Famulatur in Großbritannien
East Surrey Hospital im August 2002
Wiebke Hoff
Famulatur in Großbritannien
© Multipla / PIXELIO
Anfang 2002 beschloß ich eine Famulatur im Ausland zu machen. Da ich gerne in das englischsprachige Ausland wollte und schon von verschiedenen Seiten positive Berichte aus Großbritannien gehört hatte, fiel meine Wahl des Famulaturlandes sehr schnell auf Großbritannien.
Bewerben: Ein guter Freund von mir hatte 1997 am East Surrey Hospital(ESH) in Redhill (ca. 40km südlich von London) eine Famulatur in der Gynäkologie & Geburtshilfe gemacht und sehr begeistert davon berichtet.
Mein Ziel war es, auch dort einen Famulaturplatz zu bekommen. Im Januar 2002 bewarb ich mich am ESH für den Sommer. Nach fast 3 Monaten endlosen Wartens und Bangens bekam ich dann die Zusage vom ESH. Ich konnte Zeitraum und Dauer der Famulatur völlig frei wählen, was ich als sehr angenehm empfand.
Bewerben bei: Mr. P.T. Townsend
- B.Sc., F.R.C.O.G.
- Consultant Obstetrician and Gynaecologist
- East Surrey Hospital
- Canada Avenue
- Redhill
- Surrey RH1 5RH
- Great Britain
- Phone: 01737-231755
- Fax: 01737-231848
Als Bewerbung schickte ich Lebenslauf, Schreiben vom Dekan und ein persönl. Schreiben.
Wohnen, Anreise, Krankenhaus
Das ESH besitzt ein Schwestern – und Studentenwohnheim, in dem man normalerweise unterkommen kann. Die Kosten dafür sind mir allerdings nicht bekannt. Zu meiner Zeit war dieses Wohnheim bereits ausgebucht, so dass die Sekretärin meines zuständigen Consultant eine Unterkunft für mich suchte. Eine Krankenschwester des ESH und ihr Mann nahmen mich für die 4 Wochen Famulaturzeit in ihrem Haus auf (Kosten: 280£ inkl. Frühstück).
Anreise: Für die Anreise war ich komplett selbst verantwortlich. Ich flog mit British Airways von Hannover nach Gatwick. Die Kosten des Fluges betrugen ca. € 200. Es gibt sicherlich günstigere Flugvarianten (Ryan Air), doch es ist zu empfehlen, direkt nach Gatwick zu fliegen, da Redhill ca.10 Autominuten vom Flughafen entfernt liegt. Um evtl. Studentenrabatt beim Flug zu bekommen, sollte man ca. 2 Monate vor Abflug buchen.Vom Flughafen zum Krankenhaus nimmt man sich ein Taxi oder den Bus. Ich hatte das Glück und wurde von meinen „Gasteltern“ vom Flughafen abgeholt.
Das Krankenhaus: Das East Surrey Hospital ist ein Krankenhaus des NHS (National Health Service) und KEINE Uniklinik. Wieviele Betten es zählt kann ich leider nicht sagen, aber es enthält kleine Einheiten fast aller Fachrichtungen und hat ein großes Einzugsgebiet.
Die Gynäkologie & Geburtshilfe besteht aus 4 Stationen, einer Day Unit für werdende Mütter, einer eigenen Ultraschalleinheit und einem Kreissaal mit angegliederter Neugeborenenintensivstation. 6 Consultants mit jeweils 1 Registrar und 2-3 SHOs betreuen diesen Bereich (ausgenommen die Neugeborenenintensiv- dort sind natürlich Pädiater am Werk).
Unter Aufsicht Geburten selber leiten
Mr. Townsend ließ mir völlig freie Wahl was ich in den 4 Wochen machen wollte. Auch die Arbeitszeiten waren mir überlassen. Ich war eher an der Geburtshilfe interessiert, so dass ich die meiste Zeit dort mit den Hebammen verbrachte. Zu Anfang sah ich bei den Geburten zu, erlernte so den Ablauf und half ein bisschen mit. Nach 2 Wochen durfte ich dann unter Aufsicht einer Hebamme 3 Geburten selber leiten. Das war das schönste Erlebnis meiner ganzen Famulatur! Allerdings kommt man zu dieser Ehre auch nur, wenn man vorher viel Zeit im Kreissaal verbracht hat und die Hebammen einen kennen und einem vertrauen. Außerdem muß man die Frau vom Erscheinen im Kreissaal an mitbetreuen und kann nicht ein paar Minuten vor der Entbindung einfach hereinplatzen.
Auch bei den Sectios durfte ich ein paar mal als erste Assistenz mitmachen.Ansonsten war ich oft mit Mr. Townsend im OP, wo ich fast immer mit am Tisch stand und bei diversen gynäkologischen OPs assistierte. Ein paar mal ließ er mich die Patientinnen vaginal untersuchen und abtasten.
Einmal besuchte ich die Ultraschallabteilung, wo ich auch mal Schallen durfte und verbrachte auch einen Tag auf der Neugeborenenintensivstation.Nachmittags fanden die Oberarztsprechstunden (clinic) für Patienten von außerhalb statt. Dort hörte ich hauptsächlich bei den Arzt-Patienten-Gesprächen zu, tastete einige Schwangeren-Bäuche und sah sehr viele Spekulum-Untersuchungen.
Fazit
Die Famulatur war sehr interessant und besonders im Kreissaal habe ich viel Praktisches gelernt! Wer an Geburtshilfe interessiert ist und Eigeninitiative zeigt, dem ist diese Famulatur nur zu empfehlen.
Alle Ärzte und Schwestern waren super nett und aufgeschlossen. Doch da es einem freigestellt wird, was man macht, muß man sich das vorher überlegen und sich dann die richtigen Leute dafür suchen und sich mit denen bekannt machen. Ansonsten kann es relativ schnell passieren, dass man rumsitzt und sich keiner für einen verantwortlich fühlt. Eigeninitiative ist also gefragt!!!
Negativ: Es sind kaum andere Studenten dort. Und alle jüngeren Leute wie z.B. die SHOs kommen aus London und fahren nach der Arbeit immer nach Hause. Es ist also abends nicht so viel los, so dass man entweder viel Zeit im Krankenhaus verbringen oder zu zweit dort famulieren sollte.
Positiv: Nähe zu London!!! Mit dem Zug ca. 45 Minuten bis zur Victoria Station! Züge fahren alle 10-30 Minuten. Nähe zur Südküste! Mit dem Zug ca. 1h nach Brighton. Auch sonst ist die Landschaft dort herrlich und im Sommer ist es dort auch super warm und sonnig!Man muß dem Krankenhaus nichts für die Famulatur bezahlen!
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