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Mehr Freizeit, weniger Gehalt und öfters schwierige Organisation

Arbeit in Teilzeit gestaltet sich nicht immer einfach

Redaktion (MEDI-LEARN)

Hat die Freizeit eine höhere Priorität als Geld, ist Teilzeit eine Option. Weniger Arbeit für entsprechend weniger Geld – damit sind nicht alle Arbeitgeber glücklich, aber für Ärzte mit Kindern gibt es zumindest zeitweise kaum eine andere Möglichkeit. Eltern sind nicht die Einzigen, die in Teilzeit arbeiten. Gerade nach der Facharztprüfung ist das Gehalt für Teilzeit oft ähnlich hoch wie für den Vollzeitjob während der Weiterbildung; und das bei mehr Freizeit beziehungsweise Zeit für andere Dinge. Während der Facharztweiterbildung ist Teilzeit unüblich, da das Gehalt sowieso schon nicht üppig ist und sich die Weiterbildungszeit nicht endlos in die Länge ziehen soll.

Antrag an die Landesärztekammer

Anspruch auf Teilzeit hast du nur, sofern dein Vertrag es nicht von Anfang an anders vorsieht. Und auch dann nach frühestens sechs Monaten in deinem Job und bei Betrieben mit mehr als 15 Mitarbeitern. Laut Gesetz dürfen auch keine „betrieblichen Gründe“ gegen die Teilzeittätigkeit sprechen. In der Elternzeit ist es einfacher: Du hast drei Jahre lang Anspruch auf Teilzeit im Umfang von 15 bis 30 Stunden pro Woche.  Den „Antrag auf Weiterbildung in Teilzeit“ musst du an die Landesärztekammer (LÄK) stellen und bereits bei Antragstellung den Umfang angeben. In der Realität erkennen die LÄKs nur Anträge mit einer Teilzeittätigkeit über 50 Prozent an.

Selbst wenn du dem Arbeitgeber vorher mitgeteilt hast, dass du drei Jahre in Berufspause gehen wirst, kannst du deine Meinung ändern und in Teilzeit arbeiten – das ist dann nur schwer, aus „dringenden betrieblichen Gründen,“ vom Arbeitgeber abzulehnen. Allgemein kann der Arbeitgeber deinen Teilzeitplänen bis vier Wochen vor Antritt widersprechen – im Krankenhaus kann aber meistens lediglich beanstandet werden, wie genau die Wochenstunden aufgeteilt sind.


Der Klassiker: Halbe Tage arbeiten

Der klassische Grund für die Arbeit in Teilzeit ist die Kinderbetreuung. Entsprechend sieht auch die klassische Aufteilung der Teilzeitarbeit aus: Du gehst jeden Tag zur Arbeit, bleibst aber nur für wenige Stunden; zum Beispiel von 9 bis 13 Uhr, während die Kinder in der KiTa oder der Schule sind. Im Krankenhaus ist diese Form der Teilzeit oft nur schwer realisierbar, weil Arbeitsabläufe eher auf längere Zeiten angelegt sind. Besonders im stationären Bereich ist es häufig schwer, mitten am Tag die Übergabe an deine Kollegen zu machen. Besser geht das in Ambulanzen, Praxen, der Funktionsdiagnostik oder anderen Arbeitsstätten mit kurzen „Prozesszeiten.“ Leider lassen sich Arbeitszeiten in diesen Bereichen nicht immer auf die Weiterbildung anrechnen. Es ist außerdem vom guten Willen des Arbeitgebers abhängig, jemanden dauerhaft dort einzusetzen. Viele Kollegen sehen zudem die Funktionsdiagnostik als „Sahnehäubchen“ und werden sich ihren Job dort nicht streitig machen lassen.


Eine Woche Arbeit, eine Woche frei

Das Problem mit den unterbrochenen Prozesszeiten kannst du umgehen, in dem du immer eine Woche Vollzeit mit einer Woche frei abwechselst. Das ist in Deutschland auch für die Kliniken besser realisierbar, da sie diese Situation quasi wie Urlaub handhaben. Für dich selber ist es eventuell erfüllender, da du jeden Tag voll da bist und Aufgaben zu Ende führen kannst. Wenn der Grund für deine Teilzeitarbeit war, dass du mehr Zeit für andere Dinge haben wolltest, so könntest du mit „Eine Woche Arbeit, eine Woche frei“ glücklich werden, denn du hast im Endeffekt mehr Urlaub. Die Kinderbetreuung in so einem Modell ist schwierig.  

Die 3-Tage-Woche

Eine weitere Möglichkeit ist, dass du je nach Stundenzahl nur zwei, drei oder vier Tage pro Woche arbeiten gehst. Der Vorteil gegenüber der Halbe-Tage-Methode ist, dass deine Teilzeit weniger durch Überstunden gefährdet ist. Wenn du an einigen Tagen in der Woche nicht da bist, bist du nicht da. Wenn du dagegen jeden Tag eigentlich um 13 Uhr gehen willst, besteht die Gefahr, dass du schnell mal etwas länger bleibst. Ein Nachteil ist, gerade bei nur wenigen Arbeitstagen, dass die Kontinuität verloren geht. Das erschwert die Stationsarbeit: Patienten haben keinen durchgängigen Ansprechpartner, du selbst bekommst den aktuellen Verlauf nicht mit, … In Ambulanzen, der Funktionsdiagnostik oder Ähnlichem ließe sich das besser organisieren, wenn es denn möglich ist, dort eingesetzt zu werden.

Der Preis für die Freizeit 

Es gibt ein Buch namens „Die 4-Stunden-Woche.“ Der Künstler Helge Schneider lässt eine seiner Figuren beim Arbeitsamt fragen, wann denn die 4-Stunden-Woche eingeführt wird. Das ist selbstverständlich übertrieben, doch die Vorteile der Teilzeitarbeit liegen auf der Hand: mehr Zeit für andere Dinge, für Kinder, Privatleben, Sport, Ehrenamt oder eventuell einen anderen Job. Der Abstand zum Arbeitsalltag tut Körper und Psyche gut. Klar ist auch, dass es für weniger Arbeit auch weniger Gehalt gibt, doch das ist es Vielen wert. Probleme treten vor allem während der Ausbildung zum Facharzt auf, weil du länger brauchen wirst, um die erforderlichen Weiterbildungszeiten zu sammeln. Gerade direkt nach der Uni ist es empfehlenswert, Vollzeit zuarbeiten, um die Grundlagen zu lernen und dabei vom noch frischen Wissen aus dem Studium zu profitieren. Denke auch daran, dass einige Vorgesetzte und Kollegen Teilzeit nicht gerne sehen. In der Weiterbildung könntest du Probleme bekommen, in speziellen Bereichen eingesetzt zu werden, weil du „ja nie da bist“.

 

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