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Feizeit- statt Arbeitskleidung

Erkennungsmerkmal des Arztes scheint aus der Mode zu kommen

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MiaMed

Der weiße Kittel, einst Statussymbol und sicheres Erkennungsmerkmal des Arztes, scheint aus der Mode zu kommen: Immer mehr Mediziner bevorzugen das Tragen von Freizeitkleidung bei der Arbeit. Bereits 2007 wurde in Großbritannien von offizieller Seite über die endgültige Abschaffung des Kleidungsstücks diskutiert. Hierzulande hat sich das Gesundheitsministerium zu einer solchen Frage zwar (noch) nicht geäußert, doch die Veränderungen geschehen trotzdem. Erstes Anzeichen für den Wandel ist zumeist der Wechsel des Schuhwerks – anstelle der traditionellen weißen Birkenstock-Sandale findet sich zunehmend buntes Turn- und Freizeitschuhwerk an Ärztefüßen. Als nächste Stufe gilt oftmals „normale“ Kleidung statt weißer Hose und Hemd unter dem Kittel. Besonders engagierte Exemplare, häufig zu finden unter Psychiatern und Kinderärzten, verweigern sich der traditionellen Bekleidung ganz und gar.
Recht geben den Befürwortern der Kittellosigkeit zahlreiche Hygieneexperten. Ursprünglich zur Erhöhung der Sauberkeit und der Minimierung der Keimverschleppung getragen – der weiße Stoff ließ sich im Gegensatz zu den davor als Arztkleidung gebräuchlichen schwarzen Gehröcken bei hohen Temperaturen waschen –, droht dieser Zweck sich in sein Gegenteil zu verkehren. Da die Kittel in der Regel zu selten gewechselt und gewaschen werden, tragen sie Bakterien und Keime von einem Patienten zum anderen. Dem Schutz des Arztes dienen sie zudem nur in seltenen Fällen, beispielsweise beim Kontakt mit infektiösen Patienten.

Vermutlich ist diese Argumentation nicht sonderlich weit verbreitet. Was bewegt also dann Mediziner, statt der klassischen „Kluft“ Alltagskleidung anzulegen? Denkbar ist alles vom Wunsch nach Individualität über den Versuch, eine bessere Vertrauensebene zum Patienten zu schaffen, bis zum fast wörtlichen Ablegen von Klischees der Sorte „Götter in Weiß“. Unabhängig von der jeweiligen Motivation kann es nicht schaden, sich die Besonderheiten des Kitteltragens einmal durch den Kopf gehen zu lassen.

Sicherlich kann es einerseits von Vorteil sein, mit dem Kittel ein Stück der Distanz abzulegen, die Arzt und Patient voneinander trennt. Manchen Patienten mag das dazu bewegen, größeres Vertrauen zu haben und mehr von sich und seinem Problem mitzuteilen. Gleichzeitig steht das Kleidungsstück nahezu symbolisch für Kompetenz, sodass gerade junge Mediziner von Patienten und ihren Angehörigen durch das Tragen eher ernst genommen werden. Gleichzeitig hat der Kittel diese Wirkung möglicherweise auch auf den Mediziner, der sich mit ihm sicherer fühlt und dementsprechend entschiedener auftritt.
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