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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Makrohämaturie beim Raucher



Relaxometrie
15.12.2007, 18:07
An die urologisch Bewanderten und Interessierten:

Daß eine zwei Tage dauernde Makrohämaturie bei einem 65jährigen Patienten (Alkoholiker, jahrzehntelang geraucht) karzinomverdächtig ist, weiß ich.
Aber was kommt differentialdiagnostisch noch in Betracht für eine Makrohämaturie?
Oder sind Alter, Raucheranamnese und Makrohämaturie schon so eindeutig, daß die allerwahrscheinlichste Ursache das BlasenCA ist?

Der Patient ist auf unserer geschlossenen Suchtstation, sein soziales Drumherum ist ziemlich kompliziert, aber nicht aussichtslos. Er wird von einer Sozialarbeiterin sehr gut betreut und hat gerade eine Wohnmöglichkeit für die Zeit nach der Entlassung gefunden.
Aufgrund der Makrohämaturie habe ich den Patienten zum urologischen Konsil in unserer Klinik geschickt, und es wurde -nicht erstaunlich- eine Blasenspiegelung empfohlen. Für die Spiegelung muß er aber zu einem auswärtigen Urologen, und an diesem Termin scheitert es derzeit. Ich habe zwar allen Beteiligten immer wieder gesagt, daß es dringend ist, und daß die Spiegelung nicht weiter hinausgezögert werden sollte. Ich werde da auch nicht locker lassen. Aber falsche Panik möchte ich trotzdem nicht verbreiten.

Sebastian1
15.12.2007, 18:22
Ich bin hier ja nun nicht der urologisch bewandertste, aber das sind so Schlagwörter die du lieferst, die ja bei jedem Examensgeschädigten direkt das "ja, das ist Ca-verdächtig und gehört abgeklärt"-Lämpchen aufleuchten lässt. Und bis zum Ausschluss eines Malignoms würd ich das auch erstmal als dringlich behandeln.

Frantic
15.12.2007, 18:41
Bis das Gegenteil bewiesen ist, sollte die Diagnostik erstmal auf Harnblasen-CA laufen, vorallem wenns schmerzlos ist.

Woher das Blut sonst noch kommen kann? Die Harnwege sind ja lang. Kann eine Verletzung sein, eine Entzündung oder gar an der Niere liegen. Alternativ auch Prostata-CA.

KingLoui
15.12.2007, 18:43
Kann prinzipiell noch alles mögliche sein, aber CA springt natürlich ins Auge...dennoch könnte auch ne Glomerulonephritis, Nierenzysten, alle Arten von Entzündungen im Urogenitaltrakt oder sonstwas sein. Bin aber nicht besonders urologisch bewandert!

Tombow
15.12.2007, 20:40
In Anlehnung an einer Notarzt-Maxima:

Rule out first what kills first. Und gleichzeitig muß ich mich wundern...Psychiater, die nicht durch ihre typische "ist nicht mein Bier"-Haltung auffallen und bei dem kleinsten Hinweis auf somatische Erkrankung wegverlegen? Sowas gibt's?

Doktor_No
16.12.2007, 09:42
chronische cystitis
prostatacarcinom/-hyperplasie mit randvenenblutung
urothelCA, entweder in der blase oder ureter
NierenCA
posttraumal (zB Nierenhämatom)
manipulation in der urethra/harnröhre (autoerotisch/DK)

aber: in dem alter mit langer raucheranamnese höchstwahrscheinlich ein malignom.

Relaxometrie
16.12.2007, 12:14
Danke, Doktor_No :-)
Wenn Du als urologischer Goldfinger sogar ein Malignom für das Wahrscheinlichste hälst, werde ich morgen mal auf die Pauke hauen und den Mann endlich zum Urologen verfrachten lassen.

Doktor_No
16.12.2007, 12:41
dann lass mal hören was rausgekommen ist...

Relaxometrie
16.12.2007, 13:09
dann lass mal hören was rausgekommen ist...
machich

Doktor_No
11.01.2008, 11:52
und???????????????

Relaxometrie
11.01.2008, 12:43
Da geht nix voran :-kotz
Der Mann ist seit seiner Entlassung von dem Aufenthalt, während dem es zu der Makrohämaturie kam, schon wieder 2x alkoholrückfällig geworden. Einmal war er wieder auf unserer Station, gestern habe ihn auf der Nachbarstation gesehen. Der dort tätigen Kollegin werde ich nachher im Spätdienst mal sagen, daß die Blasenspiegelung noch ansteht.

die chondropathia
11.01.2008, 13:36
Danke, Doktor_No :-)
Wenn Du als urologischer Goldfinger sogar ein Malignom für das Wahrscheinlichste hälst, werde ich morgen mal auf die Pauke hauen und den Mann endlich zum Urologen verfrachten lassen.

Die allgemein häufigste Ursache einer schmerzlosen Makrohämaturie ist die Prostatavarizenblutung, üblicherweise infolge gutartiger Prostatavergrößerung. Dennoch muß ein Malignnom von Blase und Prostata ausgeschlossen werden, ergo:

DRU + PSA, ggf. Prostatastanzbiopsie

Cystoskopie!

Bei Rauchern ist das Blasen-Ca in der Tat häufiger die Ursache als die P-Varizen.

Grüße, DC

Grombühlerin
11.01.2008, 18:55
Auch hier habe ich ein Merkwort parat: SHITTT!!!

S=Steine
H=Hämolyse
I=Infekt
T=Tumor, Trauma, Tuberkulose....

damit hast du auch noch ein paar häufige Ursachen für Makrohämaturie.

Relaxometrie
16.02.2008, 00:39
Kurze Zwischenmeldung:
Suchtpatienten dümpeln so durch Raum und Zeit........die Blasenspiegelung hat immer noch nicht stattgefunden.
Vor ca. 2 Wochen habe ich den Patienten zufällig auf dem Kliniksgelände getroffen. Es sagte mir, daß er jetzt erstmal wegen einer Darmfistel operiert werden wird. Die Blasenspiegelung habe er noch nicht vergessen :-nix