Anästhesie in Norwegen
Bodoe, Nordlandsentralsykehus - Maerz / April 2002
Florian Schröck
1. Die Klinik
Das NSS ist ein Krankenhaus mit praktisch allen Abteilungen zur zentralen Versorgung des "Fylkes" (vergleichbar mit Bundesland) Nordland. Es ist Lehrkrankenhaus der Universität Tromsø. Die OPs und die Intensivstation befinden sich im 8. Stock eines Hochhauses, des höchsten Gebäudes der Stadt, mit einer phantastischen Aussicht auf Hafen, Fjord und Berge.
Der OP-Trakt beinhaltet 10 OPs der Abteilungen Chirurgie (Thorax-, plastische, Gefäß-, Visceral-, Allgemeinchirurgie), Urologie, Gynäkologie, Orthopädie, HNO und MKG; die Intensivstation hat sechs eigentliche Intensivbetten und ca. 20 postoperative Überwachungsbetten. Außerdem werden von der Anästhesie eine Tageschirurgie und die zahnärztliche Klinik betreut; bei Bedarf werden z.B. auch Narkosen im MR zur Untersuchung von Kindern durchgeführt.
Darüber hinaus übernimmt die Anästhesie den Notarztdienst für die Rettungswägen, für 2 SAR Helikopter vom Typ Sea King und für die Flugambulanz (zum Transfer von Patienten von peripheren Krankenhäusern ins Zentrum). Weitere Infos zum Krankenhaus gibt es unter http://www.nss.nl.no.
In der Anästhesie arbeiten ca. 15 Ärzte, wovon etwa die Hälfte(!) Assistenzärzte sind. Aus deutscher Sicht erstaunlich ist, dass die normalen Intubationsnarkosen (ja sogar nasale Intubationen und Crash-Intubationen) von spezialisierten Anästhesiepflegern durchgeführt werden. Die Ärzte sind hierbei lediglich jederzeit im zentralen Anästhesieraum erreichbar. Die eigentliche Arbeit der Anästhesieärzte besteht daher hauptsächlich aus Beratung der Spezialpfleger bei auftretenden Problemen und aus der Regionalanästhesie.
Der Arbeitstag
Von 07.30 - 8.00 Uhr war Frühbesprechung mit Übergabe der Intensivpatienten und Besprechung der Problempatienten des kommenden Operationstags, sowie Einteilung der Ärzte auf OP, Intensiv, und andere Abteilungen. Ich war meist im OP. Auffallend war hier als erstes das lockere Verhältnis zwischen Ärzten, Pflegern und Patienten: Jeder wird geduzt und mit dem Vornamen angesprochen. An praktischen Tätigkeiten konnte ich leider nicht so viele selbst durchführen, da erstens "Studenten" der Spezialpfleger da waren, die in erster Linie intubieren und Zugänge legen, sowie die normalen Narkosen durchführen lernen wollten (also genau das, was ich auch machen wollte) und zweitens wegen der Osterfeiertage die Aktivitäten insgesamt ca. zwei Wochen recht reduziert waren. Dafür bestand aber die Möglichkeit, Narkosen in praktisch allen Fachbereichen zu sehen und Einblick in die entsprechenden anästhesiologischen Probleme zu gewinnen. Da ich in meiner Zeiteinteilung völlig frei war, konnte ich jederzeit auf die Intensivstation wechseln, wenn im OP wenig los war. Dort bestand zwar auch nur wenig Möglichkeit, selbst Hand anzulegen, es war aber interessant, sich ausgiebig mit der Epikrise und Therapie der dortigen Patienten zu beschäftigen. Wenn Zeit war (was deutlich öfter als in Deutschland der Fall war!), waren auch alle Ärzte gerne bereit, Fragen auf deutsch oder englisch zu beantworten, da ich, zumindest in den ersten zwei Wochen, noch nicht gut mit dem Norwegischen zurecht kam. Um 15.00 Uhr war dann wieder Dienstübergabe und, bis auf Donnerstag wo noch Fortbildung war, war um 15.30 Uhr pünktlich Dienstschluss. Eine interessante Erfahrung!