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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : pulsus paradoxus



Buddy
04.11.2005, 23:29
hallo ihr,

kann mir einer den paradoxen Puls mal erklären (pulsus paradoxus) ??

danke. mfg

test
04.11.2005, 23:37
Normalerweise wird der Puls bei Inspiration etwas schneller und bei Exspiration etwas langsamer. Das liegt wohl irgendwie an einer Mitinnervation bzw. Sympathischer bzw. parasympathischer Aktivierung durch die jeweilige Atemphase.
Beim Pulsus paradoxus ist es nun so, dass der Puls bei Inspiration besonders schwach wird im Vergleich zur Exspiration. Typischer Auslöser dafür wäre die Perikardtamponade/erguß bei der das Herz also von außen komprimiert wird und nur sehr erschwert eine Füllung des Herzens mit Blut erfolgen kann.
Den Mechanismus des Pulsus paradoxus kenne ich jetzt so, dass durch den erniedrigten intrathorakalen Druck bei Inspiration der Füllungsdruck (Vorlast) des Herzens soweit absinkt, dass eben kaum noch eine adäquate Blutfülle erzeugt werden kann, die für einen normalen Auswurf notwendig ist.
Bei Exspiration steigt der intrathorakale Druck und es kann eine Vorlast erzeugt werden, die den Druck von außen zumindest teilweise überwinden hilft und somit kommt ein kräftigerer Puls als bei Inspiration zustande.
Pulsus paradoxus kann wohl auch noch bei schwerem COPD auftreten. Ich denke mal, dass der Pathomechanismus dort ähnlich ist, nur dass hier einfach die überblähten Lungen so aufs Herz drücken, dass der sich ändernde intrathorakale Druck auch einen Einfluß auf den Puls hat. :-nix

Tombow
05.11.2005, 00:18
Pulsus paradoxus kann wohl auch noch bei schwerem COPD auftreten. Ich denke mal, dass der Pathomechanismus dort ähnlich ist, nur dass hier einfach die überblähten Lungen so aufs Herz drücken, dass der sich ändernde intrathorakale Druck auch einen Einfluß auf den Puls hat.

So ist es. Das erklärt, wieso der Pulsus paradoxus auch bei schwerem Pneumothorax auftreten könnte(besonders bei beidseitigem Spannungspneu).

Evil
05.11.2005, 15:01
Normalerweise wird der Puls bei Inspiration etwas schneller und bei Exspiration etwas langsamer.
Das ist so ähnlich wie beim Bainbridge-Reflex: durch den erhöhten Druck im Thorax bei Inspiration kommt es zur Druckerhöhung im rechten Vorhof und reflektorisch zur Vagushemmung.

Herzstromkurve
07.11.2005, 14:21
Da muss ich doch was zu schreiben:

Der Pulsus paradoxus bezieht sich nicht auf die Herzfrequenz sondern die Druckamplitude, Def.: Abfall des syst. RR bei Inspiration um >10mmHg (normal max. 5mmHg).
Vorkommen: 1) Perikardtamponade, 2) Extreme Atemarbeit typischerweise bei Bronchialobstruktion.

Erklärung:
Ad 1) Noch nicht ganz Klar, möglicherweise zusätzliche Tamponierung des LV durch zus. zuströmendes Blut im RV (Septumvorwölbung)
Ad 2) Ausgeprägte Dyssynchronie zw. RV und LV etc. (Hämodynamik bei thorakalen Druckschwankungen ist echt komplex)

christo
07.11.2005, 17:31
Dachte auch das sich das auf den Druck bezieht.

test
07.11.2005, 20:04
Ich habe doch auch nix anderes geschrieben?

christo
07.11.2005, 20:39
Normalerweise wird der Puls bei Inspiration etwas schneller und bei Exspiration etwas langsamer.


Sorry, hab ich vorhin überlesen. O.g. Zitat hat mich wohl verleitet.

Herzstromkurve
08.11.2005, 07:35
Ich habe doch auch nix anderes geschrieben?

Ich meinte auch primär Deinen ersten Satz, aber auch bei Evil bestand der V.a. Vermengung Herzfrequenz und PP.

Evil
08.11.2005, 20:05
V.a. Vermengung Herzfrequenz und PP
Coole Diagnose, direkt aus dem Klinikalltag! :-D :-D

Herzstromkurve
08.11.2005, 23:33
Gibts leider keinen DRG-Code für :-(

Nephron
03.09.2006, 17:48
Hallo!
hier eine gute Zusammenfassung über den pulsus paradoxus, sehr empfehlenswert für "test".
http://www.jpgmonline.com/article.asp?issn=0022-3859;year=2002;volume=48;issue=1;spage=46;epage=9; aulast=Khasnis

Robokopi
17.03.2009, 16:35
meiner Meinung nach hat hier noch keiner erklärt, wie der Pulsus paradoxus zu stande kommt, sondern nur, was er ist bzw. wie er definiert wird.


Normalerweise wird der Puls bei Inspiration etwas schneller und bei Exspiration etwas langsamer. Das liegt wohl irgendwie an einer Mitinnervation bzw. Sympathischer bzw. parasympathischer Aktivierung durch die jeweilige Atemphase.

Hintergrund der respiratorischen Arrhythmie ist folgender: Der Puls wird bei Inspiration schneller, weil durch den negativen thorakalen Druck der Blutstrom zum rechten Herzen zunimmt und das Blut in der Lunge gepoolt wird. Zusätzlich sinkt auch die nachlast, weil der negativere thorakale Druck an die Aorta weitergegeben wird. Dies alles führt zur verminderten Füllung des linken Ventrikelns und einem geminderten Schlagvolumen. Um den Blutdruck konstant zu halten, wird die Herzfrequenz beschleunigt.



Beim Pulsus paradoxus ist es nun so, dass der Puls bei Inspiration besonders schwach wird im Vergleich zur Exspiration. Typischer Auslöser dafür wäre die Perikardtamponade/erguß bei der das Herz also von außen komprimiert wird und nur sehr erschwert eine Füllung des Herzens mit Blut erfolgen kann.

Richtig. DAS ist der Pulsus paradoxus. Die Blutdruckamplitude fällt bei Inspiration in der Peripherie um mehr als 10 mmHg und zwar bei Perikardtamponaden, Pneu und schwerem Asthma/COPD. Aber warum?


Den Mechanismus des Pulsus paradoxus kenne ich jetzt so, dass durch den erniedrigten intrathorakalen Druck bei Inspiration der Füllungsdruck (Vorlast) des Herzens soweit absinkt, dass eben kaum noch eine adäquate Blutfülle erzeugt werden kann, die für einen normalen Auswurf notwendig ist.
Bei Exspiration steigt der intrathorakale Druck und es kann eine Vorlast erzeugt werden, die den Druck von außen zumindest teilweise überwinden hilft und somit kommt ein kräftigerer Puls als bei Inspiration zustande.

Wie oben erklärt, findet dieser Mechanismus bei JEDER normalen Einatmung/Ausatmung statt. Es kann also nicht die Erklärung für den Pulsus paradoxus bei erwähnten Krankheitsbildern sein, denn sie vernachlässigt den ERHÖHTEN Druck auf den linken Ventrikel durch Tamponade oder Impression.

Die Frage muss doch lauten: Warum kann bei Erkrankungen, die mit einem erhöhten extrakardialen Druck einhergehen als normal (Spannungspneu, Perikraderguss, Lungenüberblähung) das Herz nicht wie gewohnt kompensieren?

Die Erklärung ist meiner Meinung nach (wenn ich es richtig aus dem zitierten Artikel erlese), der im Vergleich zur Normalsituation gesteigerte Druck auf den linken Ventrikel während der Diastole. Der Druck fällt trotz des erniedrigten intrathoraklen Druckes nicht so stark ab. Damit vergrößert sich die Differenz zur Lunge und die Füllung ist NOCH geringer als normal (im Maximalfall fließt Blut sogar zur Lunge zurück). Die Frequenz kann jetzt zwar auch gesteigert werden, aber es nützt nichts, da die Füllung zu gemindert ist.

Gibt es dazu andere oder ergänzende Meinungen?