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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Juckreiz + Sensibilitätsverlust bei kalten Fingern



W1nston
02.03.2006, 11:18
Schönen guten Morgen :-)

Nach einem längeren Spaziergang gestern abend (ohne Handschuhe durch den Schnee) kamen meine Fingerchen auf die Idee doch mal folgende Symptomatik zu zeigen:
- Schwellung
- Juckreiz
- Rötung + starkes Wärmeempfinden
- Sensibilitätsverlust (sowohl Oberflächen- als auch Tiefensensibilität)

Das kennt ja nun zwar jeder wahrscheinlich von sich nur war's bei mir gestern ziemlich ausgeprägt. Aufgrund der oben aufgeführten Symptome war es mir allerdings nicht möglich, diesen Thread noch gestern abend zu eröffnen, darum bitte ich jetzt um Meinungen :-)

Soweit bin ich selber gekommen: Schwellung + Rötung kann ich mir durch die vermehrte Durchblutung bei starker Unterkühlung erklären. Warum sich die Finger wenn man aus dem Kalten ins Warme kommt plötzlich extrem heiß anfühlen habe ich auch schonmal irgendwo gelesen (überschießende Warmsensoren, oder?). Bleibt also noch die Frage nach der Sensibilität und - was mich gestern abend noch zum Wahnsinn getrieben hat - der Juckreiz...

Wer weiß es...?

Doctöse
02.03.2006, 11:22
Das ganze nennt sich Kälteurtikaria und wird auch als Kälteallergie bezeichnet. Wurde bei mir vor 13 Jahren diagnostiziert. Geglaubt hats mir damals keiner, erst wenn er die Folgen sah :-notify

Erklärung:
Bei der Kälteurtikaria löst der Kontakt mit kalten Gegenständen oder auch kaltem Wasser oder Wind die Freisetzung von Histamin aus und zwar an der Stelle, wo die Kälte auf die Haut einwirkt. Innerhalb weniger Minuten kommt es zur Rötung, Schwellung und heftigem Juckreiz – Ein Gefühl, als hätte man in Brennesseln gefasst, woher auch der Name „Nesselsucht“ (=Urtikaria) herrührt. Zu Beginn der Hautreaktion sind die juckenden Rötungen und Schwellungen der Haut noch relativ klein und begrenzt, können sich jedoch erheblich ausbreiten. In der Regel sind diese Hauterscheinungen zwar unangenehm, aber nicht gefährlich. Wenn allerdings große Hautflächen dem Kältereiz ausgesetzt sind, z. B. bei einem Sprung ins kalte Wasser, so werden auch entsprechend große Mengen an Histamin freigesetzt, die dann mit dem Blut innerhalb von einer Minute in andere Köperregionen gelangen können. Die Folgen sind erhöhter Puls, Blutdruckabfall, stechende Kopfschmerzen, Atemnot und Kreislaufschock. Im schlimmsten Fall ist dann auch ein tödlicher Ausgang möglich.

W1nston
02.03.2006, 11:30
Gut zu wissen.

Hm. Müsste ich mich mal drauf untersuchen lassen.


Was ich merkwürdig fand ist allerdings die Tatsache, dass diese Symptome erst auftraten, als ich wieder im Warmen war. Also draußen in der Kälte hatte ich keinen Juckreiz (Sensibilitätsverlust und starke Durchblutung natürlich schon).

Kann das dann diese Kälteurtikaria sein?


Edit: Ans Histamin dachte ich natürlich auch schon... vielleicht wird das in Kälte zur Vasodilatation freigesetzt und schwimmt dann wenn man im Warmen ist in den nunmehr wieder kontrahierten Blutgefäßen immer noch herum?
(okay das ist jetzt das Gebiet der absoluten Spekulation... ;-))

Doctöse
02.03.2006, 11:43
Bei mir kam das auch erst, als ich wieder im Warmen war. Ganz schlimm wars einmal, als ich ne Klassenarbeit schreiben sollte. Es war saukalt, im Klassenraum wars muckelig warm (damals, als im Winter noch volle Pulle geheizt wurde :-)) ) und meine Hände wurden blitzartig knallrot, dick und juckten wie die Pest. Ich war nicht mehr in der Lage, einen Füller zu halten, denn meine Finger waren Dank der Schwellung steif und jeglicher Beugeversuch bedeutete Schmerzen. Da wurd ich sofort zum Arzt gebracht und der hat das dann festgestellt. Ich bekam dann auch Medikamente, allerdings weiß ich nicht mehr, was :-nix Irgendwann besserte sich das auch, heute habe ich das nur noch ganz selten.

EDIT: Hab grad nochmal nachgeforscht. In einer Studie wurden gute Behandlungsergebnisse bei der Kälteurtikaria mit Antibiotika erzielt (Verschwinden oder Besserung der Beschwerden bei bis zu 70 %) - dies ist mittlerweile auch gut erklärbar: Infektionskrankheiten kommen oft zusammen mit der Kälteallergie vor und scheinen sie aufrecht zu erhalten, so verschwindet die Kälte-Urtikaria bei vielen Patienten wieder, wenn sie Antibiotika einnehmen. Man kann aber auch Antihistaminika verschreiben. Ich kann mich nur nicht mehr dran erinnern, was ich damals für Medis bekam.
Die Urtikaria kan sowohl bei Kontakt mit Kälte, als auch beim (größeren) Temperaturwechsel entstehen. Meist sind jugendliche und junge Erwachsene betroffen, Weiblein häufiger als Männlein und meist verläuft das Ganze "chronisch".......also man hat dann schon mal im Schnitt 5-7 Jahre was davon :-keks
Achja, eine richtige Allergie ist das natürlich nicht. Die Kälte-Urtikaria wird als Pseudoallergie bezeichnet (deswegen hab ich sie nicht im Allergiethread (http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showthread.php?t=27340&highlight=allergie) genannt :-D )

W1nston
02.03.2006, 12:00
Na denn... vielen Dank jedenfalls schonmal :-)

Neanderthal_Man
03.03.2006, 14:17
Das Akutmedikament (@ Doctöse) wird vermutlich Cortison und H1/H2-Blocker gewesen sein.

Von der Symptomatik her kommen möglicherweise auch Kälteagglutinine in Frage.
Die entstehen manchmal als Folge von Infekten (meist Mykoplasmen oder EBV).
Wenn du also in den letzten Wochen ne fiese Erkältuing oder Pfeiffer hattest kann das auch mal sein. Führt zur intravaselen Hämolyse, insb. im Bereich der Akren.
Leitsymptom wäre eine Akrozyanose, die beim Wiedererwärmen verschwindet.
(Pathogenetisch, wen das interessiert: Kälteantikörper gehören zum IgM-Typ, und können die Erys dirket verglotten).
Prognose: Heilt meist nach 3-4 Wochen spontan wieder aus.

Integra
03.03.2006, 17:12
Ich hatte auch mal eine Urtikaria, dauerte knapp über ein Jahr. Ursasche war vermutlich eine Mandelentzündung; nachdem die raus waren, dauerte es noch ein halbes Jahr bis zur vollständigen Genesung. In der Zeit hatte ich auch ein großes Problem mit Kälteurtikaria.
Einige Antihistaminika können sehr müde machen (zB. Tavegil). Ich hatte Telfast, was gut gewirkt hat.