teaser bild

Benutzername:

Passwort:

Jetzt registrieren

Passwort futsch!?

;-)

Wie war der Präpkurs?

Interviews mit Medizinern

Redaktion (MEDI-LEARN)

 

Der Präpkurs ist sicherlich DAS Highlight der vorklinischen Ausbildung: denn hier lernt der angehende Mediziner den Aufbau des menschlichen Körpers bis in das letzte Detail kennen. Wir waren neugierig, wie Studenten hierzulande den Präpkurs erlebt haben. Lies unsere Interviews, die dir einen Einblick in die Erfahrungswelt junger Mediziner liefern.

1. Kannst du dich noch an den Augenblick und die Szene erinnern, als du den Präp-Saal zum ersten Mal betreten hast? Wie sah das aus und was ging dabei in dir vor?

Ich war aufgeregt, der Saal war "kalt", alles gefliest, irgendwie unheimlich. Man hatte uns vorher gezeigt, dass vor der Tür draußen eine "Liege" steht, falls jemand mit dem Kreislauf Schwierigkeiten bekommen sollte, aber diese Blöße wollte sich keiner und ich mir auch nicht geben.

2. Hast du auch im Vorfeld vor dem ersten Termin des Präp-Kurses schon vermehrt an das "Erste Mal Präppen" gedacht? Habt ihr in der Vorlesung dieses Thema ausführlicher behandelt?

Klar habe ich darüber nachgedacht, aber ich habe mich nicht drauf gefreut, sondern es als "notwendiges Übel" betrachtet. In der Vorlesung wurde immer wieder erzählt, wie normal und in Ordnung und notwendig das Präppen sei, aber wir sollten den Verstorbenen auch mit Ehrfurcht und Dankbarkeit begegnen.

3. Mit welchen Erwartungen bist du in den Präpkurs gegangen? Wurden Sie erfüllt oder eher enttäuscht?

Erwartet habe ich, dass die Anatomie etwas einleuchtender wird wenn man alles mal "in der Hand" gehabt hat, und das hat sich auch erfüllt. Was sich nicht erfüllt hat war der Wunsch, "operieren" zu lernen, Schnittführung etc. Durch 14 Leute gleichzeitig an einem Tisch und dann noch 2 parallele Gruppen, da ist es einfach nicht möglich oder die andere Gruppe hat die Schnitte schon gemacht.

4. Was war in deinen Augen das absolute Highlight des Präp-Kurses, an das du dich noch heute erinnerst?

Die Todesursache unseres Patienten zu entdecken: eine massive Herzbeuteltamponade. Das hat auch alle Dozenten im Saal beeindruckt, das war nicht alltäglich.

5. Welches Themengebiet fandest du am schwierigsten zu lernen?

Die vielen Gefäßabgänge und die komplette Muskulatur mit Ansatz, Ursprung, usw., es gibt soooo viele kleine Muskeln irgendwo.

6. Was hat dir beim Präppen am meisten Spaß gemacht?

Die Beurteilung der entnommenen Organe, mal eine Lunge in der Hand zu haben, das Herz hin und her zu drehen und den Verlauf des Blutes darzustellen.

7. Und im Gegenzug: Was fandest du beim Präp-Kurs am unangenehmsten?

Die vorsichtige Präparation der Haut und die Unmenge von Fettgewebe, die irgendwo hin tropfte. Und die Prüfung am Ende des Kurses, wenn die Organe irgendwie nicht mehr ganz so frisch sind und die Farbe einheitlich ist.

8. Wie häufig und wie lang fand der Präpkurs statt?

nur über 1 Semester leider, 3 mal die Woche 3 Stunden

9. Konnten am Präp-Nachmittag alle gleichzeitig und im Team präparieren oder ging das abwechselnd?

alle gleichzeitig

10. In welcher Form und Häufigkeit mussten Testate und Prüfungen absolviert werden?

Drei einzelne Prüfungen mit Zeigen und Erklären: Bewegungsapparat, Situs und Kopf / Hals. Allerdings hatten wir das Gehirn nicht seziert sondern nur Schnitte im Kurs betrachtet.

11. Der Umgang mit Leichen ist sicher für einen Anfänger nicht leicht. Hattest du hier auch im weiteren Verlauf noch Probleme oder hast du dich einfach dran gewöhnt?

Ich habe mich im Lauf der Zeit daran gewöhnt. Wir hatten unserem Patienten auch einen Namen gegeben und so über ihn gesprochen. Irgendwann denkt an nicht mehr daran, dass "der Körper" ein normaler Mensch war und eine Geschichte hatte und Familie, er ist einfach Objekt, das bearbeitet und untersucht werden soll und muss.

12. Wurde über die Herkunft der Personen und den nötigen Ablauf, sich der Lehre und Wissenschaft z.B. für den Anatomie-Kurs zur Verfügung zu stellen, gesprochen?

Klar, das hat uns Studenten ja interessiert. Auch dass die Anzahl der Körperspenden zurückgegangen ist, weil jetzt nicht mehr die Beerdigungskosten übernommen werden.

13. Gab es nach dem Ende des Präp-Kurses eine Art Trauerfeier, an der auch die Präp-Kurs-Studenten teilnehmen konnten? Falls ja: was ging dabei in dir vor, woran hast du gedacht und welche Bilder stiegen in deinem Innern auf?

Ja, gab es, und die Mediziner haben sogar einen Chor gebildet, und an mehreren Terminen Lieder eingeübt. Es war ganz schön, betont wurde die Dankbarkeit und Wichtigkeit der Spenden, und den Nutzen und Gewinn, den wir Studenten dadurch haben. ich habe mich gefühlt wie bei einer Trauerfeier für einen Verstorbenen Bekannten, der mir aber nicht sehr nahe stand und auch nicht besonders fehlen wird.

14. Würdest du gerne den Präp-Kurs noch einmal absolvieren (weil es so großen Spaß machte und interessant war) oder bist du der Ansicht "Einmal genügt".

Einmal genügt mir völlig! Aber ich würde es ein bisschen anders angehen, wenn ich noch mal dürfte / müsste. Später im Studium merkt man halt, worauf man hätte achten sollen oder was man wie hätte lernen sollen.

15. Welche Tipps würdest du Studenten geben, die den Präp-Kurs noch vor sich haben?

Irgendwie versuchen raus zu finden, warum man dies oder jenes für später brauchen könnte, und sich nicht von der Fülle des Stoffes erschlagen lassen. Man hat eine ganze Menge sowieso schnell wieder vergessen.

unser Tipp

3B

Das 3B Scientific Anatomie-Special

Dieser Artikel ist Teil des redaktionellen Specials zum Thema Anatomie, das wir dir mit freundlicher Unterstützung von 3B Scientific, dem renommierten Hersteller anatomischer Modelle, präsentieren können.