute noch schnell beim Prüfungszentrum gewesen und nach Änderungen der Prüferkombination gefragt, glücklicherweise nicht – wobei… Aber lassen wir das. Drückt mir die Daumen, die nächsten zwei Tage werden sicher stressig…

Zwischenbericht von der Front – Z.n. IMPP

11. Oktober 2010

Hallo liebe Leute,

ein kurzer Zwischenbericht von mir, letzte Woche war ja kleiner IMPP-Pretest und es hat geklappt laut
ML-Auswertung habe ich mehr als genug Punkte für ne 3, aber knapp zu wenig für ne 2… Naja, da hatt ich eh nie dran geglaubt. Also weiter mit Vorbereitung fürs mündliche… Mitte Nov ist es soweit !

Drückt mir die Daumen !

PJ: Schönen Gruß, auf Wiedersehen!

24. Juni 2010

Das war es also. Mein PJ. Seit dem zweiten Tertial habt ihr mich durch die Höhen und Tiefen dieser Veranstaltung begleitet. Der Anarchist in mir hat die Rotationsstruktur meines PJ-Betreuers in den letzten Wochen konsequent boykottiert, mit der Folge das es statt zwei Wochen Intensiv einfach mal vier waren.

Da in den letzten Tagen ja einige PJ´s gegangen sind und es nachmittags immer Kuchen gab, war ich auf die Idee gekommen einfach Brötchen zu schmieren und in die Frühbesprechung mitzunehmen. Auch meine nicht vorhandenen Backfertigkeiten haben diese Entscheidung vorangebracht ;-) Also heute morgen früher aufstehen und schon um 06:00 Uhr beim Bäcker pünktlich vor der Tür 30 Brötchen geholt. Mit schneiden, schmieren und belegen hat´s dann trotzdem nicht bis 07:00 Uhr geklappt, billiger als Kuchen backen war´s auch nicht. Also nix mit morgendlicher Intensivvisite. Mit den Resten (hatte extra großzügig kalkuliert) dann noch die Sekretärinnen glücklich gemacht und das zweite Tablett für die Intensivstation.

Im Laufe des Nachmittags war mir dann mein Abschlußgespräch angedroht worden, da der Chef seit zwei Tagen auf Fortbildung hängt also mit meinem PJ-Betreuer und dem leitenden OA der Gastroentero. Anscheinend haben meine Blendgranaten hier auch wieder gezündet; obwohl ich keine Innere machen will, und das jeder weiss: Gute Kritiken, Anästhesie sollte ich mir noch einmal überlegen, schon aufgrund eingeschränkter Niederlassungsmöglichkeiten. Und wenn ich es mir überlegen würde und eine Stelle frei wäre, würde ich eine bekommen. Das ist in der Inneren hier auch ne wirklich nette Geste und etwas wert, aufgrund der guten Weiterbildung sind a) alle Stellen besetzt und b) von drei Leuten die in den letzten 2 Jahren gegengen sind eine OA in nem anderen Haus geworden ist, die zweite zu Ärzte ohne Grenzen gegangen ist und ein dritter hat sich Niedergelassen. In der Inneren hier ist der Ärztemangel tatsächlich nicht spürbar.

Zum Abschluss hab ich in der letzten Spätbesprechung zwei Bücher geschenkt bekommen: “Klinikleitfaden Intensivmedizin” (Kommentar: Wie haben es noch nicht aufgegeben, deshalb kein Anästhesiebuch) und “Wie wollen wir sterben?: Ein ärztliches Plädoyer für eine neue Sterbekultur in Zeiten der Hochleistungsmedizin”. Wahrscheinlich als kleine Spitze, weil ich bei einer Patientin immer wieder gemeckert haben warum wir die Therapie nicht begrenzen.

Ich muss mal mit mir selber und den Verantwortlichen für diesen Blog klären, ob ich während der Examensvorbereitung weiter schreibe. Ich bin mir mit meinem Zeitplan da selber noch nicht ganz sicher – wenn nicht, lesen wir und vielleicht später wieder.

Der Counter auf meinem Desktop zeigt mir jedenfalls an das es noch 101 Tage sind.

Soundtrack des Tages
Soundtrack des Tages II

Selbstversuche in der Medizin

22. Juni 2010

Medizinstudenten sind ja irgendwie Hypochonder. Irgendwer muss die ganzen Erkrankungen doch haben von denen man immer hört, oder? Was mich wegen des Tauchsports besonders interessierte: Habe ich einen Atriumseptumdefekt / ein persistierendes Foramen ovale. Meinem Kumpel, der hier auch PJ macht und dem ich die Spinale gestochen hatte, war es gelungen im Rahmen der präoperativen Vorbereitung an eine transösophageale Echokardiographie zu kommen.(“Schluckecho”, wobei ein Internist in einem Haus in dem ich Famulatur gemacht habe immer meinte es wäre doch eher ein Schiebeecho, weil den Schlauch niemand runterschluckt und man immer nachhelfen muss…)

Was ist nun das Problem beim Tauchen? Während des Tauchens macht man häufiger einen Druckausgleich “Valsalva”, hierduch, aber auch schon beim Husten kommt es zu einer kurzzeitigen Druckerhöhung im rechten Vorhof. Ist man stolzer Besitzer eines PFO können beim Tauchen Mikrogasblasen (durch die Stickstoffaufsättigung) ins arterielle System übertreten, die sich dann lustig Richtung Kopf oder Periphere auf den Weg machen.

Da die Inzidenz des PFO Studien zufolge bei ca. 25 % liegt (manche sagen sogar 33%, d.h. jeder dritte) und nach einer Untersuchung der Uni Düsseldorf Tauchunfälle häufiger bei PFO-Trägern sind gibt es also einen guten Grund bei sich selbst mal nachzugucken.

Da das mit dem Echo nur unter lokaler Rachenbetäubung aber a) nur mäßig angenehm gewesen sein soll und b) der leitende OA der Kardiologie sagte das ginge wegen der Konkurrenz zu niedergelassenen Kardiologen auf keinen Fall (Kumpel hatte Glück wegen OP und OA im Urlaub) ging das also nicht. Einen nicht ganz so sicheren Ausschluss kann man aber auch transthorakal machen. Man lässt sich eine Viggo in die Ellenbeuge legen, schließt einen 3-Wege-Hahn an, an den man zwei 10ml Spritzen bastelt. Eine ist mit 6ml NaCl gefüllt, zusätzlich aspiriert man noch 2 ml Blut, die andere Spritze ist mit 0,5 ml Luft gefüllt. Dieses Gemisch drückt man dann in den Spritzen mehrmals hin und her, bis sich eine schäumige Flüssigkeit ergibt, die man dann in die Vene zurück spritzt. Bereits nach kurzer Zeit lassen sich im rechten Vorhof ganz deutlich Echosignale darstellen, jetzt nur noch Husten / Valsalva machen und gucken, ob von den Signalen was in den linken Vorhof übertritt.

Klingt wild, ist es auch. Hat aber funktioniert, ohne nachweisbaren Übertritt von Signalen. Zum Ausgleich war beim ne Trikuspidalinsuffizienz 1° nachweisbar. Erzählt es nicht meiner Versicherung. Irgendwas ist ja immer…

Link zum Artikel: Hier

Erstes Vorstellungsgespräch ?!

21. Juni 2010

Ein bisschen aufgeregt war ich schon, als ich durch die große Eingangshalle ging auf der Suche nach dem Sekretariat Anästhesie. Mit ein wenig Hilfe hab ich´s dann aber ganz zugig gefunden, kurzer Blick auf die Uhr. Gute 10 Minuten zu früh, also zurück und im Wartebereich Platz nehmen.

Die Chefsekretärin hatte mich übrigens noch angerufen und den Termin vorgezogen, nicht 14:30 sondern 11:00 Uhr. Oki, meinetwegen auch das. Also pünktlich um 11:00 klopf-klopf. Nach Rücksprache mit dem Chef werde ich in die Abteilungsbibliothek gesetzt und soll kurz warten. Insgesamt vergehen dann 25 Minuten, bis ein Herr in blaueb Scrubs vor mir steht. Meine Frage wie die Ausbildung ist wird kurz mit “Gut natürlich” beantwortet, dann verschwindet der Chef aus dem Raum um kurze Zeit später mit den Auswertungen der Weiterbildungsevaluation in Form eines Spinnendiagramms zurück zu kommen. Siehe da, der Laden schneidet fast überall eine Note besser ab als der bundesweite Durchschnitt. Es folgen weitere Ausführungen über Fortbildungsveranstaltungen, wobei er jedes mal wenn es Unterlagen zu etwas gibt erneut aus dem Raum geht, um Material darüber zu holen. Zum Schluß macht er nicht einmal mehr die Tür zu, was dazu führt, dass ich auf dem Flur immerhin nebenbei gucken kann was das Reinigungspersonal so treibt.

Danach gehen wir dann gemeinsam über die Intensivstation und in den OP, hier lerne ich noch die leutende OÄ kennen, die allerdings nur sehr wenig Zeit hat, da Sie gleich auf einen Kongress fahren will. Zusammengefasst soll die Weiterbildung sehr strukturiert sein, nach 2 Jahren OP kommt man auf Intensivstation, während dieser Zeit macht man auch die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin, der Kurs wird zZ noch halb vom Haus bezahlt, ob das dann noch so ist kann aber nicht versprochen werden. Die begleiteten Einsätze kann man während des Dienstes machen, dies dauert aber wohl zu lange, weshalb in der Vergangenheit die Kollegen dafür wohl Ihre Freizeit geopfert haben.

Überstunden fallen fast keine an, letztes Jahr hatte wohl jemand 20 Stunden gesammelt und war damit Spitzenreiter. Es gibt aber auch keine elektronische Zeiterfassung, fallen keine an oder werden keine aufgeschrieben…

Zum Abschluß fragt mich der Chef dann wie es mir gefallen hat und ob meine Fragen beantwortet wären, ich bejahe dies woraufhin er nach meinem Examenstermin fragt und sagt, dann bewerben Sie dich doch danach und wenn wir eine freie Stelle haben, kommen Sie noch einmal vorbei und dann haben wir auch noch ein paar Fragen an Sie.

Nach insgesamt 1:45 verlasse ich das Haus wieder und bin auch nicht viel schlauer als zuvor… Vielleicht muss ich hier aus dem Norden erst mal Abstand gewinnen und nach einiger Zeit in Göttingen noch einmal überlegen ob ich hier wirklich hin will.

So long.

Und, was machen Sie nach dem Studium?

17. Juni 2010

Auf der einen Seite ist es ja schön, die Gewissheit zu haben sich nach erfolgreichem Abschluss der Arztschule seine Stelle frei aussuchen zu können. Einige Kollegen haben in den letzten Tagen und Monaten aus ihrer Zeit erzählt. AiP und Stellensuche wegen Ärzteüberschuss. Aus der Uni-Zeit erinnere ich mich sogar an jemden, der nur weil er an einen bestimmten Ort wollte die einzige freie Stelle als Urologe angenommen hat und das noch bis heute ist. Igittigitt.

Auf der anderen Seite trägt das aber auch merkwürdige Früchte: Stellen sind unbesetzt, Überstunden fallen an, es werden Ärzte beschäftigt, die nach meinem Verständnis vom Patientenumgang und Wissen soviel mit Medizin zu tun haben wie BP mit Greenpeace. Wieder andere haben noch nach 1,5 Jahren Krankenhaus und Sprachkursen massive Probleme mit der deutschen Sprache, müssen aber Patienten- u. Aufklärungsgespräche führen. Wenn ich den Arzt in meinem eigenen Land schon kaum verstehe, wie bitte soll ich da Vertrauen aufbauen?

Schon im ersten Tertial wurde mir uns meinem Mit-PJ eine Stelle in der Chirurgie angeboten. Natürlich hab ich in der Zeit meine Arbeit gemacht und auch brav den Haken gehalten – dass ich kein Chirurg werde habe ich aber auch nie verschwiegen. Deshalb fasse ich das Stellenangebot auch nicht als besonderes Prädikat auf, wobei man schon sagen kann, dass wir als Studenten in der Abteilung beliebt waren und einen guten Stand hatten.

Im zweiten Tertial wurde mir auch eine Stelle angeboten, diesmal aber in einer Abteilung in der ich mir durchaus vorstellen konnte zu arbeiten. Das wirklich nette daran war aber, dass im Vorfeld alle sagten: Der Chef wird euch keine Stelle anbieten, das hat er bei Studenten noch nie gemacht.

Schauen wir doch mal, wie es hier zu Ende gehen wird. Auch hier wissen alle, dass ich Anästhesie machen will. Sollte mir das auf Dauer zu langweilig werden tritt allerdings Plan B in Kraft. Herr Rössler, halten Sie sich fest: Ja, ich würde es tun. Allgemeinmedizin auf dem Land. Quasi wie der ZDF-Landarzt. Nur NEF fahren will ich dann nebenbei, sonst ist´s echt zu öde.

Morgen hab ich jedenfalls ein Gespräch mit nem Chef und dem leitenden OA eines größeren Krankenhauses hier in der Gegend. Ich hatte ne Mail geschrieben um was über Weiterbildungskonzepte zu erfahren, daraufhin kam eine Mail mit dem Betreff: Vorstellungsgespräch zurück, mit der Bitte telefonisch einen Termin zu vereinbaren. Geschrieben hatte ich denen das ich noch PJ bin, am Telefon hab ich es nochmal gesagt. Die Sekretätin (man merkt das Haus wird größer, der Ton der Chefsekretärin rauher) meinte aber das wäre jetzt halt sowas wie ein Vorstellungsgespräch. Kurzer Blick in den Kleiderschrank: Keine tauglichen Klamotten dafür. Also flux die Eltern angerufen und bisschen was hochschicken lassen, so mit schwarzer Hose, Hemd und Halbschuhen. Krawatte gibts nicht, schließlich will ich Anästhesist werden und kein Banker.

Mit An- und Abreise fällt dieser Termin dann genau in die Zeit des Deutschlandspiels morgen… Naja, so ein großer Fan bin ich ja auch wieder nicht. Ich erzähl euch nächste Woche wie´s gelaufen ist…

Langeeeees Wochenende…

15. Juni 2010

… Montag inklusive, da hier noch ein 70igster Geburtstag aus dem näheren Familienumfeld anstand. Bisschen stressig, morgens früh mit der DB hin, einen Anschlusszug noch knapp bekommen, aber pünktlich zum Essen da. Wieder zu Hause leider erst um 22:45 Uhr, was eigentlich schon immer etwas spät ist für meinen Geschmack wenn ich aufstehen soll.

Doch langsam: Erstmal kurz das Wochenende. Mal wieder Hemmoor, diesmal von Donnerstag Abend bis Samstag mit gemieteter Wohnung am Kreidesee. Schöne Tauchgänge, zulässige Maximaltiefe einmal um 5 Meter unterschritten, kam aber zum Glück keine Kontrolle. Trotz angesagtem Dauerregen sind wir nur einmal (außerhalb des Wassers) wirklich nass geworden. Beim Einkaufen schenkte uns die Kassiererin drei Tüten mit mir damals noch unbekannten Plastiktröten, 3-teilig. Mittlerweile weiss ich es sind VUVUZELA´s und sie machen einen höllischen Lärm. Zum kotzen diese Dauerbeschallung. Sonntag Abend haben stand dann Public Viewing auf dem Programm. Leider war die Fläche vor der Leinwand schon 1 h vor Spielbeginn sowas von überfüllt, dass wir nur noch von außerhalb einen Platz mit Blick auf die Leinwand erhaschen konnten, naja. Bin eh nicht sooo der Fußballfan.

Heute Morgen dann also wieder ins Krankenhaus, war aber ein Tag ohne besondere Vorkomnisse, hab wirklich nix spannendes medizinisches zu berichten. So long