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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Für wie wichtig haltet Ihr ein Auslandstertial?



sagaro1810
07.07.2005, 21:50
Hallo,

bin irgendwie sehr hin und her gerissen...
Einerseits würde ich gerne ein Tertial im Ausland verbringen - einfach, weil es die Gelegenheit so ja nicht wieder gibt und mir meine Auslandsfamulatur viel Spaß gemacht hat...
Aber nachdem ich nun diverse Bewerbungen nach England und Spanien geschickt hab, ohne eine Rückmeldung zu bekommen, und man mir an der Uni gesagt hat, dass es für erasmus zu spät ist und sie mir auch sonst nicht weiterhelfen können, frage ich mich, welchen Aufwand so ein Tertial wert ist???

Hab mir -zig Internetseiten der unterschiedlichsten Unis angesehen, aber die meisten nehmen einen entweder nicht für 3-4 Monate oder sind unglaublich teuer (Kanada, Australien, USA)... da frag ich mich, ob ich mir für das Geld nicht lieber einen Urlaub dort gönne? Mal davon abgesehen, dass ich im Moment wirklich nicht weiß, was ich versuchen könnte, um noch einen Platz zu bekommen...

Naja, würd mich einfach mal interessieren, was Ihr so denkt...

Viele Grüße!

sagaro

MichaelHH
07.07.2005, 21:58
Hallo! Ich habe im PJ 10 von 12 Monaten im Ausland verbracht, in Chile, Kanada und der Schweiz und fand, dass jedes Tertial eine riesige Erfahrung dargestellt hat. An Deiner Stelle würde ich auf jeden Fall versuchen, noch etwas im Ausland zu bekommen. Du hast schon recht, es ist oft aufwendig zu organisieren und Flüge und Unterkünfte kosten Geld, aber wenn man dann einmal dort ist, hat man die Widrigkeiten schnell vergessen.

In Toronto konnte man zwar nur für lediglich zwei Monate PJ machen, aber die Gebühren hielten sich noch im Rahmen (ca. 250 Euro für die ganze Zeit, wenn ich mich recht entsinne). Aus der Schweiz weiss ich, dass die Unterassistentenstellen zwar oft langfristig (ca. anderthalb bis zwei Jahre im vorraus) vergeben werden, aber dann kurzfristig etwas frei wird, weil Bewerber abspringen.

Viel Glück beim Suchen,

Michael

Froschkönig
07.07.2005, 23:04
Ich war und bin der Meinung, daß Auslandstertiale sicher einen riesen Spaß machen aber keine Notwendigkeit darstellen. Sicher sind sie eine "Erfahrung" aber man hat IMMER eine Sprachbarriere (und ich werte Österreich und Schweiz jetzt mal nicht als "Ausland)- selbst wenn es "nur" Englisch ist - und das Procedere und die gängigen Abkürzungen werfen einem zusätzlich Steine in den Weg, einfach nur was zu lernen dabei. Damit will ich niemandem aktiv von AUslandstertialen oder -famulaturen abraten sondern nur sagen, daß es für die eigene praktische Ausbildung sicher auch nicht nachteilig ist, wenn man sich im PJ bemüht, die Praxis in D zu lernen und zu begreifen. Ich wüßte auch niemanden der nur auf Grund seines Tertials in Kuala Lumpur einem anderen Bewerber vorgezogen wurde. Ein Auslandstertial ist meiner Meinung nach eben etwas weniger lerneffekt (auch wenn man teilweise sicher dinge sieht die es bei uns nicht oder nicht mehr gibt - dabei stellt sich aber dann immer die Frage der Praxisrelevanz....in Indien 40 Kala Azar Fälle therapiert zu haben ist sicher auch toll aber hier kannste dir wenig davon kaufen..zumal wenn du die Krankheit ohnehin kennst) und dafür etwas mehr "Erlebnis" und Fun.

:-meinung

Der Frosch

thrombos
08.07.2005, 20:56
!!! Ausland ist Pflicht !!!


wenn man noch nicht zum famulieren wegwar muss man während dem PJ aber endlich weg!!!

Diese Erfahrungen DARF man einfach nicht missen!

die anderen Arbeitsumstände, die andere Sprache, das Land, die Menschen, möglichst am WE wegfahren, .... guckt doch mal über den Tellerrand!

ich bemitleide jeden, der diese Chance nicht nutzt!

.... schweiz muss man halt früh bewerben, aber sonst ... die Chefärzte anschreiben, das geht echt! und nicht frusten lassen - wer will kann auch gehen!
also Chefarzt würde ich (eigene Meinung) niemanden einstellen, der nicht im Ausland war und ich hab vpon viele gehört, dass Ausland wichtiger ist im Lebenslauf als ne gute Note!!! und das zusätzlich zur Lebenserfahrung? Unschlagbar finde ich!

Evil
10.07.2005, 16:23
Mmh, sowohl die Meinung vom Frosch als auch die von thrombos halte ich für übertrieben:

ich hab das Chirurgie-Tertial in Irland verbracht, was mir fachlich letztlich nicht allzuviel gebracht hat, aber eine wichtige Erfahrung war....
allerdings nicht im Sinne von "fun", sondern eher damit zu tun hat, sich unter völlig fremden Umständen zurechtzufinden...

Dagegen spricht eindeutig, das es schweineteuer war (gut 4 1/2 tausend Euronen)...

Also, wenn's klappt, sollte man's machen, wenn nicht fehlt einem aber nix...

thrombos
10.07.2005, 16:34
Mir hat ne Famultur auf Jamaika z.B gebracht, dass ich kapiert hab, dass das deutsche Gesundheitssystem absolut 1A ist.
Ich war in 5 Wochen vielleicht 4 mal am Strand und jeden Tag von 6 bis 21 Uhr in der Klinik, aber es war super toll und es hat mich als Mensch total verändert, in meinen Einstellungen, meine Idee von Patienten und Behandlungen ... menschlich - bei nem Urlaub hätte ich das nicht erleben können!

Meine Famualtur in Boston war das abolute Gegenteil, absolutes High-Tech Medizin ... aber ich hab gelernt, dass das Gesundheitssystem 1A ist und dass nicht alles was USA bedeuted autmatisch gut sein muss (nicht dass ich davor davon überzeugt gewesen wäre), was Forschung auf höchsten Level bedeutet und wie man Patienten auch angehen kann ...

2 Famulaturen, 2 Erfahrungen und ich will keine missen! Ohne diese wäre ich nicht die, die ich heute bin - und ich sehe was meinen Kommilitonen um mich rum fehlt!

Stella&Lime
10.07.2005, 16:59
Das Auslandserfahrung wichtig ist ist wahrscheinlich allen klar!

Ich finde es aber ein bißchen arrogant zu sagen, Du wüsstest jetzt was den Studenten in Deiner Umgebung fehlt!!!
Nicht jeder hat das Geld, sich mal locker den Flug und die Unterkunft zu finanzieren!!!
Es gibt sicher oft Mittel & Wege, aber wenn man sich sein Studium weitgehend selbst zu finanzieren hat, ist ein teurer Flug oder auch teure Studiengebühren nicht so einfach drin...

thrombos
10.07.2005, 17:04
also ich finaniere außer der Miete mein Studium selber und konnte mir das leisten und werde mir auch PJ im Ausland finanzieren - die Hälfte von dem was mich 2 Monate Afrika kosten werden, verdien ich in 4 Monaten Schweiz - es geht alles, man muss nur wollen!

und ja ich merke, was denen fehlt - ich hab 3 Freundinnen (meine besten), von denen keine weg war und ich sehe was ihnen (und vielen anderen) fehlt - jeden Tag!

Es ist definitiv finanzierbar, das ist nur ne Ausrede!

Evil
10.07.2005, 17:28
Da möchte ich aber auch mal widersprechen.

Ich denke nicht, daß ein guter Arzt zwangsläufig einen Auslandsaufenthalt vorweisen muß... wenn Deine Freundinnen nicht über den Tellerrand hinauskucken können (so das denn überhaupt ihr Problem ist), wird ein Tertial in was-weiß-ich-nicht-wo das kaum ändern...

thrombos
10.07.2005, 17:40
jeder MENSCH sollte die Gelegenheiten ergreifen andere Länder, Menschen, Kulturen, Lebensarten, Einstellungen usw usw kennenzulernen!

und wir sind geradezu prädispositioniert dazu in unserem Studium, weil wir einfach mit Menschen zu tun haben! ich würde das aber genauso Juristen, BWLern, Geisteswissenschaftlern.... empfehlen!!! nur haben die eben das Pech, das sie eher selten in Haushalte reingucken können und sehr intime Gespräche führen können ....

ein Arzt kann auch ein guter Arzt werden, wenn er immer in einer Klinik war und nie den Heimatort verlassen hat .... aber die Wahrscheinlichkeit auf die andere Art ist eben größer!

ich hatte aauch schiß und musste nen bißle gestoßen werden - aber wie gesagt - es hat mich unsagbar verändert (und bin nur ein Bsp, alle die ich kenne, die weggangen sind, haben vollkommenverschiedene Erfahrungen gemacht, aber alle sind verändert, erwachsener, vernünftiger, rationaler, empatischer, aufgeklärter .... einfach entwickelter wiedergekommen!

es kostet Geld, klar, aber wenn ich mir anguck, ... Person A gibt €1200 für ne Auslandsfamultur aus, Person B andere €1000 für nen Partyurlaub auf Ibiza --- ich (natürlich nicht jeder) weiß welchen ich bevorzuge ...

Evil
10.07.2005, 17:46
ein Arzt kann auch ein guter Arzt werden, wenn er immer in einer Klinik war und nie den Heimatort verlassen hat .... aber die Wahrscheinlichkeit auf die andere Art ist eben größer!
DAS mußt Du mir erklären.... im Gegenteil, ich kenne einige, die fast quer durch die ganze Welt gezogen sind, und trotzdem nicht so recht wissen, was sie wollen...

Zur Klarstellung: ein Aufenthalt im Ausland IST eine gute Sache, wird aber meines Erachtens überbewertet.

thrombos
10.07.2005, 18:00
von wollen hab ich nicht geredet! klar ist es schwerer zu entscheiden, wenn man mehr Auswahl hat ...

ich kann natürlich nur von meiner Erfahrung sprechen und will niemanden beleidigen, ist halt meine Meinung - das mal vorweg ...

also
Person A macht Praktika in Aus- und Inland und lernt verschiedene Systeme kennen. weiß wies ist mit sämtlicher high-tech medizin zu nutzen, weiß wies ist ohne jegliche Hilfsmittel gehen kann, kennt 2 stunden und 2 minuten Anamnesen mit einem menschen oder ne großfamilie, in verschiedenen Sprachen, sieht was gut und schlecht an den verschiedenen Systemen allgemein ist, lernt unterschiedlichste Untersuchungsmethoden, lernt andere Unisysteme und Lernarten kennen, muss sich im Ausland auf andere Charaktere und Menschentypen einstellen, sieht Dinge die bei uns selten sind und kann hier die dort selten sind ....................
Person B macht alle Praktika an einer Klinik (nicht lachen - das gibts! leute die vom Zivi über den Krankenpfelgedienst, den Famulaturen und schließlich dem PJ an einer Klinik waren) .... diese Person weiß perfekt wie es an dieser Klinik abläuft und hat darum merh Routine und kann lernen sich auf die Charaktere dieser Gegend mit den Problemen dieser Gegend einstellen .........

beides hat vor- und nachteile

und was passiert, wenn plötzlich was unvorhergesehenes passiert? wer wird wohl flexibler sein?

Stella&Lime
10.07.2005, 18:09
Das es wichtig und gut ist habe ich auch gar nicht bestritten.
Ich will auch noch ins Ausland, und werde mir das schon irgendwie finanzieren, aber es gibt auch studenten, bei denen es nicht so einfach ist!!!

Klar, es geht immer irgendwie!

Aber bestimmte Dinge sind einfach auch dann unmöglich!!!!

Und andere zu belächeln, weil sie eine andere studienplanung betreiben, halte ich schon für bedenklich...

Evil
10.07.2005, 18:11
Von denen, die ich kenne und die im Ausland waren, kommt nur eine Minderheit der Person A nahe, die Du beschreibst (wenn die z.B. in Frankreich waren, ist es kaum anders als bei uns).... außerdem kann ich nicht behaupten, daß ich in Irland fachlich gesehen viel gelernt habe...

Klingt alles sehr schön, entspricht aber nicht unbedingt der Realität...

thrombos
10.07.2005, 18:22
@Dr Evil

ich würde auch niemandem empfehlen innerhalb Eurpoas zu bleiben (abgesehen vom PJ in der Schweiz zwecks Bezahlung) ...

ich hab fachlich z.B in den USA quasi nix gelernt, aber eben andere Dinge, die sich mehr als gelohnt haben ... Du leider in Irland wohl nicht ... wobei ich auch noch fragen wollte wie man auf 4 1 /2 Tausen € kommt - wielang warste denn? scheißhohe Studiengebühren oder wie?

und zum Thema Realität - also ich hab genau sowas erlebt und weiß, dass ich nicht die einzige bin



@ Stella

welche Dinge sind dann noch unmöglich in Deinen Augen?

und ich belächel niemanden - ich bewerte etwas für mich, aber ich glaube es ist klar geworden, dass ich z.B. Freundinnen hab, die nicht diesem ensprechen und wir offenbar immernoch befreundet sind!

Wenn gefragt wird, was die Meinung von anderen ist, die hier rumspringen kann man doch seine Meinung sagen - und meine ist eben das Ausland absolute Pflicht ist!

Evil
11.07.2005, 18:53
@wobei ich auch noch fragen wollte wie man auf 4 1 /2 Tausen € kommt - wielang warste denn? scheißhohe Studiengebühren oder wie?
Nee, 4 Monate Irland, wenn man etwas von der Insel sehen will und nicht grad asketisch lebt... da waren noch nicht einmal Studiengebühren dabei. Da ist einfach alles teuer (CDs um die 22 Euronen, 1 Pint Guinness 3,50 :-)) ).

Ich habe auch bloß gesagt, fachlich hätte mir das nicht mehr gebracht als wenn ich hier geblieben wär.... in erster Linie, weil Studis da nix machen dürfen.... alles in allem möchte ich die Zeit dort aber trotzdem nicht missen! ;-)

thrombos
11.07.2005, 19:04
ok, das erklärts :-party da ist halt jeder in der Lebensweise andere, aber schön, wenns Dir menschlich was gebracht hat :-bee

Dr. Sziget
11.07.2005, 23:05
Ich freu mich auch schon auf das geplante auslandsemester in Italien und muss sagen, dass es einfach eine ideale Möglichkeit ist mal aus völlig anderer Perspektive in andere Kulturen oder Haushalten reinzuschauen.
Dennoch glaube ich nicht, dass ein arzt der viel rumgekommen ist unbedingt ein besserer arzt sein muss, oder besserer voraussetzungen für das leben in weiss hat jedoch ist die wahrscheinlichkeit dass diese menschen weltoffener oder kontaktfreudiger sind durchaus gegeben.
wobei ich noch anmerken möchte, dass die geldfrage keine ausrede ist, da wirklich nicht alles einfach so finanzierbar ist. Ich habe lange genug parallel gearbeitet und muss sagen, dass es sehr viel mehr aufwand bedarf, wenn man sich ne famulatur vorfinanzieren muss.... aber dennoch lohnt es sich meist
aber ohne unterstützung meiner eltern (vielen dankan dieser stelle) wäre vieles nicht möglich gewesen

grüße
dr.sziget