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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nachtalarm für Dr. Dolor



GSchimmy
25.03.2003, 15:34
....und wieder eine dieser endlosen Schichten auf der kleinen Landrettungswache mit NEF, dachte sich Dr. Dolor, als der schrille Ton der Funkmeldeempfängers ihn aus der grade einsetzenden Tiefschlafphase riss und er sich zum wiederholten Male den Kopf am Doppelstockbett stieß. Warum legte er sich auch immer unten hin?
Grade hatte er Schwester Ullas Spitzenstring beiseite geschoben und blickte auf den gepflegten Kurzhaarschnitt des Lustdreiecks....Scheiße, vielleicht konnte er später ja an den Traum anknüpfen.
Also was brabbelte die Feuerpatsche aus der Leitstelle von Florian Schlafland.... irgendetwas von „internen Notfall“....der Rest der Durchsage war sowieso in einer ohrenbetäubenden Lautäußerung seines Magens untergegangen, die den Geschmack von Kaffee, Cola Light und Döner Kebap mit Koblauchsoße als fahlen Belag auf der Mundschleimhaut hinterließ. Bestimmt wieder ein Altbauer der mit verspannten Rücken oder Bandscheibenvorfall schon drei Tage im Bett lag und es ausgerechnet jetzt nicht mehr aushielt.
Also erst einmal den gesammelten Nachturin loswerden. Wenn der Patient, der ihn sowieso unnötigerweise aus dem Bett geholt hatte, die 5 Min. mehr nicht überlebt, dann hätte er es sowieso nicht geschafft. Noch während Dr. Dolors Handrang noch gegen die abebbende Erektion des schwülen Traumes ankämpfte und er die letzten Tropfen gleichmäßig im Urinal verteilte, bremste das NEF schon mit quietschenden Reifen und laufendem Blaulicht vor der Wache.
Dieses einsatzgeile Zivipack, dachte Dr. Dolor als er sich gemessenen Schrittes zum Fahrzeug begab, fast so schlimm wie Dr. Rudel und in ihrer Inkompetenz mindestens gleichwertig.
Kaum hatte er die Tür geschlossen, als das NEF auch schon in Richtung der Kreisstrasse losschoß. Er ignorierte das fast fröhliche „Moin Doktor „ des Zivis und konzentrierte sich auf den so jäh unterbrochenen Traum........als es ihn, er war grade wieder etwas eingedöst und öffnete Schwester Ullas BH, um sich dann an ihren....., brutal in den Sicherheitsgurt drückte und er gefährlich in Richtung des Fußraumes rutschte, da er die Rückenlehne , wie immer, in Liegeposition hatte.
Wieder einmal war ein Rudel Rehe in suizidaler Absicht und das Wegerecht ignorierend auf die Straße gesprungen und der Wehrkraftzersetzer am Steuer trat das Bremspedal bis auf die Straße um die Restgeschwindigkeit des Fahrzeuges zum Zeitpunkt des Aufpralls so weit wie möglich zu minimieren.
Als Dr. Dolor wieder aus dem Fußraum auftauchte und eine Thoraxdrainage ohne Narkose für seinen Fahrer ernsthaft in Erwägung zog, flog er auch schon wieder in Richtung der Rücksitze, denn der hirnlose Zombie am Steuer hatte schon wieder auf 2000 Umdrehungen beschleunigt und die 280 Nm Drehmoment des Turbodiesels sorgten für mächtigen Vortrieb.

Die restliche Fahrt verlief weitestgehend problemlos, sieht man mal davon ab, das der Zivi keine Ortskenntnis hatte und sie sich dreimal verfahren haben bevor sie das abgelegene Gehöft erreichten. Nahm Dolor doch aus Prinzip keine Karte in die Hand, er ist schließlich Arzt und kein Pfadfinder.
Der RTW war natürlich schon vor Ort und die Rettungsassistenten hatten die Notkompetenz bis aufs Maximum ausgereizt. Ein Umstand der nicht grade zur Verbesserung von Dolor`s ohnehin schon schlechter Laune beitrug. Was sollte er hier noch ? Einen Blasenkatheter schieben ?
Nachdem Dolor dem Rettungspack erst einmal klargemacht hatte das sie jetzt Pause haben , verschaffte er sich einen groben Überblick.
Die Einwände, das man doch die Reanimation nicht einfach unterbrechen könne, wischte er mit einer energischen Geste seine Hand beiseite. Hier und jetzt war dies seine Einsatzstelle und er hat das Kommando.


Die auf dem Nachtschrank befindliche Menge an Medikamenten hätten jeder Kleinstadtapotheke Konkurenz machen können und Dolor vermutete, das es sich bei dem Patienten mal wieder um ein internistisches Polytrauma handelt, dessen Lebensqualität sowieso unter aller Sau war.

Der EKG Streifen ließ sogar Dolor erkennen ( der sich ja normalerweise nicht mit solch neumodischen Kram wie 12 Kanal EKG beschäftigt, schließlich war er kein Sandmännchen oder Kardiologe ) das es sich hier um ein fulminantes kardiales Ereignis handelt, welches in kürzester Zeit aus noch halbwegs intakten Herzmuskeln ein nekrotisierenden Klumpen Herzparenchym macht.

Dolor beschloß auf die Thorakotomie im Schlafzimmer zu verzichten, obwohl .......nein, ein Blick auf den Monitor zeigte nur noch ein kleine krisselige Linie ohne jede Herzaktion und jede weitere Gabe von Medikamenten wurde nur bedeuten, dass das erscheinen der Flatline unnötig verzögert wurde.
Beschwingt von dem Gedanken, das er der Allgemeinheit, den Krankenkassen und der Pflegeversicherung wieder einmal weitere unnötige Folgekosten erspart hatte, füllte Dolor den Totenschein aus.
Da wusste Dolor wieder einmal warum er in die Medizin gegangen war.........es waren die Dienste am Nächsten und für das Gemeinwohl die diese Arbeit so lohnenswert
erscheinen ließ.......

RS-USER-Cypher
25.03.2003, 17:52
Nette Geschichte! :D

RS-USER-Sani
25.03.2003, 18:03
und so treffend... :D

RS-USER-Feuerblick
25.03.2003, 19:28
*immernochaufdemBodenrumkuller*

Ich fühlte mich irgendwie ins wahre Leben versetzt!!!

Mehr bitte!

Feuerblick

RS-USER-Speedy
25.03.2003, 22:13
Kompliment, das ist beste Dr. Dolor Manier.:)

RS-USER-Finn
25.03.2003, 22:23
Ja, kann mich dem nur anschliessen! Du bist ein ehrenvoller Dolorist! Wir werden den Roman in den Artikelspeicher aufnehmen :-)

Danke & Gruss,
Finn

RS-USER-Finn
11.05.2003, 23:25
So, ist jetzt auch im Dolorbereich zu finden!

Nachtdienst (http://www.rippenspreizer.com/seiten/basismodul/Detailed/46.php)

Viel Spass,
Finn