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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : OP-Schock!



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lotico71
17.12.2003, 19:32
Hallo,
ich hoffe einer der erfahrenen Studenten und OP-Gänger kann mir einen Rat geben.
Ich würde gern Medizin studieren. Da ich eher zu der empfindlichen Sorte Mensch gehöre, habe ich jetzt ein 3-wöchiges Praktikum im Krankenhaus angefangen um zu testen, ob ich Blut sehen kann(etwas kurz, ich weiß). Der Vorteil ist, dass ich überall mal "reinschnuppern" darf. Bisher war ich im Labor, Histologie, Kinder- und Jugendpsychologie und in der Pathologie.

Ich dachte ja, dass ich bei einer Sektion schon beim Anblick der Leiche umkippe. Dies ist jedoch nicht geschehen. Ich habe mich nicht einmal geekelt, obwohl das volle Programm abgespult wurde (viel Blut , Sekrete, Sägen, Geruch, Spaltung der Wirbelsäule, ...). Nun war ich heute jedoch im OP. Schilddrüsenoperation. Das Einführen des Tubus fand ich schon nicht angenehm. Die OP selbst war anfangs recht unblutig. Doch dann bekam der Patient eine erhebliche Blutung, die gestillt werden mußte. In diesem Moment wurde mir wirklich schwummerig. Umgekippt bin ich zwar nicht. Es hätte aber nicht mehr viel gefehlt.

Ich finde es komisch, dass mich eine Sektion nahezu kalt lässt, aber ein bißchen Blut während einer OP mich fasst aus den Latschen haut. Spielt dabei die emotionale Ebene noch eine Rolle? Immerhin hat man sich mit dem Patienten grad noch unterhalten. Dabei wurde mir schon gesagt, wenn du eine Sektion überlebst, schaffst du den Rest auch. Da hab ich jetzt schon wieder meine Zweifel. Welche Fachrichtung kann man als nahezu blutarm weiterempfehlen?

Lava
17.12.2003, 19:41
Ich kenne deine Situation, obwohl es bei mir eher umgedreht war: ich habe einmal bei einer OP zugeschaut und fand es superinteressant, auch der Präpkurs hat mir nichts ausgemacht - nur bei der Sektion in der Pathologie hätte ich beinahe lang gelegen. Ich glaube, das hängt auch mit der Tagesform zusammen und natürlich mit den eigenen Gefühlen und Emotionen. Aber gerade die sind wandelbar und ändern sich mit der Erfahrung. Klar, es gibt Leute, die sehen einmal eine Leiche und wissen, dass sie nie und nimmer Arzt werden wollen. Aber ansonsten denke ich, dass man sich auch an OPs gewöhnen kann. Vielleicht fängst du mal "klein" an und guckst bei Blutabnahmen, ZVK legen, Aderlass etc. zu. Dabei sind die Patienten ja meistens wach und das nimmt dir vielleicht etwas die Angst und du merkst, dass es evtl nicht nur am Blut liegt. ;-)

Unblutige Fachrichtungen? Hm... Biochemie (ja, es gibt den Facharzt Biochemie!), Humangenetik vieleicht.... Radiologie...äh... na da gibt's sicher einige, wo man vielleicht nur mal Blut abnehmen muss und nicht gleich alles aufschneidet *g*

beckspistol
17.12.2003, 20:01
psychiatrie, nuklearmedizin... :-))

hibbert
17.12.2003, 20:49
Also ich denke ja man gewöhnt sich an alles. Als ich das erste mal zugesehen habe, lag der gesamte Oberschenkel offen und ich musste auch schnell den Saal verlassen, sonst wär es bestimmt nicht gut ausgegangen. Man darf aber auch nicht den Fehler machen nichts gegessen und getrunken zu haben, das trägt dann sein übriges dazu bei.
Aber auch gerade der tägliche Umgang mit Blut usw. auf Station macht einiges aus, so dass man es dann letztendlich nicht mehr so schlimm findet.
Geh doch einfach immer mit in den OP, wenn sich die möglichkeit bietet und steiger Dein Pensum:-)) dann geht das schon nach einiger Zeit. Bei mir hat Gewöhnung und nicht mit leerem Magen hingehen sehr gut geholfen.
Und wenn das auch nix bringt, dann würd ich mal Becks zustimmen :-))

Vystup
17.12.2003, 23:14
eben, nach einer weile juckt das alles nicht mehr so...

DanielOliver
17.12.2003, 23:59
Ist echt ne Frage von Tagesform und Gewöhnung.

Der Chefarzt der Unfallchirurgie wo ich Zivi und eine Famulatur gemacht habe hat mir bei meinem ersten mal im OP erzählt das er an seinem ersten Tag als AiP sich im OP hingelegt hat.

Heute ist er Chefarzt einer großen Unfallchirurgie, geht also alles.

Und wenns knapp wird schön mit den Füßen wippen, hilft ware Wunder.

hibbert
18.12.2003, 00:13
Oh ja, Füsse wippen und Beinmuskeln anspannen. Wirkt wunder! :-top

Hexe
18.12.2003, 09:30
Gerade für Mädels kann ich noch empfehlen: Damenstrümpfe mit Stützfunktion (also hoher DEN-Zahl)! Die helfen auch, dass die Beine nicht anschwellen und das Blut "versackt", genau wie beim Füße wippen!
Aber auch den Herren der Schöpfung dürfte das helfen! Und sooo schlimm sind Damenstrümpfe ja auch nicht! Wer je bei der Bundeswehr 30km marschieren musste, wird sie wohl auch mal getragen haben... (Wenn auch aus anderen Gründen.)

Ganz wichtig ist wirklich, wie schon mehrfach erwähnt, genug gegessen zu haben! Kakao, Nutellabrot und Müsli haben in meiner ersten OP-Woche nahezu Wunder gewirkt, was vermutlich auch mit dem vielen Zucker zusammenhing.

Außerdem muss man ja nicht stundenlang aufs OP-Feld stieren! Wenn ein bißchen schwummerig wird, kann man sich ja auch mal mit der Anästhesieseite beschäftigen und für ein paar Minuten hinter dem Anästhesiebügel abtauchen. Ich habe damit wirklich gute Erfahrungen gemacht und so Gedanken wie "Wenn ich aber Chirurg/Orthopäde/Gynäkologe/usw. werden will, MUSS ich doch auch die ganze Zeit aufs OP-Feld schauen!" sollte man einfach verdrängen! Damit habe ich mich am Anfang total verrückt gemacht, aber es bringt wirklich nichts!
Und wenn man sich mit den Anästhesisten und den Anästhesiepflegern (von denen kann man nämlich auch eine Menge lernen) nett unterhält, seine Motivation zum Ausdruck bringt, darf man vielleicht auch mal bei einer Intubation assistieren, einen Zugang schieben oder ähnliches. Man muss halt nur mit den Leuten reden. Dann bekommt man nämlich auch so aufmunternde Anekdoten wie die vom Chefarzt zu hören... und so etwas macht ja nun wirklich Mut, oder? :-top

blanko
18.12.2003, 15:14
Meine rste Op war ein Bypass, also mit offenem Thorax und dem ganzen drum dran, fand ich super. Im Dermapraktikum hatten wir dann auch einen Op-Teil mit der Folge, daß mir da ganz schwummerig wurde, als ich nur beim Unterspritzen zugesehen habe.
Denke, daß hat nichts mit kein Blut sehen oder zart besaitet zu tun, sondern, daß auch der beste Kreislauf mal abklappt.

Jany
19.12.2003, 15:09
Ich mache grade die pflegeausbildung und habe schon bei einigen OPs zugesehen. Bei einer ist mir auch etwas schummerig geworden, bin dann rausgegangen, hab mir ein Glas wasser getrunken und dann gings wieder.

Habe aber gehört, dass auch schonmal ne PJlerin umgekippt ist. Sie musste sich dann fürs nächste mal Anti Thrombose Strümpfe anziehen und dann ging es auch wohl. Ist natürlich peinlich... aber da sagt niemand was.

Neujahrsrakete
19.12.2003, 16:22
Original geschrieben von Jany
Habe aber gehört, dass auch schonmal ne PJlerin umgekippt ist. Sie musste sich dann fürs nächste mal Anti Thrombose Strümpfe anziehen und dann ging es auch wohl. Ist natürlich peinlich... aber da sagt niemand was.

Äääääääääm, WAS genau ist daran peinlich, mal umzukippen?

hibbert
19.12.2003, 16:26
Die Schamgrenze soll ja bei einigen Menschen sehr unterschiedlich sein :-)) . Mir wäre es peinlich gewesen vor der gesamten OP-Belegschaft umzukippen. Muss ich ganz ehrlich sagen und so schnell hätte ich mich da nicht wieder reingetraut.....

Aber wie gessagt, Menschen sind ja zum Glück verschieden :-D

ehemalige Userin 24092013
19.12.2003, 16:50
Ich bin bei meiner ersten OP (Cystektomie) auch umgefallen......und dann kam eben der ultimative Tip, von dem hier schon geredet wurde, Stützstrümpfe und Muskelpumpe:-)
Die meisten Leute kippen eben nur um, weil nach längerem Stehen kaum noch Blut in der Birne ankommt, sondern sich lieber irgendwo in dem Füssen tummelt.


Gruss Kaddel

DR.VERWIRRT
19.12.2003, 22:50
hi.

ich denke es ist nicht nur das blut etc.

sondern auch die luft , der mundschutz, die temperatur, die stimmung,


was ´dazu führt , dass man im op manchmal bewusstlos wird , einem schlecht wird oder ähnliches.


ich war nur als pfleger im op und auch mir wurde manchmal schwummrig,

so lange man ehrlich mit seinem befinden umgeht und es offen äussert is das kein problem.


und.. man gewöhnt sich an alles.....


ps.

ach ja fuer alle hygienefanatiker einfach fenster auf... (hihih)

Feuerblick
20.12.2003, 00:06
Nur nicht verrückt machen! Wenn man zum ersten Mal in den OP geht oder zum ersten Mal in einer neuen Fachrichtung im OP zusieht, dann macht man sich innerlich meist vorher so verrückt, daß man fast umkippen MUSS... Man fragt sich 1000mal, ob man das alles sehen kann, ob einem vielleicht schwindelig wird und so weiter. Und dann kippt man halt auch um!
Aber man gewöhnt sich dran. Wenn man erst mal Atmosphäre und Ablauf in einem OP kennengelernt hat, dann gibt sich das mit der Aufregung.
Dann bleibt nur noch das Blut, das in den Beinen versackt - und wie man dem entgegenwirken kann, das stand ja schon in ein paar Beiträgen. Wenn man assistiert sollte man allerdings die OP-Schwester vorwarnen, das man vorhat, ein bißchen mit den Beinen zu zappeln, sonst wird die nervös... :-))

Peinlich finde ich es nun auch nicht, wenns einen im OP mal von den Füßen haut. Jeder hat mal nen schlechten Tag und jeder hat mal so seine Probleme mit dem Kreislauf. Ich hatte in meiner letzten Famulatur schon eine Menge OPs gesehen, incl. einer achtstündigen Hysterektomie mit Ausräumung der Lymphknoten in der Umgebung. Und dann kam ich im PJ zum ersten Mal zum Assistieren in den Augen-OP (wo so gut wie kein Blut fließt) und nach fünf Minuten mußte ich vom Tisch weg, weil ich sonst vom Stühlchen gefallen wäre. Hab mich nen Moment hingesetzt (von der Springerin zur nächsten Sitzbank geleitet) und bei der nächsten OP auch schon wieder assistiert. Seither ist nie mehr was passiert!

Also, nur Mut! Immer wieder rein in den OP, zwischendurch mal weggucken, ein bißchen zappeln und nicht verrückt machen, dann wird das schon!

Blickchen

milz
20.12.2003, 00:27
Was mir leider immer noch zu schaffen macht ist der saure Geruch von frischer Kotze oder wenn Leute irgendwelche üblen Sachen (grüner, halb vertrockneter Schleim) im Mund haben.
Da bekomm ich selbst sehr rasch einen salzigen Geschmack in den Mund... :(

Feuerblick
20.12.2003, 00:48
Jepp, da ist meine Selbstbeherrschung auch hinüber!! Wenn mir einer vor die Füße k...übelt, dann muß ich schnell gehen, sonst schließe ich mich an... Angeblich kann man sich aber auch daran gewöhnen...

Niko
20.12.2003, 19:08
Ist keine Schande wenn einem mal schlecht wird oder drauf und dran ist umzukippen- beim assistieren hat es sich bewährt einfach der OP schwester dieses (vielleicht auch dezent) mitzuteilen, dass man sich mal gerne setzen möchte (so kann sie dann auch nen Hocker noch schnell mit nem Tuch steril bedecken) und dann versucht man im Sitzen weiter Haken zu halten (oder wenns nicht geht arragieren sich die anderen am Tisch mal kurz- denn die meisten hatten schon mal selber das Problem nicht ganz stand ;-) fest zu sein- nicht schlimm- denn einmal Hinsetzen wirkt wunder...!!!
Des Weitern sollte man (wie schon beschrieben) wirklich gut frühstücken und beim assistieren auch genug getrunken haben- kann wirklich verdammt heiß unter Haube, Mundschutz, Schutzbrille und besonders Kittel werden, wenn man z.B. in der Orthopädie assistiert (bes. zum erten Mal)!!!
Das Schlimmste was man machen kann denke ich versuchen das Umfallen zu unterdrücken und versuchen "standhaft" zu bleiben- man ist wirklich verdammt froh zu sitzen und ist plötzlich wirklich erleichtert. Sonst sehnt man sich nen Stuhl, O-Saft usw. herbei und kippt dann wirklich um- ich hatte mich grade noch rechtzeitig hingesetzt...
Hatten mal ne Famulantin- die hat das wohl versucht zu unterdrücken und vielleicht sowieso nen geringen Blutdruck- umgekippt und vom Springer aufgefangen worden.

Also ist wirklich keine Schande mal kurz rausgehen zu müssen..- vielleicht am Anfang erstmal Anästhesie zugucken (s.o.) und dann hin und wieder mal überes Tuch, also die Abdeckung zum OP-Feld hin schaun und dieses dann langsam von Tag zu Tag steigern(veilleicht auch erstmal immer weider bei gleichen Eingriffen- dann weiß man allmählich worauf man gefass sein sollte...

Etwas wirr und viel geschrieben hoffe damit aber helfen zu können.

Gruß N

Hexe
20.12.2003, 19:36
Jo, das mit dem Kübeln ist so eine Sache. Wir haben letztens einen blutkotzenden Patienten im Rettungswagen gehabt... also, dass er eine GI-Blutung hatte, ist uns erst aufgefallen, als er sich zur Seite drehte und eine Menge halbverdautes Blut, etc. über meinen weißen Pulli und die rote Hose verteilte... oh Gott, ich hab ja wirklich schon einiges im Rettungsdienst gesehen und vor allem gerochen, aber DAS... ich musste da auch ganz schnell schlucken!
Als wir den Patienten endlich abgegeben hatten (ich hatte vorher noch nie Kreislaufprobleme im RTW, aber da...!), bin ich erstmal auf's Klo und habe aufgehört zu schlucken... :-))
Von einer sehr rounierten Schwester aus der Notaufnahme (ich habe mir bei der etwas Paspertin erbeten) habe ich dann zu hören bekommen, dass auch ihr manchmal noch ziemlich komisch wird, wenn ihr ähnliches passiert oder ein Patient eingestuhlt und eingenässt hat, was ich sehr tröstend fand. Ich denke mal, auch Mediziner und Leute in medizinischen Fachberufen sind nur Menschen, die so natürliche Gefühle (wie eben auch Ekel) nicht bis ins Letzte unterdrücken können. Und der Notarzt war ebenfalls beeindruckt, weil ihm selber wohl auch ziemlich anders geworden ist... :-)
Also, nochmal muss ich das nicht haben, aber es war eine Erfahrung wert... man lernt ja doch für's Leben... :-)

Rico
20.12.2003, 20:05
Original geschrieben von Hexe
Ich denke mal, auch Mediziner und Leute in medizinischen Fachberufen sind nur Menschen, die so natürliche Gefühle (wie eben auch Ekel) nicht bis ins Letzte unterdrücken können. Is ja auch nicht sinnvoll, schließlich ist Ekel eine uns von Mutter Natur mitgegebene Schutzfunktion um uns von ungesunden Dingen, wie andererleuts Körperflüssigkeiten, Exkremtenen und Erbrochenem fernzuhalten.
Ich merk das immer, wenn irgendwo einer kotzt und ich handschuhe und Mundschutz anhab, dann macht mir das fast nix aus, dann fisch ich auch noch das letze Stückchen Quarktasche aus dem Mund raus :-keks
Aber wenn ich "ungeschützt" bin, dann merk ich auch, wie mein Magen langsam Bedenken anmeldet, ob ich da jetzt wirklich noch näher ranrehen sollte... :-D