Ausbrennen der Seele beginnt ganz harmlos
Besonders häufig betroffen sind sogenannte helfende Berufe
MEDI-LEARN (Redaktion)
Es scheint wie gemacht für Ärzte – das Burnout-Syndrom. Mediziner sind vermutlich eine Berufsgruppe, die von diesem Prozess des „Ausbrennens“ am Arbeitsplatz häufig betroffen oder zumindest gefährdet ist. Oft geht diese Symptomatik damit einher, dass Hilfe erst nach langem und schwerem seelischen Leiden in Anspruch genommen wird. Dabei wirkt der Anfang des Weges, der im fortgeschrittenen Stadium zur dauerhaften Berufsunfähigkeit führen kann, vielfach ganz harmlos: Der Kollege ist halt ein bisschen engagierter als andere, heißt es auf Station achselzuckend. Der will wohl schnell Karriere machen.
Dabei scheint es die Burnout-Persönlichkeit nicht zu geben. Jedoch werden immer wieder verschiedene Typen und psychische Profile diskutiert. So finden sich neben den hoch leistungsmotiverten, über ihre physischen und psychischen Grenzen hinausgehenden Menschen auch Burnout-Kandidaten, die sich selbst nur wenig zutrauen und ein eher schlechtes Selbstbild haben. Ihre vermeintlichen Leistungsdefizite wollen sie durch Fleiß kompensieren, ihre Aufgaben besonders gut erledigen. Damit einher geht typischerweise das Gefühl eigener Unentbehrlichkeit sowie die Bereitschaft, für andere ständig verfügbar zu sein. Anerkennung durch Mitarbeiter und mehr noch die Dankbarkeit von Patienten für so viel Einsatz werden als Bestätigung empfunden, alles richtig zu machen, und helfen über aufkommende Gefühle der Erschöpfung noch ohne weiteres hinweg.
Das erklärt, warum das seelische Ausbrennen vorrangig in ganz bestimmten Berufen auftritt: Je individueller die Beziehung zwischen der helfenden Person und derjenigen ist, der geholfen wird, desto unmittelbarer kann die emotionale Rückkopplung wirken. Ärzte kennen den Patienten in aller Regel mit Namen und eventuell über einen langen Zeitraum hinweg. Ähnliches gilt für Lehrer und ihre Schüler oder Mitarbeiter von Beratungsstellen und deren Klientel. Sie alle laufen Gefahr, zeitlich und gedanklich keine klare Trennung von Beruf und Privatleben vollziehen zu können. Kommt es zusätzlich zu Konflikten im Beruf oder im privaten Umfeld und bleibt die wichtige Anerkennung und Rückmeldung von Vorgesetzten, Kollegen und Patienten aus, hat dies häufig stark negative Konsequenzen.