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Ergebnisse der Online-Befragung zum Thema: „Assistenzarztzeit"

Der Spagat zwischen alles lernen und alles können müssen?!“

Dr. Dipl.-Psych. K. Geuenich

Merkmale Kommunikation und Betriebsklima

Zehn Prozent der befragten Ärzte gaben an, dass die Zusammenarbeit im Kollegenteam problematisch ist. Gleiches galt in Bezug auf das Pflegeteam. Die menschliche Unterstützung durch die Vorgesetzten empfanden 30 Prozent als wenig unterstützend. Auf der anderen Seite gaben 40 Prozent eine hohe Verbundenheit mit dem Arbeitsteam an und 50 Prozent fühlten sich durch das Team wertgeschätzt, 50 Prozent schilderten einen guten kollegialen Austausch.

Die Merkmale Konflikte vs. Unterstützung im Mitarbeiterkreis sind wichtige Merkmale zur Vorhersage der beruflichen und persönlichen Ressourcen. Sie stellen wesentliche Aspekte dar und tragen zur Erklärung der Gesamtzufriedenheit bei. An erster und zweiter Stelle der Stressmerkmale, die zur Vorhersage der Beeinflussung von Ressourcen herangezogen wurden, stehen die Unsicherheit über die richtige Berufswahl und ein Mangel an Autonomie.


Merkmal Verträglichkeit von Beruf mit Freizeit und Familie

In etwa jeder zweite Teilnehmer gab an, dass bedingt durch die Arbeit das Privatleben und die Freizeit zu kurz kommen. Dennoch waren die Ressourcenwerte für den Aspekt Familie/Partnerschaft im Durchschnitt im hohen Wertebereich. Die Lösung für diesen Zusammenhang ist folgende: Belastungen im Beruf und Ressourcen in der Familie stehen in einem signifikanten, aber mäßig hohen, negativen Zusammenhang. Das bedeutet: Je mehr Belastungen, umso weniger Ressourcen, aber nicht im Verhältnis von Eins zu Eins. Andere Faktoren und auch der zeitliche Verlauf (nachlassen von Ressourcen bei chronischem Stress) müssen hier ebenfalls bedacht werden.


Wichtige Stressoren und Ressourcen

Die jeweils fünf aussagestärksten Belastungsfaktoren im Hinblick auf eine Vorhersage von berufsbedingtem Stress waren die Merkmale Leistungsdruck, fehlende fachliche Anleitung, Unsicherheit über die Berufswahl, Informationsüberflutung und fehlende Autonomie. Diese fünf Merkmale erklären gemeinsam die Unterschiede im Ausmaß von beruflichem Stress zu ungefähr 70 Prozent (siehe Abbildung 2). Insbesondere die Merkmale Leistungsdruck und Informationsüberflutung sind bei vielen (57 Prozent bzw. 47 Prozent) der Ärzte als hohe Belastung beschrieben worden.

Analog gilt für Ressourcen, dass die aussagekräftigsten Faktoren im Hinblick auf die Vorhersage von allgemeiner Lebenszufriedenheit wie folgt lauten: Zuneigung und Verlässlichkeit in Familie/Partnerschaft, Zugehörigkeit bei Freunden, Wertschätzung im Kollegium sowie empfundene Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens. Diese fünf Merkmale erklären die Unterschiede in vorhandenen Ressourcen zu gut 88 Prozent (siehe Abbildung 3). Als besonders stark vorhandenen Ressource traten dabei die Merkmale Zuneigung in der Familie/Partnerschaft und Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens (jeweils knapp drei Viertel der Teilnehmer erlangten hier hohe Werte) hervor.


Abb. 2: Prozentualer Anteil der Assistenzärzte/innen mit niedrigen, mittelhohen und hohen Belastungen im Beruf.


Abb. 3: Prozentualer Anteil der Assistenzärzte/innen mit niedrigen, mittelhohen und hohen Ressourcen in den Bereichen Beruf, Eigene Person, Familie/Partnerschaft und Freundeskreis.

Fazit

Als Gesamtgruppe verfügen Assistenzärzte im Mittel über ein gutes Maß an Ressourcen und berichten über ein mittelhohes Ausmaß an beruflicher Belastung. Das darf aber nicht dazu führen, dass man übersieht, dass dies Mittelwerte sind und dass hinter diesen Mittelwerten ein hoher Prozentsatz an Ärzten steht, die über berufliche Belastungen hohen Ausmaßes berichten. Dass auch von vielen über hohe Ressourcen berichtet wird, ist positiv zu bewerten. Dennoch bleibt der Arztberuf in punkto Stress ein Risikoberuf.

Bestätigt haben sich die erwarteten Zusammenhänge zwischen Arbeitszeit und -umfang und beruflichem Stress. Ebenso bestätigt haben sich die positiven Zusammenhänge zwischen den Ressourcen in den vier Lebensbereichen Beruf, eigene Person, Familie/Partnerschaft und Freundeskreis. Stress und Ressourcen interagieren. Dabei senkt Stress die Verfügbarkeit von Ressourcen und umgekehrt erhöht ein Mangel an Ressourcen das erlebte Stressausmaß

Besondere Beachtung verdienen die stressrelevanten Merkmale Leistungsdruck, fehlende fachliche Anleitung, Unsicherheit über die Berufswahl, Informationsüberflutung und fehlende Autonomie. Als Stressschutz und Ressource haben sich die Merkmale Zuneigung und Verlässlichkeit in Familie/Partnerschaft, Zugehörigkeit bei Freunden, Wertschätzung im Kollegium sowie empfundene Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens herauskristallisiert. Offene Fragen zu dieser Studie beruhen in erster Linie auf der Zusammensetzung der Stichprobe, die aufgrund der freiwilligen Teilnahme nicht dem Zufallsprinzip folgt, wie es im günstigsten Fall zu fordern wäre. Trotz dieses Mankos sind jedoch die gefundenen Zusammenhangsaussagen als ernstzunehmende Hypothesen für Stressprävention und Ressourcenverstärkung im Arztberuf anzusehen. 
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