Die Kenntnis der Erreger ist bei der Entscheidung für eine antibiotische Therapie von großer Bedeutung; vor allem bei Nichtanschlagen der Behandlung ist ein Abstrich essenziell, bevor weitere Therapieversuche unternommen werden.
Infektion mit überwiegend Staphylokokken
Schon im normalen Gehörgang finden sich hämolysierende (Staph. aureus) sowie nicht hämolysierende Staphylokokken. In erkrankten Gehörgängen breiten sie sich aus und führen zum Krankheitsbild der Otitis externa circumscripta mit Beteiligung der Haarbälge und Talgdrüsen. Oft sind Otitiden dieser Art auch durch Manipulation verursacht (Versuch, hartnäckigen Ohrschmalz zu entfernen; exzessiver Ohrstäbchengebrauch).
Tipp: Bei Cerumen obturans Patient mit glycerinhaltigem Ohrschmalzlöser nach Hause schicken; nach 2–3 Tagen wieder einbestellen zum Absaugen.
Gehörgangsfurunkel immer inzidieren Ein Eiterfurunkel muss inzidiert werden. Lokal können Gazestreifen eingelegt werden. Unterstützend werden Analgetika und Antiphlogistika verabreicht. Feuchtwarme Verbände und Rotlicht werden oft als angenehm empfunden.
Infektion mit überwiegend Pseudomonas
Pseudomonas aeruginosa, ein Nasskeim, findet sich im normalen Gehörgang, aber auch in verkeimten Wasserrohren! Die Pseudomonasinfektion – meist nach Bagatellverletzungen, nach dem Schwimmen oder nach Ohrspülung durch den Arzt (!) – führt zu einer diffusen entzündlichen Verschwellung des gesamten äußeren Gehörgangs. Charakteristisch ist der chloroformartige, süßliche Geruch.
Sonderform: Otitis externa maligna
Pseudomonas aeruginosa ist der Leitkeim der Otitis externa maligna. Neben der chirurgischen Sanierung (bei Knochenbefall) muss systemisch über Wochen eine pseudomonaswirksame Therapie, z. B. mit Piperacillin, in Kombination mit Aminoglykosiden (z. B. Tobramycin) erfolgen. Zusätzlich sollte lokal mit Ciprofloxacin- Ohrentropfen behandelt werden. Die Otitis externa maligna kann zu einer Osteomyelitis der Schädelbasis (im Zweifelsfall CT!) und zu einer Meningitis führen. Typische Betroffene sind Diabetiker und Immunabwehrgeschwächte. Daher ist immer nach diesen Grundkrankheiten zu fahnden. (Eine Verbesserung des Grundleidens beschleunigt die Ausheilung oder macht sie erst möglich.) Cave: Hinter einer Ulzeration des Gehörgangbodens kann sich ein Malignom verbergen (Probebiopsie!).
Pilzinfektionen des äußeren Ohres: Trockene Mykose
Ursache von Juckreiz im Gehörgang gefunden. Die Diagnose ist eine Blickdiagnose: rasen- bis watteartige Hyphen, bei Aspergillus niger schwarze Köpfchen, bei Asp. fumigatus/flavus helle Köpfchen (Abb. 3) sowie tapetenartige dunkle Schimmelpilze.
Feuchte Mykosen
Leitsymptome sind Sekretion und Detritus neben ständigem Juckreiz. Auftreten v. a. im Sommer, wenn die Gehörgangshaut länger feucht bleibt. Häufig Can dida albicans, versch. Aspergillusarten; seltener Actinomyzeten. Oft sieht man Myzelmatten als dicke, feuchte, grau-bräunliche Membran (Abb. 4).
Tipp: Bei therapieresistenter Entzündung ggf. Antibiotikum absetzen und auf Pilzinfektion behandeln (gilt auch für Kinder!); zur Sicherheit Abstrich (Erregerbestimmung, Resistenztestung). Der Patient ist über den „Feuchte-Kammer- Effekt“ zu belehren. Warme Luft (Föhn) und Hörgerätkarenz wirken oft Wunder.
Hinweis: Dieser Artikel stammt aus (
MMW Fortschritte der Medizin, Heft 33, 2010). Er wurde mit freundlicher Genehmigung der Redaktion
MMW Fortschritte der Medizin hier präsentiert.