Nadeln in Brasilien
Das SEIRIN® Akupunktur-Special
Melanie Schuster
Akupunktur in Brasilien!? Copacabana, Zuckerhut und Karneval - beim Gedanken an Brasilien ist Akupunktur vielleicht nicht das erste was einem in den Sinn kommt. Doch nach Durchlesen der Beschreibung eines Research Exchange Projekts auf der bvmd homepage für Akupunktur in Brasilien stand für mich fest - das muss es sein!
Bewerbung
Da ich mich sowohl für Brasilien als auch für Akupunktur begeistere bewarb ich mich im März 2006 beim bvmd Austausch für einen Platz beim Research Exchange. Im Vergleich zum großen Bruder, der Professional Exchange (Famulantenaustausch) hat man beim Research Exchange noch wenige Monate vor dem gewünschten Beginn die Chance auf einen Platz im Ausland. Des weiteren können sich sowohl Vorkliniker als auch Kliniker bewerben. Aus der enorm großen Datenbank an interessanten Projekten muss man sich für drei unterschiedliche Projekte entscheiden und mit etwas Glück kann man in das gewünschte Land zum präferierten Projekt.
Vorbereitung
So war es auch bei mir als ich bereits wenige Wochen nach meiner Bewerbung eine Zusage aus Brasilien bekam. Da ich früh den Bescheid bekam konnte ich den Flug nach Brasilien bereits Mitte April buchen wodurch ich noch einen „relativ“ billigen Flug für 800 Euro bekam. Meine Koordinatorin vor Ort, Julia, ebenfalls Studentin, kontaktierte mich vor dem Abflug um meine genauen Ankunftsdaten zu erhalten.
Mit meinen Fragen konnte ich mich ebenfalls an sie wenden. Vorbereitende Impfungen waren nur die Gelbfieberprophylaxe und Hepatitis A und B. Da Malaria im Bundesstaat Sao Paolo nicht verbreitet ist war in der Hinsicht keine Gefahr gegeben. Sprachlich gesehen ist es hilfreich einen Portugiesisch oder Spanisch Kurs zu machen da vor allem die Patienten in den wenigsten Fällen Englisch sprechen.
Vor Ort
Am Flughafen holte mich Julia ab und brachte mich zu meinen „Hosts“- zwei Medizinstudenten, Roani und Jackson, die ihr freies WG-Zimmer gerne Austauschstudenten zur Verfügung stellten. Unterkunft und Verpflegung ist beim bvmd Research Exchange mit enthalten. Die beiden Jungs waren vom ersten Moment an super freundlich wenn auch teilweise etwas chaotisch. Doch trotz nächtlicher Fußballspiele und Gesangseinlagen in der Wohnung fühlte ich mich dort sehr wohl.
Die Akupunktur
Roani, bei dem ich wohnte brachte mich am ersten Tag in die Akupunktur- Ambulanz. Sie bestand aus drei kleinen Räumen mit 8 Liegen die von verschiebbaren Trennwänden in Frauen und Männerbereich unterteilt waren. Die vier Residents (Assistenzärzte) und die beiden Oberärzte empfingen mich mit ihrer warmen brasilianischen Art sehr herzlich. Nach einer kurzen Einführung kamen um halb neun die ersten Patienten. Die Diagnosen waren weitreichend- von Gelenkschmerzen über Migräne bis hin zu Tumorschmerzen.
Die ersten Tage durfte ich den Assistenzärzten bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und nach einiger Zeit unter Anleitung selber Nadeln setzen. Mittwochs und freitags fanden Weiterbildungsseminare für die Assistenzärztinnen statt an denen ich teilnehmen konnte. Diese Seminare beinhalteten neben der klassischen Lehre der Akupunktur auch das Betrachten der Akupunkturpunkte im Sektionssaal und Tai Chi Kurse. Allzu anstrengend war der Klinikalltag jedoch nicht. Mittags hatte man oft frei und konnte im Fakultätseigenen Pool direkt hinter der Klinik baden gehen.
Die Freizeit
Außer mir waren noch drei weitere Austauschstudenten an der Klinik, zwei Israelis und eine Slowenin. An den Wochenenden und abends unternahmen wir viel zusammen. So fuhren wir an einem verlängerten Wochenende nach Bonito (16h Busfahrt!) ein wunderschöner Ort mit glasklaren Bächen und Höhlen zum Schnorcheln und Baden. Die Brasilianer waren auch sehr um uns bemüht- von kleinen Sambasessions über bis spät in die Nacht reichenden Partys war immer was geboten! Unter der Woche ging ich mit Raoni ins Karate oder schaute mir mit Jackson Fußballspiele des SPFC (Club von Sao Paolo) an.
Das Fazit
Vom medizinischen her habe ich viel über Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin gelernt. Darüber hinaus hatte ich eine Menge Spaß und habe viele nette Leute kennen gelernt. Brasilien ist ein wunderschönes Land mit noch freundlicheren Menschen, daher kann ich nur wiedergeben was die slowenische Austauschstudentin gesagt hat- It’s hard not to have fun in Brazil!