Intensiv
22. Februar 2011 geschrieben von sofieSeit Februar bin ich jetzt auf Intensivstation und ich fühle mich noch völlig überfordert. Wie in den ersten Wochen nach Arbeitsbeginn. „Frau Doktor, was machen wir denn jetzt?“ „Keine Ahnung, ich würde mal einen Arzt fragen.“ Trotz Intensivkurs. Ich verstehe noch nicht, warum meine Vorgängerin die Intensivzeit so entspannt fand, ich bin maximal gestresst. Ja, man sitzt mal, ja man muss sich mal länger Gedanken über einen Patienten machen und ja man kommt etwas regelmäßiger dazu, etwas zu essen. Aber oft rennt man zwischen 2-3 instabilen Patienten hin und her. Es wollen prinzipiell immer zwei Patienten gleichzeitig einen Tubus. 1/4 wird bei Intubation reanimationspflichtig. 90% haben Herzrhythmusstörungen. Die Angehörigen wollen jeden Tag stundenlang reden. „Es gibt keine Veränderung“. „Ach, Frau Doktor, wie lange muss er denn noch hierbleiben?“
Dabei habe ich mich so auf die Intensiv gefreut. Ich war echt ausgebrannt, die letzten drei Monate war ich die zweite Ambulanzbesetzung, das heißt Mädchen für alles, Vertreter von jedem und oft genug alleine in der Ambulanz, wenn die Erstbesetzung im Dienstfrei, Notarzt oder sonst irgendwie nicht da war. Unsere Ambulanz braucht eigentlich immer zwei unfallchirurgische Assistenten. Wir haben da unten die BG-Sprechstunde, die normale Lauf- und RTW-Kundschaft und den Schockraum. Zu zweit ist es meistens machbar (außer an den Glatteistagen,) alleine ist es die Hölle. Alles was Schmerzen hat, die nicht ganz eindeutig dem Bauch oder dem Herz zuzuordnen sind, wird unfallchirurgisch aufgenommen. So hatte ich schon Nieren/Harnleitersteine (häufig), eine Meningitis, eine Hodentorsion und einen Herzinfarkt.
Wir arbeiten im Schichtsystem. Die Nachtdienste bleiben mir noch einen Monat erspart. Vor denen graut mir auch ganz schön. Prinzipiell werden ja immer mindestens zwei Patienten gleichzeitig instabil. So auch Samstag, zum Glück während der überlappenden Zeit von Früh- und Spätdienst. Ein Patient musste von einer inneren Station übernommen und intubiert werden ein anderer ließ sich immer schlechter beatmen. Spannungspneu. So durfte ich mal wieder eine Bülau-Drainage legen, das kann ich besser als intubieren und ZVKs legen. Aber auch da habe ich gerne jemanden in der Nähe, der es wirklich sicher beherrscht.
Dieses Gefühl der Unsicherheit ist für mich wirklich das Allerschlimmste. Ich hoffe wirklich, bis zu meinen Nachtdiensten zumindest die meisten schwierigen Situationen meistern zu können….
