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Was Sie bei Schlafstörungen raten können

Gastartikel MMW Fortschritte der Medizin bei MEDI-LEARN

MMW Fortschritte der Medizin

Vom Schlaftagebuch bis zum Antidepressivum

Erster Ansprechpartner für Patienten mit Schlafstörungen ist meist der Hausarzt. Viele Formen von Insomnien können Sie bereits mit relativ wenig Aufwand diagnostizieren und behandeln. In manchen Fällen sollten Sie jedoch die Weichen für eine weitergehende, spezifischere Diagnostik beim Facharzt oder in einem schlafmedizinischen Zentrum stellen.
Schlafstörungen, insbesondere Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnien), gehören zu den häufigsten Beschwerden von Patienten, die ihren Hausarzt aufsuchen [2, 3, 5]. Nicht immer ist die Schlafstörung der Hauptgrund für den Arztbesuch, und oft kommt dieses Symptom gar nicht zur Sprache – vielleicht, weil der Patient meint, dass man dagegen ohnehin nichts machen könne. Es ist deshalb sinnvoll, wenn der Hausarzt gelegentlich von sich aus nach dem Schlaf fragt. Entgegen einer weitverbreiteten Meinung kann der Hausarzt viele Formen von Schlafstörungen behandeln, ohne einen „Experten“ hinzuzuziehen.
 

Anamnese

Im Mittelpunkt der hausärztlichen Diagnostik bei Schlafstörungen steht eine gründliche Anamneseerhebung (falls möglich ergänzt durch Fremdanamnese), die allgemeinmedizinische Aspekte, körperliche und seelische Grunderkrankungen, aber auch aktuelle oder chronische belastende psychosoziale Faktoren umfassen sollte. All diese kommen als mögliche Ursachen für eine Schlafstörung infrage. Auch Medikamente (beispielsweise Antihypertensiva) können zu Schlafstörungen führen.
 

Oft unbekannt: primäre Insomnie

Bei chronischen Insomnien lässt sich oft ein weit zurückliegender Auslöser, nicht aber eine aktuell die Schlafstörung aufrechterhaltende, vordergründig erkennbare Bedingung finden. Der Leidensdruck dieser Patienten wird oft gerade durch dieses Fehlen einer Erklärung und die damit verbundene Hilflosigkeit verstärkt. Das hier meist vorliegende Krankheitsbild einer primären (oder „psychophysiologischen“) Insomnie (die durch chronifizierende Mechanismen im Sinne eines Circulus vitiosus aufrechterhalten wird) ist manchen Kollegen nicht bekannt; für Generationen von Ärzten galten Schlafstörungen, speziell Insomnien, nicht als eigenständige Erkrankungen, sondern allenfalls als Symptom von Grunderkrankungen.
 

Schlaftagebuch

Die aktuelle Schlafproblematik wird vom Patienten oft nur unpräzise beschrieben; einen (auch hinsichtlich der Therapie wichtigen) Eindruck von der Erscheinungsform der Schlafstörung gewinnt man, wenn man täglich ein Schlaftagebuch über eine oder zwei Wochen führen lässt (Tab. 1).
Oft gibt es dabei Überraschungen: So kann sich etwa bei einem älteren Menschen, der über „zu wenig Schlaf“ klagt, herausstellen, dass seine nächtliche Hauptschlafperiode zwar kürzer ist als früher im Leben, doch zusammen mit den zusätzlichen Tagschlafepisoden kommt er durchaus auf „seine“ sieben oder acht Stunden Schlaf.
 

Tabelle 1 - Schlaftagebuch (Beispiel)


  • Haben Sie gestern tagsüber geschlafen? Wenn ja, wie lange?
  • Gab es gestern ein besonderes Ereignis?
  • Haben Sie gestern Medikamente eingenommen? Wenn ja: welche und in welcher Dosis?
  • Haben Sie gestern abend Alkoho oder koffeinhaltige Getränke zu sich genommen? Wenn ja, wieviel?
  • Wann sind Sie gestern zu Bett gegangen?
  • Wie viele Minuten hat es gedauert, bis Sie eingeschlafen sind?
  • Falls Sie nicht einschlafen konnten,woran lag es?
  • Falls zutreffend: Wie oft und wann sind Sie in der letzten Nacht aufgewacht?
  • Wie lange waren Sie danach wach (Minuten)?
  • Womit haben Sie sich beschäftigt, als Sie wach waren?
  • Wann sind Sie heute morgen endgültig aufgewacht?
  • Wie viele Stunden haben Sie insgesamt geschlafen?
  • Wann sind Sie heute morgen aufgestanden?

  • Schlafhygiene

    Ganz entscheidend ist die Frage nach Gewohnheiten im Zusammenhang mit dem Schlaf – dem, was man zusammenfassend auch als „Schlafhygiene“ bezeichnet (Tab. 2). Dazu gehört auch die Frage nach dem Gebrauch von Genussmitteln, insbesondere Alkohol. Letzterer fördert das Einschlafen, aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit klingt jedoch seine hypnotische Wirkung rasch ab, was sich vor allem bei älteren Menschen in einer Durchschlafstörung aufgrund eines Reboundeffekts manifestieren kann. Die Reduktion des Alkoholkonsums kann rasch zu einer Besserung führen.
     

    Tabelle 2 - Einige Grundregeln der Schlafhygiene


  • Möglichst regelmäßige, individuell angepasste Schlafzeiten einhalten
  • Längeren Tagschlaf vermeiden
  • Vor dem Schlafen keine körperlich oder geistig anstrengenden Tätigkeiten ausüben
  • Keine zu späten, schweren Mahlzeiten
  • Mit Genussmitteln maßvoll umgehen
  • Nicht zu viel über den Schlaf nachdenken
  • Weiter
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