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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bereitschaftsdienst -> Schichtdienst



turinep
19.11.2005, 18:24
Hallo zusammen,

wie wird in Euren Abteilungen die Umstellung der Bereitschaftsdienste auf Schichtdienste i. S. des Arbeitszeitgesetzes durchgeführt? In unserer kleinen operativen Abteilung mit fünf Assistenzärzten in Poliklinik, Station, OP ist eine ganztägige Versorgung mit Schichtdiensten nicht realisierbar. Wer hat Erfahrungen aus anderen operativen Abteilungen?

Gruß,

Florian

Werwolf
20.11.2005, 22:13
Bei uns gab´s ´ne Arbeitsgruppe, die sich anderthalb Jahre damit beschäftigt hat und zu dem Schluß gekommen ist, daß sich eine Umstellung auf Schichtdienst weder kosten- noch personalneutral durchziehen läßt.
Das erarbeitete Konzept wurde deswegen ad acta gelegt. Jetzt, wo der 01.01.2006 vor der Türe steht, ging ein Schreiben vom Direktorium an einige Oberärzte und Chefs raus, man möge doch jetzt bitte binnen 3 Tagen eine Lösung finden. Kostenneutral- versteht sich. Und neue Mitarbeiter sollen natürlich auch nicht eingestellt werden. :-D (Die spinnen, die Teppichetagentypen...)
Tja, geht natürlich alles nicht. Deswegen harren wir gespannt der Dinge und gehen von einer Verlängerung der Übergangsfrist aus. :-nix
Nicht gerade optimal. Aus politischen und diversen anderen Erwägungen fände ich einen Schichtdienst zwar sinnvoll, aber eigentlich will ich ihn keinesfalls, weil ich glaube, daß es mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringen wird. :-meinung

turinep
21.11.2005, 17:49
Hallo Werwolf,

in welcher Abteilung bist Du tätig?

Bzgl. verlängerter Übergangsregelung: scheint wohl Bestandetil des Koalitionsvertrages zu sein. Das heißt, dass im Dezember 06 wieder alle große Augen machen werden ...

Schönen Gruß,

Florian

Werwolf
24.11.2005, 19:46
Unfallchirurgie. 60 Betten + Ambulanz. Schichten geht IMHO gar nicht!
Aber ich bin auch kein Fan des Schichtdienst und würde da 1000 Probleme auf uns zukommen sehen. Naja, aber halt erst in einem Jahr :-)) Wenn dann plötzlich und vollkommen unerwartet der Schichtdienst eingeführt werden soll...

Dedi
24.11.2005, 20:08
Ich finde das Schichtsystem doof. Ohne Neueinstellungen geht das gar nicht. Wir haben quasi pro Station im Haus einen neuen Arzt einstellen müssen. Und statt ausbezahlter Dienste gibt's nun Grundgehalt und Freizeitausgleich.
Im Spätdienst ist man quasi eine Woche weg von Station, im Nachtdienst wieder und dann im nachtdienstfrei (1 Woche) erst recht. Hat zur Folge, dass die Patienten ständig den Behandler wechseln und man selbst eigentlich auch nie so richtig Bescheid weiß über die Patienten.
Ich find's Mist!

Werwolf
24.11.2005, 20:28
Genau die Befürchtungen habe ich auch, wenn es zum Schichtdienst kommen sollte (bzw. ja wird- fragt sich nur, wann...)
Keine richtige Kontinuität in der Patientenversorgung, Reibungsverluste durch schlampige Übergaben, etc. Keiner weiß wirklich bescheid, keiner fühlt sich so richtig verantwortlich. (Läuft ja z.T. bei der Pflege schon so. Wenn man da mal nachfragt, weil irgendwas verdaddelt wurde, kriegt man zu hören : "weiß ich nicht, ich hatte jetzt gerade 4 Nachtdienste" oder "das ist mir vom Frühdienst aber nicht übergeben worden" oder "ich war ´ne Woche nicht da, keine Ahnung..." :-(( :-( Und wenn´s bei uns Schichtdienst gibt, wird das so ähnlich laufen, weil man ja nie so richtig verantwortlich ist für den Patienten.
Erschreckend, daß es tatsächlich so ist. Ich hatte ein bißchen gehpfft, daß das einfach bloß meine viel zu pessimistische Einschätzung ist, weil ich den Schichtdienst auch aus vielen anderen Gründen ablehne:
- nicht richtig gut vereinbar mit einem normalen "social life"
- Verlängerung der FA-Ausbildung, insbes. in chirurgischen Fächern, weil man ja im Prinzip viel seltener zu den "Kern-OP-Zeiten" anwesend ist und dementsprechend länger braucht, um irgendwelche Kataloge vollzukriegen
- schlechtere Bezahlung bzw. unter dem Strich weniger Kohle, weil man nur noch das Grundgehalt hat und keine bezahlten Dienste
- daraus folgt: Anschaffung einer Familie o.ä. wird u.U. zum finanziellen Abenteuer
- etc.

Schichtdienst? :-dagegen :-dagegen :-dagegen

Endomorphismus
30.11.2005, 15:10
Ich habe bisher auch - aus den bereits genannten Gründen - nichts vom Schichtsystem gehalten.
Inzwischen arbeite ich in einer chirurgischen Abteilung eines großen Krankenhauses, wo das EuGH-Urteil komplett umgesetzt wurde und ganz gut läuft.
Als Assistenzarzt rotiert man zwischen 4 Schienen: Station, Ambulanz, OP und Sono. Das ist ein großer Vorteil, da man genau weiß, wofür man verantwortlich ist und sich dann dort auch auskennt. Rotiert wird ungefähr alle 2 Monate.
Als Stationsarzt hat man keine Schichten, sondern arbeitet immer von 7-15.30. Die Ambulanzärzte arbeiten im Dreischichtsystem, aber völlig flexibel, keine Nachtdienstwochen oder ähnliches. Für OP und Sono gelten die Arbeitszeiten wie auf Station.
Wochenenddienste: Ambulanz läuft weiter im Dreischichtsystem, außerdem noch ein Kollege für 4 Stunden im Stationsdienst.
Zusätzlich gibt es jeden Tag jemanden, der Rufbereitschaft für den OP hat.

Alles in allem ein gutes Konzept, trotz Schichtsystem nur im Durchschnitt 2 Wochenenden im Monat, kaum Überstunden!

Personalneutral ging das aber nicht... Das Gehalt ist natürlich gesunken, man kann es sich mit Rufbereitschaften und Notarztdiensten zwar aufbessern, aber das ist schon ein Nachteil.

Nucleolus
05.02.2006, 19:45
Also ich stehe dem neuen Schichtsystem momentan noch etwas skeptisch gegenüber. Zur Vorabinfo: Mache gerade eine Ausbildung zur OTA und bei uns wurde das Schichtsystem zunächst nur für die OP-Pflege umgesetzt. Die Frühschicht beginnt um 7 Uhr (bis 15:15), der Zwischendienst kommt um halb 8 (bis 15:45 bzw. 18:25), der Spätdienst arbeitet ab 14 Uhr (bis 22:15) und ab 22 Uhr kommt der Nachtdienst (bis 7 Uhr). Kurz gesagt ist es so, dass man morgens in den Sälen rumsitzt und nicht viel tun kann, weil die Ärzte erst gegen 8:15 erscheinen (obwohl wir eigentlich um 8 Schnitt machen sollten). Die erste Pause für das OP-Personal ist dann erst um 14 (s.o.)...viele Ärzte können sich das nicht vorstellen, denn viele (ich sage bewusst nicht alle) gehen nachdem die NAht verschlossen ist und wundern sich, warum 15 min später nicht schon wieder der nächste Schnitt sein kann. Ich will um Gottes Willen die Ärzte nicht verurteilen, aber manche kennen sich mit der Entsorgungsweise und den dazugehörigen Hygienevorschriften einfach nicht genug aus, um zu verstehen, warum es nicht direkt weiter gehen kann...und manchmal liegt es leider Gottes auch an der Anästhesie :-D
Zurück zum Thema: Manche unserer Examinierten fehlt rund 1/3 des Einkommes durch den Wegfall des Bereitschaftsdienstes...und das gleicht die Schichtzulage leider auch nicht aus. :-meinung

Wir haben das Schichtsystem jetzt erst seit 1.2. und man merkt jetzt schon, dass die Mitarbeiter zunehmend gestresst und genervt sind. Zudem haben wir momentan auch noch einen recht hohen Krankenstand, so dass das Modell echt an seine Grenzen kommt...ich denke, dass wird bei den Ärzten auch nicht viel anders sein. So lang sich an diesem System nicht irgendwas ändert, halte ich es für auf Dauer nicht tragbar. :-meinung

Alles Liebe

DocScarpetta
16.05.2006, 05:53
:-meinung

Bei uns ward´s wie folgt umgestellt: alle, die nicht im Urlaub/Frei/Krank sind gehen ganz normal 8,75 Stunden. Dann gibts immer einen, der von 0700 an einen 12-Stunden-Dienst schiebt und von einem Kollegen um 1900 abgelöst wird. Der schafft dann übernacht für ebenfalls 12 Stunden und muß dann 12 Stunden Freizeit nehmen. Theoretisch könnte ihn dann der erste Kollege wieder ablösen, da er ja auch 12h nicht da war. Also eher ein kombiniertes 2-Schicht-Modell.

Praktisch ist das natürlich eine Katastrophe, da die Leute fehlen die man eigentlich zusätzlich hätte einstellen müssen. Durch den Freizeitausgleich reduziert sich die effektive Anwesenheit eines Assis auf Station (tagsüber) bei gleichbleibenden Wochenstunden, unter dem Gebot möglichst wenig Überstunden zu produzieren.


Hat zur Folge, dass die Patienten ständig den Behandler wechseln und man selbst eigentlich auch nie so richtig Bescheid weiß über die Patienten. Und dann passiert genau das! Was die "Kundenzufriedenheit" nicht grad steigert. Und kostenneutral isses obendrein auch ned.

shany
22.12.2012, 01:55
Hi, wir haben auch Schichtdienst in unserer Klinik allerdings mit 8 Assis, wobei Tagsüber 3- 4 Assis fehlen, einer in Nachtdienst, einer bei Z.n. Nachtdienst und 1 im Urlaub. Wenn nicht einer in Überstundenfrei oder Krank , sind wir insgesamt 3-4 Assis für ges. Chirurgie mit 70 Betten und Ambulanz und Assistenz bei der Op´s und Diagnostik etc. dazu.
Ich finde es nicht human, da wenn die Leute fehlen müssen die anwesenden mehr arbeiten , d.h. geplante Überstunden, die wiederum ausgeglichen werden müssen.
Jeder von uns macht 4 ND im Block und 4-5 lange Dienste ( 07:15-19:45) und 1 Wochenende( 12 std Tagdienst).

Hat einer von euch besseres Schichtsystem, Oder bessere Vorschläge??? :-kaffee

WackenDoc
23.12.2012, 15:47
Das Problem ist ja, dass die Assis nicht mehr werden, nur weil man sie anders verteilt. Die Frage, die sich mir allerdings stellt, ist die Sache mit den langen Diensten. Evtl. könnte der Kollege ja später kommen, so dass keine Überstunden anfallen.