Dort durfte ich Patienten aufnehmen, Thoraxdrainagen legen, ZVK’s stecken, natürlich auch nähen und sogar einmal die direkte Herzmassage machen während wir in das OP geschoben wurden (nach einer emerg. Thorakotomie bei Arterienabriss und hypovolämischem Schock). Hier lernte man besonders viel, deshalb machte ich fast jeden 3. Tag Nachtdienst. Wenn nichts los war, gab es ein Zimmer wo man ruhig schlafen konnte. Während meiner Zeit mit den Anästhesisten habe ich auch sehr viel gelernt. Intubation war sowieso unsere Sache. Den Rest durfte ich auch meistens komplett selbst machen (unter Aufsicht, natürlich). Und die meisten Kollegen brachten es einem wirklich nett bei, erklärten tausend Sachen ohne daß ich sie darum bitten mußte. Jeden Tag gab es ein Seminar für Studenten, der auch sehr hilfreich war. In Trauma/General Surgery wurde viel Wert auf „bedside teaching“ gelegt. Man mußte viel nebenbei lernen. Während der Visite wurde man mit Fragen „gelöchert“, ein vielleicht oder wahrscheinlich in der Antwort durfte es nicht geben.
Als Student in den USA musst Du tough sein
Und man muß als Student auch richtig „tough“ sein und feste Anpacken. Um 7. Uhr waren die Trauma Rounds. Davor mußte man alle seine Patienten (die man Aufgenommen hatte) schon visitieren, sie kurz untersuchen, die Befunde aussuchen und den Verlauf schreiben. Da mußte man schon um 6 Uhr damit anfangen. Nach den Rounds ging es dann entweder in die Outpatient-Clinic oder in das OP. In der Outpatient-Clinic durfte man die Patienten mituntersuchen, im OP Hacken, Kamera und Nähen.
Aber es gab auch Ausnahmen: Einmal durfte ich komplett selbst eine offene Cholezystektomie durchführen!! Und was noch ganz hilfreich war: ein Seminar wo wir an Hunden operierten, da konnte man selbst die Milz entfernen, Gallenblase rausnehmen, Darmanastomosen legen und Tracheotomieren. Insgesamt war man selten weniger als 11 Stunden pro Tag im Hospital. Während meiner Neurochirurgie-rotation war ich viel in der Outpatient-Clinic, der Neurochirurg war auch sehr engagiert und hat mir vieles beigebracht. Eine ganz besondere Zeit hatte ich in der Orthopädie: der Arzt war extrem nett und studentenfreundlich. Hier durfte ich viel machen: Patienten selbst in der Outpatient-Clinic untersuchen und Ihm dann vorstellen; Fälle wurden gründlich diskutiert; Im OP durfte ich fast jedes mal ein Teil der OP selbst machen: Schnitt und Zugang legen, Löcher bohren/abmessen, Schrauben rein drehen, etc.
Nicht zu verschweigen ist, dass das Arbeitsklima, die Beziehungen sehr, sehr gut waren. Auch die Residents versuchten einem Sachen zu erklären und zu zeigen. Der Chef der Chirurgie nahm mich mal persönlich nach Hause und dann zum Essen in ein Restaurant, ich konnte es kaum glauben... Auch ein anderer Arzt machte das gleiche. Und so weiter.. Nun, es war eine großartige Erfahrung. Ich kann es nur weiter empfehlen. Allerdings ist es sehr schwierig an dieser Medical School anzukommen, da sie seit einigen Jahren nicht mehr ausländische Studenten nehmen wollen.