teaser bild

Benutzername:

Passwort:

Jetzt registrieren

Passwort futsch!?

;-)

Minister-Vorschlag stößt auf wenig Gegenliebe

Studienplatz durch Selbstverpflichtung zur Arbeit als Landarzt

MEDI-LEARN Redaktion

Ab aufs Land

Auf den ersten Blick klang es nach einem attraktiven Angebot: Wer sich verpflichtet, nach der Ausbildung ein paar Jahre in Deutschland als Landarzt tätig zu sein, solle schneller zu seinem Humanmedizin-Studienplatz kommen, hatte der frühere Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler vorgeschlagen. Die Begeisterung der Zielgruppe − Bewerber mit wartezeitverdächtiger Abiturnote − hielt sich allerdings in Grenzen. Im MEDI-LEARN-Forum waren zu diesem Thema ganz überwiegend kritische Stimmen zu hören.

Kaum ein Abiturient könne doch beurteilen, was so eine Verpflichtung später konkret bedeutet, nämlich eine im Durchschnitt immer ältere Landbevölkerung zu versorgen. Und was geschehe denn eigentlich mit denen, die sich zwischendurch dann doch für ein Leben in der Stadt oder im Ausland entscheiden? Ein schon fast sittenwidriges Lockangebot sei das, und letztlich „totaler Blödsinn“, weil ohnehin nicht viele Jungmediziner darauf hereinfallen würden.
Mehr Landärzte werde es erst geben, wenn diese für ihre Arbeit mehr Geld bekommen. Bisher riskiere man als Mediziner in dörflicher Umgebung aber vor allem den Bankrott oder sogar Schulden, wenn man aus moralischen Gründen über die Grenzen seines Budgets hinaus behandelt. Nach den jetzigen Regelungen müsse der behandelnde Arzt ab einer gewissen Patientenzahl betriebswirtschaftlich betrachtet sogar draufzahlen. Der Rösler-Vorschlag sei deshalb ein Fall von blindem Aktionismus, dem die innere Logik fehle, meint ein Diskussionsteilnehmer.

Neben der finanziellen Unsicherheit schreckt die Arbeitsbelastung viele Studenten und Bewerber von einem Leben und Arbeiten auf dem Lande ab: Da könnten doch an allen Wochentagen rund um die Uhr Patienten an der Haustür klingeln, argwöhnt ein Forennutzer. Es sei in dieser Hinsicht wohl günstiger, sich die Arbeitszeiten in einer Gemeinschaftspraxis zu teilen oder in einem Versorgungszentrum zu arbeiten. Allerdings würden immer auch zusätzlich Hausbesuche zu machen und Altenheime zu betreuen sein. Ob man sich als einziger Mediziner weit und breit denn in seinem Wohnort überhaupt noch frei bewegen könne, wurde gefragt.

Ja, das könne man durchaus, meldet sich ein praktizierender Landarzt zu Wort. Er ist seit vielen Jahren der Einzige im Dorf und genießt den „Promi-Status“, seit er sich den Respekt der Bevölkerung erarbeitet hatte. Wer ihn am Wochenende doch mal stört, der tue das nicht leichtfertig, sondern kann wirklich nicht bis Montag warten. Und viele Hausbesuche würden längst vom ambulanten Pflegedienst übernommen. Wenn das nicht möglich ist, dann führt sie ein „diensthabender“ Arzt durch. Derartige Strukturen seien im ländlichen Raum heutzutage der Normalfall.

Der gelegentlichen Arbeit am Wochenende gegenüber steht die weit gefächerte Breite der Behandlungsfälle und die persönliche, gewachsene Verbindung zu den Patienten. Einige von ihnen zählen seit ihrer Kindheit oder schon in der zweiten Generation zu seinen Patienten. Das sei für ihn viel interessanter als „die Anonymität einer superspezialisierten Facharzt-Praxis oder Klinik“ und fordere ihn bei jeder Behandlung. Gelegentlich werde er für seine inzwischen lange zurückliegende Entscheidung, der Stadt den Rücken zu kehren, sogar mit einer Gans zu Weihnachten oder einem selbst gebackenen Kuchen belohnt.