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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Peritonealdialyse



Tse Tse
24.02.2006, 14:57
Zugegeben, wieder eine Frage aus der Reihe – wie dämlich ist der tse eigentlich?
Ich habe die Frage letztens nicht beantworten können (hab doch überhaupt noch keine Ahnung von Dialyse! Woher auch??).

Jedenfalls gab's die Meinung, dass eine Dialyse über das Bauchfell im Gegensatz zur Hämodialyse nicht dauerhaft durchführbar sei.
Wenn ich ehrlich bin ist mir diese Vorstellung auch noch vage in Erinnerung aus dem Pflegeunterricht von vor Jahren. Ist dem denn wirklich so?
Dass die Peritonealdialyse zwangsläufig nur einige Zeit durchgeführt werden kann, danach aber kein blutreinigender Effekt mehr erzielt werden kann?

Ich könnte mir das höchstens durch eine Zerstörung der Membranfunktion des Peritoneums erklären, z.B. durch Komplikationen wie Infektionen.
Aber allein begründet in der Methode, fällt mir nichts ein.
Die harnpflichtigen Substanzen lagern sich ja auch nicht im Bauchfell ein? Die sind doch im Dialysat. :-nix

Pünktchen
24.02.2006, 15:37
Ich könnte mir das höchstens durch eine Zerstörung der Membranfunktion des Peritoneums erklären, z.B. durch Komplikationen wie Infektionen.

Richtig, es kommt im Laufe der Zeit zu "Fibrosierungen" und die Membranfunktion wird zerstört, die Dialysewege 2länger" und das nicht nur durch (abgelaufene) Infektionen. Ich müsste es nachlesen, aber es liegt an bestimmten Substanzen in der Dialyseflüssigkeit, dass solche Prozesse auftreten.

Tombow
24.02.2006, 15:49
Die harnpflichtigen Substanzen lagern sich ja auch nicht im Bauchfell ein? Die sind doch im Dialysat. :-nix

Wie pünktel schon sagte - es liegt auch an der Dialyseflüssigkeit. Und bis die harnpflichtigen Substanzen ins Dialysat kommen, müssen sie ja das Peritoneum passieren (was in dem Fall die Dialysemembran ist). Daß im Laufe der Zeit doch das eine oder andere da präzipitiert oder die dauerhafte Osmose/Konzentrationserhöhung von solchen Substanzen in dem Bereich fürs Peritoneum nicht gesund sein kann, das kann sich jeder denken.

cKone
24.02.2006, 16:11
Welche Indikation muss gegeben sein um so eine Peritonealdialyse durchzuführen? (Altersbedingt, Gesamtgesundheitszustand?)


Welche Vorteile bringt diese Art der Dialyse?

Tombow
24.02.2006, 17:04
Vor allem sind es jüngere und mobile Patienten, die in den Genuß einer Peritonealdialyse kommen. Typische Fälle wären terminale Niereninsuffizienz infolge von Glomerulonephritiden (RPGN, IgA- oder Lupus-Nephritis), polyzystischer Nierendegeneration vom Erwachenen-Typ, etc. Ältere, stärker adipöse und gebrechlichere Patienten bzw. solche mit diabetischer Nephropathie werden dagegen eher primär einer Hämodialyse zugeführt.

Die Vorteile der Peritonealdialyse - kann vom Patienten selbst durchgeführt werden, Patienten sind nicht aufs Dialysezentrum angewiesen und büßen weitaus weniger an Mobilität und Unabhängigkeit ein. Des weiteren ist es ein schonenderes Dialyseverfahren als die klassische Hämodialyse mit ihren Komplikationen und Umständen (Shuntanlage, Heparinisierung bei der Dialyse, (auch wenn minimale) Hämolysen während der Dialyse, die eine evtl. bestehende renale Anämie noch verschlimmern können).

Wie man aus dem Patientenprofil sehen kann (Patienten, die für eine Peritonealdialyse in Frage kommen sind vom Profil her auch diejenigen, die am meisten von einer Transplantation profitieren), versucht man mit der Peritonealdialyse eher die Zeit bis zur Nierentransplantation zu überbrücken oder die Einleitung einer Hämodialyse hinauszuzögern.

Last but not least - die Kosten für Peritonealdialyse liegen weitaus niedriger als die einer Hämodialyse, insofern ist es das zweiteffektivste (auf die Kosten bezogen) Verfahren neben der Nierentransplantation.

cKone
24.02.2006, 17:30
:-top Danke dir

Pünktchen
24.02.2006, 18:26
Tom erwähnte schon einige Dinge. Ich werde dies nur um ein paar Stichpunkte erweitern, denn eine richtige Beratung mit allen spezialdingen können nur fortgeschrittenen Internisten mit Dialyseerfahrung.

Bei der HD (Hämodialyse) ist auch immer die Volumenbelastung zu beachten sowie das Entstehen und Verhindern von Hypershunts, da diese zu Herzbelastungen führen und somit bei herzinsuffizienten Patienten nicht gerne eingesetzt wird.

Bei der PD (Peritonealdialyse) streiten die Kollegen gerne bei den Kontraindikationen. Jegliche abdominelle Tumoren stehen auf der Kontraindikationsliste sowie abdominielle Voroperationen (veränderte Anatomie - Fibrosierungen -> Bildung nichtanatomischer Räume für die Dialyseflüssigkeit). Es gibt verschiedene PD-Verfahren, die Wechsel der Dialyseflüssigkeiten und somit die Verweilzeit im Bauchraum ist unterschiedlich. Bei manchen Verfahren ist ein Dialysezentrum immer noch notwendig. Aber grundsätzlich ist es richtig, das die PD belastungsärmer ist, man ist mobiler, man kann zur Arbeit gehen, Kinder zur Schule. Ich finde das besonders in den ländlichen Gegenden gut. Zwei mal in der Woche sein Kind in ein Dialysezentrum zufahren ist schon irgendwann problematisch. Natürlich geht das nur bei complainten Eltern
Bei Kindern ist mir jedoch eine hohe Rate an Peritonitiden aufgefallen besonders mit Staph aureus und MRSA, was bei Erwachsenen wohl ne Seltenheit sein soll.

Evil
24.02.2006, 20:09
Meines Wissens muß man aber für die Peritonealdialyse eine Restausscheidung über die Nieren haben, anders als bei der HD kann man bei der PD nur begrenzt Wasser entziehen.

Tombow
24.02.2006, 21:38
Meines Wissens muß man aber für die Peritonealdialyse eine Restausscheidung über die Nieren haben, anders als bei der HD kann man bei der PD nur begrenzt Wasser entziehen.

Stimmt nur bedingt. Habe schon eine nephrektomierte Patientin gesehen, die einige Jahre peritoneal dialysiert hat und eine, die null Restausscheidung hatte und dennoch an der Peritonealdialyse hing. Viel eher ist es wohl eine Einzelfallentscheidung.