Angesichts eines steigenden Frauenanteils und eines Ärztemangels in der Medizin seien die Bedürfnisse junger Eltern nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf der zentrale Prüfstein für die Leitung einer Klinik oder einer Fakultät, um qualifizierte und talentierte Mitarbeiter zu gewinnen. Diesem Umstand dürfe man sich keinesfalls verwehren, wenn man die weltweite Spitzenposition in Lehre und Forschung behaltenmöchte.
Die Vertreter der 36 deutschen Fakultäten zeigten sich von dem Aufruf derMinisterin durchaus „getroffen“ und spendeten ihr viel Applaus. Ob dieser akustischen Sympathieerklärung aber auch Taten folgen, werden die Universitätsklinika bis zum nächsten MFT 2011 in Rostock beweisen müssen. Möglichkeiten gäbe es mehr als genug: KindertagesstättenanKliniken, Elternparkplätze, flexible Arbeitszeitmodelle für Eltern, Karriereoptionen für Ärztinnen und Ärztemit Kinderwunsch usw..
So sind der bereits existente Ärztemangel, die Gründe dafür sowie mögliche Auswege als wichtige gesundheitspolitische Themen in den Medien mittlerweile fast täglich präsent. Es wird beinahe auf allen Ebenen des Gesundheitswesens nach Wegen gesucht, das Medizinstudium attraktiver zu machen und die Arbeitsbedingungen für den Nachwuchs zu verbessern.
Als gelungenes Beispiel für eine „praktische“ Ausbildung mit theoretischen Studieninhalten wurde im Rahmen des MFT das Projekt „Dr.House – Können Medizinstudenten vom Fernsehen lernen“ des Marburger Professors Jürgen R. Schäfer vorgestellt und ausgezeichnet. Dr. House ist eine US-amerikanische Fernsehserie mit gleichnamigem Arzt in der Hauptrolle. Sie thematisiert schwierige und seltene Erkrankungen, die selbst in Medizinlehrbüchern nur kurz behandelt werden, in abendfüllender und unterhaltsamer Weise. Die Problemlösung von Dr.House und seinem Team kommt dabei in kontroversen Diskussionen und mit differentialdiagnostischen Überlegungen zustande. Das große Interesse an und etliche Nachfragen der Studenten zu der Serie bzw. den Erkrankungen bildeten die Grundlage für das Seminar „Dr. House revisited – oder: hätten wir den Patienten in Marburg auch geheilt“.
Mit Hilfe kurzer Schlüsselszenen aus der jeweiligen Episodewerden die von den „Fernsehärzten“ gestellten Diagnosen von den Studenten diskutiert. Unabhängig vom sinnhaften Zusammenspiel von Handlung und Diagnose führt diese Form der unterhaltsamen Lehre zu einer hochmotivierten Auseinandersetzung der Seminarteilnehmer mit den teilweise sehr seltenen Krankheitsbildern. Letztlich begründet die direkte Konkurrenz von neuen, internetbasierten Medien zur „klassischen“ Vorlesung die Forderungnacheiner „Nationalen Mediensammlung Medizin“, mit der bundesweit das Lehrangebot erweitert werden könnte.
Neben diesen praktischen Inhalten während der Ausbildung zum Humanmediziner beschäftigte sich der diesjährige MFT unter anderem mit der Rolle der Patientenverfügbarkeit für die Kapazitätsberechnung der Studienplätze und dem Einfluss der Ökonomisierung der Hochschulmedizin auf Lehre und Forschung.
Die öffentliche Diskussion um die zukünftige Gestaltung und Finanzierung des Gesundheitswesens zeigt, dass die Medizin insgesamt vor wichtigen Weichenstellungen steht. So verwunderte es auch nicht, dass neben von der Leyen der Bundesgesundheitsminister sein Kommen zum MFT in die Leinestadt ankündigte. Eine eilig einberufene Runde bei der Kanzlerin zur Zukunft der Kopfpauschale verhinderte jedoch kurzfristig das Gespräch zwischen Dr. med. Philipp Rösler und den angereisten Dekanen, Prodekanen und Studiendekanen.
Quelle: www.hartmannbund.de