Kein nine-to-five Job:
Für einen „nine-to-five“ Job hast du dich mit dem Medizinstudium nicht gerade entschieden. Arbeit zu den verschiedensten Tag- und Nachtzeiten wird für dich dazugehören, wenn du in einer Klinik arbeitest, denn Leute sind nicht nur montags bis freitags 9 bis 17 Uhr krank. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Systeme, um einen kontinuierlichen Betrieb aufrecht zu erhalten: Das Schichtsystem mit 12-Stunden-Schichten oder im Drei-Schicht Modell. Und das Dienstsystem, bei dem es „reguläre“ Arbeitszeiten gibt, du aber zusätzlich mehrere Male pro Monat zum Dienst eingeteilt wirst.
„Ich habe Dienst“
Im Schichtsystem arbeiten Ärzte am ehesten auf Intensiv- oder Intermediate Care-Stationen. Im Dienstsystem eher auf Normalstationen und Ambulanzen. 88 Prozent der befragten Ärzte machen Dienste. „Dienst haben“ wird sehr unterschiedlich definiert, aber es ist immer etwas, das mit Arbeit außerhalb der regulären Arbeitszeit zu tun hat, z. B. nachts. Manchmal erwartet dich der erste „Dienst“ nach zwei Wochen im Job, manchmal erst nach einem halben Jahr Schonfrist.
Ruhe bewahren und rechtzeitig um Hilfe bitten
Natürlich müssen abends/nachts/am Wochenende meist weniger Ärzte arbeiten. Das bedeutet aber auch, dass diejenigen, die da sind, eigenverantwortlicher handeln. Als Diensthabender bist du immer unter einer im ganzen Haus bekannten Nummer zu erreichen. Der dazu gehörenden Pieper/das Telefon wird jeweils an die Person weiter gereicht, die Dienst hat. Wie immer ist eine gute Zusammenarbeit mit Kollegen und Pflegekräften wichtig. Bei Problemen, die du selbst nicht lösen kannst, kannst du deinen „Hintergrund“ anrufen. Das ist ein Oberarzt oder erfahrener Altassistent, der dir Fragen beantwortet und auch zu Hilfe eilt, wenn es brennt.
„Schluss mit den Millionen unbezahlten Überstunden“
Im Arbeitsvertrag gibt es immer einen Absatz über Mehrarbeit. Wenn du Überstunden machst, ist das Mindeste, sie zu dokumentieren. Bei einer Umfrage kam heraus, dass bei 22 Prozent der Ärzte trotzdem keinerlei Vergütung erfolgt. Das darf nicht sein! (Auch wenn es vielleicht „schon immer so gewesen“ ist.) Von Klinik zu Klinik gibt es riesige Unterschiede, wie mit Mehrarbeit umgegangen wird und was im Bezug auf Arbeitszeiten als „normal“ empfunden wird.
Auch auf die eigene Gesundheit achten
Du bist in einer Welt tätig, in der die Arbeit als Ganzes niemals fertig wird. So besteht die Gefahr, dass du über deine physischen und psychischen Grenzen hinaus arbeitest. Doch als Arzt bist du nicht nur für die Gesundheit der Patienten verantwortlich, sondern auch für deine eigene. Genügend Schlaf, gesunde Ernährung, Regelmäßigkeit, Bewegung und besonders das soziale Umfeld tragen sehr dazu bei. Höre ab und zu mal in dich hinein, such dir Leute zum Reden und zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Teilzeit erst nach der Weiterbildung zu empfehlen
Hat die Freizeit eine höhere Priorität als Geld, ist Teilzeit eine Option: weniger Arbeit für entsprechend weniger Geld. Es gibt verschiedene Formen: Du kannst z. B. halbe Tage arbeiten, dir eine 3- oder 4-Tage-Woche einrichten oder nach dem Prinzip „eine Woche Arbeit – eine Woche frei“ arbeiten. In der Weiterbildung ist es empfehlenswert, erst einmal Vollzeit zu arbeiten. Erstens ist Teilzeit während der Weiterbildung sehr schwer zu beantragen, zweitens musst du erst einmal die Grundlagen lernen und kannst dabei vom noch frischen Uni-Wissen profitieren