Natürlich ist im ganzen Freizeitstress und im Diss-schreiben wieder untergegangen, dass ich diese Geschichte noch zu Ende führen sollte. Moment, erstmal brauch ich nen Kaffee…
Nebenbei hatte ich etwas verdrängt, dass heute gegen 11:00 jemand kommt und im Bad ne Wasseruhr austauscht. Also, noch schnell das Bad besuchertauglich geputzt.
Wie komme ich gerade heute darauf diesen Blog endlich mal abzuschließen? Ganz einfach: Nachdem letzte Woche Di-Do ja nun (im R.A.F.-Deutsch würde man sagen die 2te Generation) die nächste Kohorte den Kreuzmarathon hinter sich gebracht hat, sind die mündlichen Termine an unserer schönen Uni diesmal in sehr kurzem Abstand – sie haben gestern begonnen und heute um 14:00 muss ne Bekannte von mir vor´s jüngste Gericht. Also, spul auch ich mal schnell die Zeit ein paar Monate zurück…
Rest 1ter Tag in Kurzfassung: Nach endlosen 30 Minuten vor der Tür (unser 4ter Prüfling hatte uns mittlerweile mit seinem Personalausweis wieder gefunden) ging es dann auf die nächste Station, das Kitteldrama geht von vorn los und diesmal kann kein Kittel für den Prüfer gefunden werden. Der Vorsitzende sagt daraufhin “Dann gehen wir halt so rein und ich stelle Sie als Prof. vor!” darauf antwortet dieser “Es ist mir egal, meinetwegen können Sie mich als PJ´ler vorstellen”. Beste Startbedingungen also. Den Teil am Patienten hab ich dann wohl begonnen mit der Vorstellung und der angeforderten Untersuchung (Perkussion Thorax, Schallqualitäten bei verschiedenen Erkrankungen, Untersuchung Knie, Beurteilen Stauungsdermatitis) ganz brauchbar hinbekommen – mit kleinen Aussetzern.
Den 3ten Prüfling überspringen wir mal, beim 4ten war es leider sehr hackelig und wenn keine Antowrt des Prüflings kommt und auch der Prüfer das stur aussitzt, werden Sekunden zur Ewigkeit. Irgendwann sind die dann übrigens auch genervt, wenn man z.B. zur Pauwels-Klassifikation (Schenkelhalsfraktur) nix sagen kann. Wer jetzt nur Fragezeichen sieht – im Rahmen der schriftlichen Vorbereitung begegnet einem die mehr als nur einmal, also keine Angst. Jedenfalls ist es für den prüfling wenig ermunternd wenn er vom Prüfer hört: “Wissen Sie, ich mache das seit 20 Jahren, aber das hab ich noch nie erlebt!”. Soweit so gut, der erste Tag neigt sich dem Ende und ich war einfach nur fertig, erledigt, am Ende. Was ich vorhin nicht erwähnt hatte: Meine Lebensgefährtin ist einen Tag vor mir in den mündliche gegangen, kam mich dann während des Arztbriefs schreiben kurz besuchen, völlig aufgelöst und happy. Note 1. Freut mich total, ich hab aber andere Sorgen, dass ist auch Abend noch so – ich angespannt, sie ausgelassen. Verständlich…
Leider habe ich wie sie nicht das Glück, dass es morgens um 8:00 weitergeht, mein Fahrstuhl zum Schafott fährt erst um 14:00 Uhr ab. Da hat man morgens noch schön Zeit sich verrückt zu machen… Um 13:50 treffen wir uns in der Gruppe, fahren tatsächlich mit dem Fahrstuhl zum angegebenen Konferenzraum, pefektes timing, knappe 3 Minuten zu früh. Drinnen technische Probleme: Unser Chirurg möchte gern Röntgenbilder verwenden, da es keinen Lichtkasten gibt und er das geahnt hat, muss jetzt ein Beamer besorgt werden und auch ein Notebook, CD´s mit Befunden hat er haufenweise dabei wie er uns versichert. Wir stehen insgesamt 18 Minuten vor der Tür mit wachsender Anspannung.
Die Prüfungssituation selber sieht so aus, dass wir den Prüfern direkt gegenübersitzen, die Prüfer sind nach und in der Reihenfolge der Prüfer wird jeder geprüft, der Vorsitzende wacht darüber mit Uhr und Stift, protokolliert genau, wer bei wem wie lange geprüft wurde. Leider kommt so auch der Prüfer des vierten Fachs (KJP) in den Genuss, jeden von uns volle 15 Minuten zu prüfen… Ich will mich nicht beschweren, dafür war´s “nur” KJP, keine Ahnung was passiert wäre wenn da ein Pathologe oder Humangenetiker gesessen hätte.
Das Resümee der Prüfung über alle Kandidaten: Wenn Ihr merkt, die Fragen werden schwieriger und schwieriger und irgendwann wisst ihr nix mehr, gebt das ruhig zu, man muss nicht alles wissen. Mein Visceralchirurg (bei dem ich ja gestern schon Knie untersuchen durfte) hatte tatsächlich einen Stapel CD´s hingelegt, jeder durfte eine ziehen. Bei ihm war ich aber als letzter dran – er hatte uns vorher schon eine CD an die Seite gelegt und gesagt: Wer eine 1 haben will, sollte diese CD nehmen. Gut, mir hat er dann leider nicht mehr die Wahl gelassen, es seien ja so tolle Bilder er hätte Sie erst bekommen. Er würde mir auch einen Tip geben: Da ich ja gesagt hätte, wenn Anä mir nach nem Jahr zu langweilig ist, würde ich auch Hausarzt werden – dann würde ich das im Lauf meines Lebens (zumindest auf dem Land) öfter zu sehen bekommen.
Bild: Schulterluxation, dann Repositionsmöglichkeiten, verschiedene Techniken, wohin am häufigsten luxiert. Reluxationsgefahr? Wie häufig, schätzen Sie mal! Dieses “Schätzen Sie mal haben wir ohnehin alle so oft gehört in den 2 Tagen, z.B. auch: Von allen Kolon-CA-Pat, wie viel Prozent HNPCC?
Die Zeit ging mit einigen lachern und deutlich besserer Stimmung als am Vortag so langsam rum, vom Gefühl her hatte ich 2 fiese Hacker, einmal in Innerer: Wie unterscheiden Sie eine zentrale von einer peripheren Zyanose, ganz einfach, diagnostischer Blick. (Zunge blau: zentral) und in Anästhesie irgendwas mit Ein-Lungen-Beatmung, ich weiss es nicht mehr.
Dann alle raus, Beratungszeit vielleicht 5 Minuten, wieder rein. Wir wollten uns gerade setzen: “Müssen Sie gar nicht, blablabla, sie waren von den Leistungen her unterschiedlich, daher auch die Bewertung unterschiedlich: Ich und ein Mitstreiter “sehr gut”, einmal “gut”, einmal “befriedigend”. Herzlichen Glückwunsch, tschüss, schönen Abend noch.
Das heißt: Nach 6 Jahren: Hurra, ich bin Arzt. Puff. Erledigt. Wie in Trance gehen wir runter, können es noch gar nicht so richtig fassen, im Foyer erwartebn mich Freunde mit Sekt und Gebäck…
E N D E und ein letzter Soundtrack