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Wie war der Präpkurs?

Eike P.

Redaktion (MEDI-LEARN)

 

Der Präpkurs ist sicherlich DAS Highlight der vorklinischen Ausbildung: denn hier lernt der angehende Mediziner den Aufbau des menschlichen Körpers bis in das letzte Detail kennen. Wir waren neugierig, wie Studenten hierzulande den Präpkurs erlebt haben. Lies unsere Interviews, die dir einen Einblick in die Erfahrungswelt junger Mediziner liefern.

1. Kannst du dich noch an den Augenblick und die Szene erinnern, als du den Präp-Saal zum ersten Mal betreten hast? Wie sah das aus und was ging dabei in dir vor?

Ich saß als erste am Tisch, weil ich schon früher gekommen war, um nicht negativ aufzufallen. Und hatte so ein bisschen Zeit mich umzuschauen. Da waren zum einen die Dozenten in ihren weißen Kitteln (Oh, so richtige Ärzte) und dann dieser Keller... Die weißen Fliesen, das Neonlicht und die Stahltische... Da wurde mir schon ganz schön mulmig!

2. Hast du auch im Vorfeld vor dem ersten Termin des Präp-Kurses schon vermehrt an das "Erste Mal Präppen" gedacht? Habt ihr in der Vorlesung dieses Thema ausführlicher behandelt?

Wir hatten keine direkte Vorlesung dafür, aber uns wurde gesagt, wie wir uns zu kleiden hätten und welche Verantwortung da vor uns liegt. Uns wurde schon richtig ans Herz gelegt auch über die Angehörigen und die Weite dieser Entscheidung nachzudenken und das uns diese Umstände der Dauer der Präparation und dem Umgang mit den "Spendern" klar werden müssten. Nicht ganz einfach damit seelisch klar zu kommen.

3. Mit welchen Erwartungen bist du in den Präpkurs gegangen? Wurden Sie erfüllt oder eher enttäuscht?

Ich hatte keine direkten Vorstellungen, aber unser Dozent hat uns da ganz sanft rangeführt und jeden einzelnen Schritt durchgesprochen. Zuerst war es immer nur dieselbe Arbeit, aber bald wurde es auch ziemlich spannend! Allerdings ist es erstaunlich, wie schnell auch in dieser Arbeit Routine einkehrt. Da muss man sich doch das eigene Tun noch einmal vor Augen halten!

4. Was war in deinen Augen das absolute Highlight des Präp-Kurses, an das du dich noch heute erinnerst?

Ich empfand es immer als sehr wertvoll, wenn man sich vorher eingehend mit der kommenden Thematik beschäftigt hat. Dann ging einem immer regelrecht ein Licht auf, wenn man die gelernten Strukturen wiedererkannt hat und es richtig einordnen konnte. Zum Beispiel habe ich immer die Abgänge der Aorta im Bauch durcheinander geworfen, doch als ich den Truncus coeliacus und die Aa. mesentericae zum Ersten mal richtig gut präpariert sah, so waren auch die verschiedenen Innervationen (zum Beispiel von Magen und Pankreas) auf einmal klar.

5. Welches Themengebiet fandest du am schwierigsten zu lernen?

Am schwierigsten fiel mir immer die ganzen Abgänge der veschiedensten Gefäße zu lernen, ihre Versorgungsgebiete und auch die Nerven...Ganz schlimm!

6. Was hat dir beim Präppen am meisten Spaß gemacht?

Am Besten war immer, gemeinsam mit den anderen die Anatomie nicht nur zu sehen und zu lernen, sondern zu verstehen! Da war man immer ganz stolz auf sich, wenn man die Zusammenhänge erkannt hatte.

7. Und im Gegenzug: was fandest du beim Präp-Kurs am unangenehmsten?

Am unangenehmsten war immer nicht zu wissen, was man da eigentlich macht und noch unbequeme Fragen zu seinem Präparationsgebiet zu erklären. Da hat man sich ganz schnell drangesetzt und gelernt.

8. Wie häufig und wie lang fand der Präpkurs statt?

Wir hatten zwei mal die Woche Präpkurs für je 2,5 Stunden, wenn ich mich richtig erinnere.

9. Konnten am Präp-Nachmittag alle gleichzeitig und im Team präparieren oder ging das abwechselnd?

Eigentlich sollten immer alle präparieren. Das wurde vorher koordiniert. Aber wenn drei Leute dieselbe Stelle bearbeiten, dann setzt eigentlich immer einer aus, sei es wegen Platz- oder Motivationsmangels :)

10. In welcher Form und Häufigkeit mussten Testate und Prüfungen absolviert werden?

Eigentlich hatten wir alle fünf Wochen Testate. Das fanden wir eigentlich ganz gut, da man immer ein überschaubares und zusammenhängendes Wissensgebiet vor sich hatte. Aber da die Testate immer mündlich waren und man alles zeigen und auch alles wissen musste, war es total aufregend und auch aufreibend. Am effektivsten war da alles mündlich in einer Lerngruppe vorher durchzusprechen und sich zu überlegen "was würde ich denn jetzt fragen?".

11. Der Umgang mit Leichen ist sicher für einen Anfänger nicht leicht. Hattest du hier auch im weiteren Verlauf noch Probleme oder hast du dich einfach dran gewöhnt?

Man hat sich wirklich unglaublich schnell daran gewöhnt. Zumal unsere Präparate ja irgendwie zu uns gehörten. Sie repräsentierten unser Wissen und veränderten sich sozusagen mit uns immer Stück für Stück. Von Zeit zu Zeit musste man aber daran erinnert werden, was man da eigentlich tut. Einige kamen mit der Verantwortung auch nicht so gut klar und waren beim Präparieren immer ganz nachdenklich und in sich gekehrt. Andere wiederum kannten kein Überlegen und stürzten sich einfach in die Arbeit. Das war ganz unterschiedlich.

12. Wurde über die Herkunft der Personen und den nötigen Ablauf, sich der Lehre und Wissenschaft z.B. für den Anatomie-Kurs zur Verfügung zu stellen, gesprochen?

Wir wurden über alle Schritte des Ablaufs zur Verfügungsstellung unserer Personen informiert und hatten eine gute Vorstellung des ganzen Prozesses. Allerdings fiel es uns schwer von Ihnen als "Präparate" oder "Freiwillige" zu sprechen und deswegen erhielten sie von uns Namen.

13. Gab es nach dem Ende des Präp-Kurses eine Art Trauerfeier, an der auch die Präp-Kurs-Studenten teilnehmen konnten? Falls ja: was ging dabei in dir vor, woran hast du gedacht und welche Bilder stiegen in deinem Innern auf?

Wir hatten natürlich eine Trauerfeier, an der sogar ein Großteil meiner Seminargruppe teilnahm, weil auch uns die letzte Ruhe dieser Personen wichtig war. Immerhin hatten wir mit ihnen ein ganzes Jahr "zusammengearbeitet". Es konnten alle Studenten, die es wollten, an dieser Trauerfeier teilnehmen, in der wir die Ruhestätte mit unserem Institutsdirektor besuchten. Einige hatten Blumen dabei und wir stellten Gedenkkerzen auf. Unser Direktor hielt eine Rede und erinnerte noch einmal daran, das diese Leute ein Leben vor unserem Kurs hatten und da ging jeder seinen Gedanken nach, wie dieses wohl ausgesehen hätte und das es eine starke Entscheidung gewesen sei, sich zur Verfügung zu stellen und wie es den Angehörigen und Familien dabei ginge.

14. Würdest du gerne den Präp-Kurs noch einmal absolvieren (weil es so großen Spaß machte und interessant war) oder bist du der Ansicht "Einmal genügt".

Ich denke, dass richtiges Präparieren viel Vorbereitung und auch viel Arbeit und Zeit bedeutet. Ich fand es wirklich wichtig und natürlich auch interessant, aber hauptsächlich war es der einzig richtige Weg den menschlichen Körper wirklich kennenzulernen! Ich bin total froh, das wir an meiner Universität die Möglichkeit zum Selbststudium haben und auch einen sogenannten "Topographie-Kurs" im 2. Studienjahr absolvieren, in dem wir unser Wissen noch einmal prüfen können und noch einmal alle Themen durchgehen. Das ist die perfekte Vorbereitung aufs Physikum!

15. Welche Tipps würdest du Studenten geben, die den Präp-Kurs noch vor sich haben?

Das wichtigste ist die sorgfältige Vorbereitung! Und nicht nur stupide auswendig lernen, sonder viele Bilder angucken und den Atlas benutzen (ganz wichtig)! Immer aufmerksam und vorsichtig sein und bei Fragen den Dozenten fragen!

unser Tipp

3B

Das 3B Scientific Anatomie-Special

Dieser Artikel ist Teil des redaktionellen Specials zum Thema Anatomie, das wir dir mit freundlicher Unterstützung von 3B Scientific, dem renommierten Hersteller anatomischer Modelle, präsentieren können.