Du würdest gerne Medizin studieren – aber beim Gedanken an Blut wird dir schlecht. Bist du dann überhaupt für das Medizinstudium geeignet? Die Meinungen hierüber gehen auseinander, wie auch Diskussionen im MEDI-LEARN Forum zeigen. Am Medizinstudium Interessierte fragen sich, ob sie trotz einer gewissen Scheu vor Blut für den medizinischen Bereich geeignet sind.
Einige Forennutzer schütteln den Kopf. Wer schon beim Gedanken an Blut Schwierigkeiten hat, für den sei dieses Studium nichts. Anatomie-Kurs, Blutabnahmen, Assistieren im OP ist nur von den Hartgesottenen zu bewältigen. Moment, sagen andere, man muss es ja nicht gleich übertreiben. Der Mensch gewöhnt sich an alles, auch an den Anblick von Blut, wissen viele Nutzer. Die Angst davor sollte niemanden abhalten, Medizin zu studieren. Und auch wenn dich der Gedanke an Blut stört, bist du sicher, dass dir auch der konkrete Umgang damit schwer fallen würde? Es sind schließlich zwei verschiedene Paar Schuhe, ob du beim Blutabnehmen nicht zusehen kannst oder ob du es nicht fertig bringst, einer anderen Person Blut abzunehmen.
Eine erste Möglichkeit, diese Frage für dich zu klären, bietet ein Praktikum im Krankenhaus. Zwar wirst du da nicht gleich Blut abnehmen, aber wahrscheinlich schon einmal Blutzucker messen dürfen. Da ist nur wenig Blut im Spiel, und gerade deswegen ist es eine eher wenig spektakuläre Annäherung. Möglicherweise ergibt sich im Laufe eines Krankenhaus-Praktikums dann die Gelegenheit, bei verschiedenen Untersuchungen und Eingriffen zuzuschauen. Natürlich ist die Aufregung vorher hoch. Doch wenn es dann losgeht und der Arzt dir erklärt, was zu sehen ist, dann überwiegen die Neugier und das Interesse. Kein Gedanke mehr daran, dass dir gleich schlecht werden könnte. Das ist übrigens ein Tipp, der auch im Forum immer wieder gegeben wird: Entspann dich! So beugst du am ehesten einer plötzlichen Befindensänderung vor. Je weniger du dich gedanklich mit der Gefahr einer Ohnmacht auseinandersetzt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie eintritt. Manch ein Forennutzer berichtete, dass erst die hundertste Nachfrage des Arztes dazu führte, dass die entsprechende Reaktion auftrat.
Solltest du bereits während eines Praktikums in einen OP hineinschnuppern oder sogar bei einer Operation dabei sein dürfen, geben die Forenteilnehmer dafür jede Menge nützliche Tipps: Sorge dafür, dass du vor einem solchen Einsatz ausreichend isst und trinkst. Auch Ärzte, die bereits unzählige Male im OP standen, sind schon ohnmächtig geworden, weil sie zu wenig getrunken hatten. Es ist keine Schande, wenn dir so etwas passiert. Falls du spürst, dass dir schwindelig wird, haben die Schwestern und Ärzte Verständnis dafür, wenn du den OP verlässt. Das ist besser, als zu beweisen, was für ein Held du bist, und dann durch eine Ohnmacht die Arbeit der anderen zu behindern. Selbst wenn du bei deiner ersten Anwesenheit im OP nicht durchhältst oder umkippst, bedeutet das nicht automatisch, dass du für den Arztberuf ungeeignet bist. Die Umstände im OP sind tatsächlich gewöhnungsbedürftig. Fremde Gerüche, die körperliche Arbeit (wenn man zum Beispiel einen Haken halten darf), die Hitze und dazu die Maske vor der Nase – das sind schon eine Menge neue Dinge auf einmal. Also, bleib einfach ruhig und gib dir Zeit.
Bleibt noch die Frage nach dem berühmt-berüchtigten Präpkurs. Dort geht es zwar wenig blutig zu, aber ungewohnt und bedrohlich kann der Gedanke daran dennoch wirken. Auch hier gilt: Ruhe bewahren. Du bist nicht der einzige Student, der sich zu Beginn des Kurses Sorgen macht, dass ausgerechnet er es ist, der umkippt. Die Situation zu Beginn des Präpkurses ist genauso ungewohnt wie später diejenige im OP: fremde Gerüche (Formalin) und die Ungewissheit, was passieren wird. An vielen Unis wird in den Kursen aber behutsam an die ungewohnte Arbeit herangegangen. Und wenn erst einmal die erste Scheu überwunden ist und fleißig präpariert, dann fehlt die Zeit zum Sorgen machen. Schneller als du denkst gewöhnst du dich an die Situation und kannst dann über deine vorherigen Ängste schmunzeln.
Noch einmal kurz zusammengefasst: Beim Anblick von Blut ein mulmiges Gefühl zu bekommen und ängstlich zu sein, sollte niemanden daran hindern, Medizin zu studieren. Ein Praktikum im Krankenhaus kann dir helfen, Unsicherheiten abzubauen und zu schauen, ob der Umgang mit Blut nicht doch (nur) eine Sache der Gewohnheit ist. Wenn du im OP mit dabei sein darfst, bleibe ruhig und mache dir nicht allzu viele Gedanken über eine mögliche Ohnmacht. Achte darauf, ausreichend zu essen und zu trinken. Sollte dir doch schlecht werden, signalisiere dies und verlasse den OP. Verzweifle nicht daran, sondern sage dir, dass es beim nächsten Mal einfacher wird. Du wirst sehen, dass mit einer entspannten Grundhaltung und einer gewissen Gewöhnung der Gedanke Blut dir bald keine Schwierigkeiten mehr bereitet.