Benutzername:

Passwort:

Jetzt registrieren

Passwort futsch!?

;-)

Wissenschaftliche Karriere – Einstieg und Ziele

Grundstein ist oft schon die Dissertation

Redaktion (MEDI-LEARN)

MD/PhD-Programme - Die logische Konsequenz?

Zur weiteren Optimierung der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der wissenschaftlichen Ausbildung werden für Mediziner seitens der Universitäten vermehrt so genannte kombinierte MD/PhD-Programme angeboten (stellvertretend als Beispiele Würzburg und Leipzig [2, 3]). Einige der geforderten Leistungen können hier bereits während des Medizinstudiums erbracht werden. So soll der vermeintliche Zeitverlust bei einem zusätzlichen Studium zumindest teilweise kompensiert werden. Meist wird der Anteil eines naturwissenschaftlichen Vorbereitungsstudiums parallel zum Studium der Humanmedizin/Zahnmedizin absolviert, man belegt also zusätzlich zu den Fächern des Medizinstudiums weitere Kurse für ein entsprechendes naturwissenschaftliches Studium. Zudem werden eine experimentelle Forschungstätigkeit mit dem Abschluss einer Promotion zum Dr. med. bzw. Dr. med. dent. und anschließend eine experimentelle Forschungstätigkeit mit dem Abschluss einer Promotion zum Dr. rer. nat. / Dr. phil. / Dr. sc. med. (etc., je nach Fakultät) absolviert. Üblicherweise können beide Dissertationen nach diesem Konzept aufeinander aufbauen, dürfen sich aber inhaltlich nicht überschneiden. Wer sich also frühzeitig für eine wissenschaftliche Karriere interessiert und einen dieser begehrten Plätze ergattert, dürfte für die Zukunft sehr gut gerüstet sein.

Juniorprofessur – Ohne Habilitation zum Professor?

Mit Juniorprofessur wird ein Amt für eine Lehrkörperstelle an einer deutschen Hochschule bezeichnet. Häufig wird auch der Begriff Assistenzprofessur in Anlehnung an die Nachbarländer Österreich und Schweiz verwendet, es gibt jedoch teilweise deutliche Unterschiede. Die deutsche Juniorprofessur bezeichnet eine Anstellung als Hochschullehrer. 2002 wurde sie mit der fünften Novelle des deutschen Hochschulrahmengesetzes eingeführt. Ziel dieser neu geschaffenen Stelle ist es, junge Wissenschaftler mit herausragenden Promotionen und wissenschaftlichen Leistungen entsprechend zu fördern und ihnen insbesondere von der bisher üblichen Habilitation unabhängige Forschungstätigkeiten und Lehre zu ermöglichen. Theoretisch soll mit Einführung dieser neuen Stelle die Qualifikation zur Erlangung einer regulären Professur möglich sein. In der Praxis wird es jedoch wohl eher so aussehen, dass sich Kandidaten während ihrer Juniorprofessur zusätzlich habilitieren.

 

Publikationen – Die Währung der Wissenschaft?

Während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit erhält man üblicherweise recht bald Gelegenheiten, erste Ergebnisse zu präsentieren. Zunächst bei Treffen innerhalb der eigenen Forschungsgruppe oder Universität, dann auch auf nationalen oder internationalen Kongressen. Gerade die ersten Vorträge vor großem Fachpublikum können ein erhebliches Stresspotential mit sich bringen, so dass eine gute Vorbereitung essentiell ist. Diese beginnt bei der peniblen Erstellung der Vortragsmedien, heutzutage üblicherweise Powerpoint-Präsentationen.
Es haben schon manch falsche Programmversionen, unzulänglich eingebundene Videos, komplexe Animationen etc. zu unnötigen „Katastrophen“ geführt. Um solche Fehler zu vermeiden, können die Vorträge meist in der Medienannahme des Kongressbüros vor Ort im Probelauf getestet werden. Empfehlenswert ist es auch, sich bereits frühzeitig mit der Atmosphäre im Plenum, den üblichen Anreden, dem Handling bei der Mikrophonübergabe etc. vertraut zu machen sowie frühzeitig vor der eigenen Präsentation anwesend zu sein. Alternativ können die eigenen Ergebnisse auf Kongressen auch als Poster dargestellt werden. Traditionell ist der „Wert“ eines Posters jedoch geringer anzusiedeln als der eines Vortrages. Allerdings können dank der heutigen Möglichkeiten, insbesondere durch die zunehmende Internetaufschaltung solcher Poster als „ePoster“, jedoch möglicherweise – auch dauerhaft - mehr Interessenten erreicht werden als durch einen Vortrag. In Zukunft könnte dies bezüglich der Wertigkeit ein Umdenken bedeuten.

Die wahre Währung, das Ziel eines jeden Wissenschaftlers und jeder Arbeitsgruppe, ist die Publikation der eigenen Ergebnisse in angesehenen Fachzeitschriften, also Journals mit möglichst hohem Impact Factor. Grundlage zur Berechnung des Journal Impact Factors (JIF) ist die Anzahl der publizierten Artikel in den letzten zwei vergangenen Jahren des jeweiligen Journals. Der JIF für das Jahr 2011 bezieht sich also auf die Anzahl der Artikel aus 2009 und 2010. Zusätzlich wird die Zahl der Zitationen im zugrunde liegenden Jahr (2011) dieser Artikel aus der Zweijahresspanne (2009+2010) berücksichtigt. Der Quotient aus Zahl der Zitationen und Zahl der Quellenartikel ergibt den JIF.

Beispiel: JIF(2011) = Zahl der Zitate (2011) / Zahl der Artikel (2009+2010)

Der JIF soll objektiv sein, aus verschiedenen Gründen ist dies jedoch sehr umstritten. Entsprechend sind weitere Indizes bekannt sind, denen häufig ähnliche Zitationsraten zugrunde liegen. Analog zu Vorträgen und Postern gilt es auch hier bei der geplanten Publikation in einem Journal, typischen Fehlern durch gute Vorbereitung aus dem Wege zu gehen. Das fängt bei der Berücksichtigung von Copyrightrechten etwaiger wieder verwendeter Grafiken und Abbildungen an und geht bis zur Festlegung der aufgelisteten Autoren und deren Reihenfolge. Hinsichtlich der Autorenanzahl kam es in den letzten Jahren zunehmend zu einem ausufernden, inflationären – teilweise gar grotesken – Gebrauch. In Anbetracht der Wichtigkeit für die wissenschaftliche Laufbahn scheint es nachvollziehbar, dass möglichst viele „Beteiligte“ Berücksichtigung finden wollen. Auf der anderen Seite kann es nicht sein, dass sich für einen einfachen Case-Report acht oder mehr Autoren verantwortlich zeichnen. Hier sollte man dann doch bedenken, dass die Nennung solcher Autorenscharen den Wert einer Arbeit gar reduzieren kann. So verwundert es nicht, dass Journals mehr und mehr dezidierte Auflistungen der erbrachten Leistungen der aufgelisteten Autoren verlangen.

Drittmittel – Am Ende geht es doch ums Geld!

Viele geraten bereits im Rahmen Ihrer ersten Anstellung mit Forschungsgeldern in Kontakt, denn solche Stellen sind nicht selten „drittmittelfinanziert“. Hinzu kommen häufig personenbezogene Forschungsstipendien. Zahlreiche Einrichtungen und Organisationen stehen hier zur Verfügung. Im Verlauf der wissenschaftlichen Karriere wird jedoch der Bereich „eingeworbene Drittmittel“ in der Beurteilung und Positionierung als Wissenschaftler zunehmend wichtiger. An so mancher Fakultät wird ein bestimmter Betrag bereits als Voraussetzung zur Habilitation angesehen. Zunehmend messen sich Forschungsgruppenleiter an diesen Zahlen. So werden Drittmittel neben den Publikationen als wichtiger Performanzindikator zur Bewertung von Forschungsleistungen herangezogen. Großes Geld fliesst insbesondere in hochrangige Projekte, deren Qualität an vorangehenden Publikationsleistungen der Arbeitsgruppen oder Einrichtungen gemessen wird. So dreht sich das Karussell!

Wissenschaft – Was ist das Ziel?

In Anbetracht der dargelegten Zusammenhänge von wissenschaftlicher Leistung in Abhängigkeit von Publikationen und Geld mag es nicht verwundern, dass manch einer die Wissenschaft als reines Karrieresprungbrett nutzt. Entsprechend wird Wissen produziert, das sich möglichst gut Publizieren lässt. In der Medizin lassen sich hier insbesondere in klinischen Nachkontrollen nahezu unversiegende Forschungsfelder abgrasen. Trotz des auch hier sicherlich nicht zu verkennenden provokativen Untertons handelt es sich um ein probates Mittel, denn ein anderer Weg mit dem Wunsch nach Verwirklichung eigener Ideen kann hart und steinig werden! Zu Beginn der wissenschaftlichen Karriere ist man üblicherweise nicht in der Position, eigene Ideen verwirklichen zu können. Erst im erfolgreichen Verlauf bildet sich ein eigenes Interessen- und Forschungsgebiet heraus, in dem man dann die Richtung mehr und mehr mitbestimmen darf. Kreativität, Neugier, Ideenentwicklung, Erfindergeist, Phantasie, Vision und Leidenschaft sind nur einige der Attribute, die einen Forscher antreiben.
Weiter
auf Seite

 

Die Webseite von MEDI-LEARN wird unterstützt von

     © MEDI-LEARN 1996-2017