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Damit aus der Ausgangseuphorie kein Burnout wird

Kleiner Wegweiser durch das Gefühlschaos zu Beginn

MEDI-LEARN (Redaktion)

Vorsicht vor Burnout

Der endgültige Schritt vom Studenten- ins Berufsleben ist bei Jungmedizinern mit ganz unterschiedlichen Gefühlen verbunden. Einerseits wird er während langer Semester, Famulatur-Tertialen und dem PJ von vielen regelrecht herbeigesehnt. Doch gibt es wie bei den meisten großen Veränderungen im Leben zugleich auch manche Unsicherheit: Wie werde ich zurechtkommen mit meiner neuen Rolle, mit Patienten, Kollegen und Vorgesetzten? Famulatur und PJ waren sicherlich kein „Ponyhof“, aber doch ein vergleichsweise behüteter Zustand. Zumindest im Prinzip fanden da alle Aktivitäten unter Aufsicht und quasi mit beschränkter Haftung statt. Für eigenes Tun und Lassen warst du bisher nur in sehr eingeschränkter Weise verantwortlich.

Eben das soll nun plötzlich ganz anders sein. Du bist selbst der „Doktor“ und als solcher ständig mit den Erwartungen deiner Mitmenschen konfrontiert: Schwestern und Pfleger wollen schnelle Entscheidungen, deine Patienten klare Worte über ihren Zustand, sofortige Linderung ihrer Beschwerden und baldige Heilung oder zumindest Entlassung. Ober- und Chefärzte erwarten eine reibungslos funktionierende Station bei minimierten Kosten, die trotzdem gerne noch weiter gesenkt werden dürften. Und nicht zuletzt hoffen deine Kollegen, dass du einen großen Teil der anfallenden Arbeit erledigst, ungeliebte Dienste übernimmst und um Himmels Willen nie auch nur einen Tag Urlaub nimmst.

unser Tipp

Gerade in stressigen Anfängerzeiten ist es wichtig, einen guten Ausgleich zu haben. Verabrede Dich trotz 60h-Wochen mit Freunden, treibe Sport oder gönne Dir einen Saunaabend. Dein Leben gehört Dir und nicht der Klinik!

Da gilt es zunächst einmal schlicht die Nerven zu behalten und deine eigenen physischen und psychischen Grenzen nicht aus dem Blick zu verlieren. Gerade dann, wenn andere mal – möglicherweise unbeabsichtigt – zu viel von dir erwarten, solltest du selbst es nicht noch zusätzlich tun. Vieles im Arztberuf hat mit Erfahrung zu tun, und folglich ist es gut und richtig, dass du nach und nach mit deinen Aufgaben wächst. Lass dich von alledem nicht entmutigen, und sprich gegebenenfalls rechtzeitig mit älteren Assistenzärzten oder einem Oberarzt deines Vertrauens über solche Gefühle.

Unsicherheiten aller Art sind in den ersten Wochen und Monaten nämlich völlig normal – aus den genannten Gründen sind es beim medizinischen Personal leider auch Müdigkeit bis hin zur Erschöpfung und Zweifel an der eigenen Berufswahl. Dasselbe gilt für die wohl typisch deutsche Erscheinung, dass positive Rückmeldungen am Arbeitsplatz nur selten zu hören sind, man mit Kritik bei Pannen oder Beschwerden hingegen nicht spart. Dementsprechend wird Respekt vielerorts den Mitarbeitern nicht per se als Mensch entgegengebracht, sondern muss von ihnen erst „verdient“ werden.

Eine naheliegende Erklärung für diese das Arbeitsklima stark beeinträchtigenden Phänomene ist die nach wie vor äußerst steile Hierarchie in den meisten deutschen Kliniken. Dir sollte immer bewusst sein: Sie haben nichts mit deiner Person oder deinen Leistungen zu tun, und es gibt keinen Grund, dass du dir die mangelnde soziale Kompetenz anderer zu Herzen nehmen solltest. Vielmehr hast du von nun an als Klinikarzt die Chance, wenn nötig auf deiner Station durch eigene Herzlichkeit an einer Verbesserung der Atmosphäre mitzuwirken.