Missverständnisse können folgenreich sein
Behandlung von Patienten aus fremden Kulturkreisen
MEDI-LEARN (Redaktion)
Auf rund 15 Millionen wird die Zahl derjenigen geschätzt, die sich als Ausländer im weitesten Sinne zurzeit in der Bundesrepublik aufhalten. Auch wenn sie in vielen Fällen schon Jahre oder Jahrzehnte hier leben, sind die meisten dieser Menschen stark von der eigenen Herkunftskultur geprägt worden. Und aus ganz unterschiedlichen Gründen beherrschen manche von ihnen kaum oder gar nicht die deutsche Sprache. Beides kann im Krankheitsfall das medizinische Personal vor große Probleme stellen, die schon bei der Anamnese-Erhebung beginnen und – sollte der Patient versterben – möglicherweise über dessen Tod hinaus reichen.
So erschweren unzureichende Deutschkenntnisse natürlich die Schilderung von Beschwerden und das Verstehen entsprechender Rückfragen. Mindestens ebenso komplex sind Mitteilungen über die aktuelle oder bisherige Medikation, Vorerkrankungen und gewesene Operationen. Ärzte stehen ihrerseits vor derselben Sprachbarriere bei der Erläuterung von Diagnosen, Therapie-Optionen und der Aufklärung ihrer ausländischen Patienten zu diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen. Missverständnisse sind unter solchen Umständen allemal wahrscheinlich und können extremstenfalls tödliche Folgen haben.
Davor schützt auch und gerade der in solchen Fällen häufig unternommene Versuch nicht, im Gespräch kurzerhand auf eine „Weltsprache“ wie Englisch, Französisch oder Spanisch auszuweichen. Wie gut die Beteiligten – einschließlich der Ärzte – diese wirklich beherrschen oder doch nur vage aus ihrer Schulzeit erinnern, lässt sich kaum verifizieren. Nicht unwahrscheinlich ist vielmehr, dass sich dann die Probleme mit der für alle fremden Sprache aufaddieren und Bedeutungsunsicherheiten noch schwerer einschätzbar werden.
Einverständniserklärungen, die unter solch fragwürdigen Umständen abgegeben wurden, sind rechtlich gesehen nichtig. Der Hinweis auf „Zeitgründe“ und dass damals gerade kein Übersetzer greifbar war, würde dir später nichts nützen. Wo immer möglich, sollten daher Muttersprachler die Kommunikation sicher stellen und erforderlichenfalls als Übersetzer einspringen. Im günstigsten Fall sind das Angehörige des Patienten, die durch das persönliche Verhältnis zu ihm vielleicht sogar ein wenig zwischen den Zeilen lesen können, falls es um heikle Themen gehen sollte. Allerdings besteht in solchen Fällen zugleich die Gefahr, dass sie beim Übersetzen dem Kranken etwas verschweigen, „um ihn zu schonen“.