Der Hartmannbund als Verband aller Ärzte sah sich daher in der Pflicht, diese Thematik aufzugreifen und sich an der Diskussion zu beteiligen. Dabei hat er sowohl die an Kliniken und in Praxen fest angestellten Mitglieder, die Niedergelassenen als auch diejenigen im Blick, die sich für eine Honorararzttätigkeit entscheiden. Der Wechsel vom Angestelltendasein oder der Niederlassung in eine Tätigkeit auf Honorarbasis ist als Trend auch im Hartmannbund deutlich erkennbar. Wichtig für eine lösungsorientierte Auseinandersetzung sollte daher die Frage nach den Hintergründen und nicht die Stigmatisierung einzelner Ärzte und Arztgruppen sein.
Wer ist er, der durchschnittliche Honorararzt? Worin liegt die Berechtigung seines meist gut bezahlten Einsatzes? Worin seine Motivation? Wie alt ist er? Welche Fachgruppen besetzt er? Wie sieht sein beruflicher Werdegang aus? Wie viele Ärzte in Deutschland arbeiten derzeit auf Honorarbasis? Hält man diese Ärzte nur als Honorarärzte im System, da sie ansonsten längst ins Ausland abgewandert wären?
Wir wissen noch zuwenig über das Honorararztwesen und über die Honorarärzte selbst. Umso gespannter können wir auf valide Informationen der im September 2009 gestarteten so genannten Honorararztstudie sein. Erste interessante Ergebnisse wurden bereits im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht: Bei den meisten Honorarärzten handelt es sich um hochqualifizierte und überwiegend männliche Ärzte, die durchschnittlich eher älter sind.
Aus Sicht des Hartmannbundes sollte die Sicherung der Versorgung und die Gewährleistung der Versorgungsqualität stets im Vordergrund der Überlegungen stehen. Hinzu kommt die unabwendbare Diskussion über Arbeitsbedingungen angestellter und niedergelassener Ärzte. Fakt ist, dass das Honorararztwesen als Folge des Ärztemangels und der zum Teil unzureichenden Arbeitsbedingungen gesehen werden muss. Selbst wenn die Honorarärzte nicht über mehr Freizeit verfügen, so empfinden sie ihre selbstbestimmte Tätigkeit dennoch als Rückgewinn einer verloren geglaubten Eigenverantwortlichkeit. Kein klassisches Rädchen im System zu sein und Wertschätzung für seine ärztlichen Fähigkeiten zu erfahren, sind nach wie vor unterschätzte Faktoren. Viele Ärzte sehen jedoch genau das als ihr Berufsziel an.
Natürlich müssen wir in diesem Zusammenhang auch unser Problembewusstsein schärfen. Wie steht es um die Qualität der Versorgung, wenn ein Arzt von heute auf morgen Dienst auf einer ihm unbekannten Intensivstation zu leisten hat? An welcher Stelle leidet vielleicht dieTeamarbeit? Erfolgt die Patientenbindung in ausreichendem Maße? Ist die Ungleichbehandlung (Bezahlung, Notdienste) gegenüber festangestellten Ärzten hinnehmbar? Wird das Modell in kürzester Zeit Schule machen, sodass es eine akute Gefahr für die Finanzierbarkeit des Systems darstellt? Wie hoch ist mittlerweile der Anteil von Scheinselbständigen, die nicht zuletzt dem System der Sozialversicherung schaden?
Wir müssen darüber sprechen!
Bild:Noch sind die meisten Honorarärzte Anästhesisten,
doch die Entwicklung greift zunehmend auch auf andere
Fachgruppen über.
Quelle: www.hartmannbund.de

