Homöopathie im Busch
Eine umstrittene Heilmethode
Redaktion (MEDI-LEARN)
Homöopathie ist umstritten. Als alternative Heilmethode auf dem Vormarsch, wird vor allem die Ablehnung von Wirksamkeitsstudien kritisiert. Vertreter und Anhänger feiern die „sanfte Medizin“, Kritiker und Gegner gestehen ihr höchstens einen Placebo-Effekt zu. Die Gräben zwischen den Parteien sind tief und werden sich in absehbarer Zeit wohl kaum überwinden lassen.
Mediziner sind bei dem Thema durchaus unterschiedlicher Meinung. Als im Frühjahr von der ARD über die Organisation „Homöopathen ohne Grenzen“ berichtet wurde, entspann sich im MEDI-LEARN Forum eine rege Diskussion.
In Analogie zu den „Ärzte ohne Grenzen“ formierten sich die „Homöopathen ohne Grenzen“ (HOG) 1997 in Deutschland. Laut Selbstbeschreibung geht es den dort vereinigten „ÄrztInnen, HeilpraktikerInnen und Hebammen“ darum, „die klassische Homöopathie als medizinische Hilfe in Krisengebieten einzusetzen“. Dabei wollen sie in die Strukturen vor Ort eingebunden werden und Hilfe zur Selbsthilfe leisten, sodass die Projekte von den Ortsansässigen selbständig weitergeführt werden können. Wiederholt wird von ihnen betont, dass sie nur auf Anforderung in die Gebiete gehen und dort nicht missionarisch tätig sein wollen.
Aus Berichten der HOG geht hervor, dass sie sowohl Laien in Homöopathie ausbilden als auch Hebammen schulen. Auf diese Weise wollen sie eine „kostengünstige und effektive Medizin“ zur Verfügung stellen, vor allem der ärmeren Bevölkerung. Dass dieses Angebot von den Menschen genutzt wird, zeigt ein Bericht der ARD über die HOG-Arbeit in Afrika. Heilpraktiker wurden bei ihren Sprechstunden begleitet, die sie dort abhielten und die stark besucht waren. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass medizinische Versorgung dort teuer und nicht überall verfügbar ist.
Während die Homöopathen einräumen, dass es Grenzen für ihre Methode gebe, „etwa bei schweren Verletzungen, bei Diabetes oder Aids“, spricht die Bevölkerung von „Wunderheilerinnen“. Ein Bewohner war überzeugt, durch die Homöopathie von Malaria geheilt worden zu sein. Die HOG widersprach dem in einer Stellungnahme und wies darauf hin, dass „weder Malaria noch Aids noch sonstige lebensbedrohliche Infektionskrankheiten“ von ihnen behandelt werden. Zudem würden keine Heilversprechen gegeben.
Bei der Diskussion im MEDI-LEARN Forum wurde unter anderem auch diese Stellungnahme diskutiert. Ein Nutzer wies darauf hin, dass von den Homöopathen außer einer ausführlichen Anamnese keine weitere Diagnostik durchgeführt wird und daher auch keine Diagnose gestellt wird. Dies sei aber korrekt, weil in der Homöopathie keine Diagnosen, sondern Symptome behandelt werden. Und dann ginge es nicht um die Frage einer Malaria-Behandlung, sondern um das Kurieren von Fieberschübe, Schüttelfrost und Leistungsknick.
Andere User wiesen darauf hin, dass bei einer in Schüben verlaufenden Erkrankung wie der Malaria immer wieder (vermeintliche) Besserungen eintreten, ohne dass eine wirkliche Genesung erfolgt. Dieser Punkt fand im Forum besondere Beachtung, als es um die Frage ging, ob eine subjektive Besserung nicht Ergebnis genug ist. Ein Forennutzer war der Meinung, dass es reicht, wenn die Menschen vor Ort subjektiv mit der Behandlung zufrieden sind. Immerhin wenden sich in Deutschland ebenfalls vermehrt Menschen der Homöopathie zu, weil die Schulmedizin sie enttäuscht hat. Daraufhin kam der Hinweis, dass subjektive Wahrnehmung und tatsächlicher Krankheitsverlauf nicht übereinstimmen müssen.
Die überwiegende Mehrheit der Diskussionsteilnehmer war der Homöopathie gegenüber kritisch eingestellt. Aspekte wie der mangelnde Wirksamkeitsnachweis durch fehlende Studien, die Frage nach dem Placeboeffekt und der Krankenkassenbelastung durch verschleppte Erkrankungen wurden angesprochen. Daneben wurde immer wieder in den Raum gestellt, ob die HOG nicht möglicherweise die fehlende schulische Ausbildung in Afrika ausnutzen, um sich und ihre Methoden zu profilieren.
Ein Forennutzer erwägt inzwischen, den an seiner Uni angebotenen Kurs „Homöopathie für Medizinstudenten“ zu besuchen in der Hoffnung, dass dort eine wissenschaftliche Beleuchtung stattfindet. Die Zweifel gegenüber der Homöopathie bestehen und werden durch Projekte wie die der HOG nicht abgebaut, sondern eher noch verstärkt. Ohne die schon lange geforderten Wirksamkeitsstudien werden die meisten Mediziner, aber auch Laien ihre Skepsis nicht aufgeben.
Forendiskussionen
Was hältst du von Homöopathie? Eine tatsächliche Variante? Oder bist du doch eher gegen die Heilmethode. In unserem Forum wird bereits diskutiert.