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Chirurgie- Tertial in den USA

Aufenthalt in Houston, Texas

Ines Adam

Allgemeines:

Houston besitzt ein sehr großes "Medical Center", dessen Krankenhäuser zu großem Teil Lehrkrankenhäuser des Baylor College of Medicine sowie der University of Texas sind. Diese beiden medizinischen Hochschulen konkurrieren untereinander, wobei das Baylor College den Ruf einer besseren Ausbildungsstätte hat.

Ich begann mit den Bewerbungen ungefähr 9 Monate im Voraus. Die Adressen fand ich zum Teil in anderen PJ-Berichten, zum Teil auch im Internet. Der Schriftverkehr dauert doch eine ganze Weile und man sollte nicht verzweifeln, wenn manche Sachen aus unerfindlichen Gründen mehrfach verlangt werden. Man bekommt in der Regel Formulare und eine Liste mit den erforderlichen Unterlagen zugeschickt. Dazu gehören Impfnachweise, Zeugnisse, Empfehlungsschreiben, Englischnachweis, Liste mit absolvierten Kursen usw.
Ein sogenanntes B1-Visum bekommt man problemlos von der Botschaft in Berlin ausgestellt. Eine Krankenversicherung sowie eine Berufshaftpflichtversicherung wird relativ preisgünstig speziell für PJ-Studenten von MLP angeboten. Man bekommt eine englischsprachige Police. Am THI interessiert das keinen, am Baylor College wird jedoch genau auf die jeweilige Versicherungssumme geschaut. Die Malpractice Insurance muß man als Gaststudent dann leider nochmals vom Baylor College erwerben, da nichts anderes anerkannt wird. Das steht etwas in Widerspruch zu den Bewerbungsunterlagen, wo man am besten schon ein halbes Jahr vorher so eine Malpractice Insurance nachweisen soll.
Studiengebühren bezahlt man am Texas Heart Institute überhaupt nicht, am Baylor College sind nochmal 50 Dollar für Visaangelegenheiten fällig.
Um Wohnmöglichkeiten sollte man sich auch schon von Deutschland aus kümmern. Die beiden Wohnheime für Studenten, welche sich direkt im Medical Center befinden (Texas Womans University Housing und Favrot Tower), sind oft Monate im Voraus ausgebucht.

Texas Heart Institute

Die ersten zwei Monate verbrachte ich in der Herz- und Gefäßchirurgie am Texas Heart Institute, welches mit der University of Texas assoziiert ist. Es gibt dort einen Chirurgen, Dr. Michael Duncan, der den direkten Austausch mit ausländischen Studenten organisiert. Eine Zusage bekommt man relativ problemlos, wenn man seine Bewerbung direkt an ihn richtet.

Houston, Texas

© wliebertz / PIXELIO

Der erste Tag

Am ersten Tag wird man von der Sekretärin von Dr. Duncan empfangen und bekommt einen Laufzettel mit Hilfe dessen man alle organisatorischen Sachen, wie z.B. ID-Kartendruck, diverse Belehrungen über das Verhalten im OP, Krankenhausbekleidung usw., erledigt. Dann beginnt der Alltag im OP, wobei man schnell feststellt, daß deutsche PJ-Studenten eine große Mehrheit im Gegensatz zu amerikanischen Studenten darstellen. Jeden Morgen findet man seinen Namen auf dem OP-Plan und ist einem bestimmten OP-Raum zugeordnet. Dort hilft man dann zunächst bei der richtigen Lagerung des Patienten, legt den Blasenkatheter und kann gelegentlich auch bei der Anästhesieeinleitung assistieren. Während der OP bekommt man vieles, insbesondere aber Nahttechniken, gezeigt und hat auch reichlich Gelegenheit sie anzuwenden. Anschließend begleitet man die operierten Patienten auf die Intensivstation. Ansonsten wird man auf Station überhaupt nicht eingesetzt, und wenn man erfahren will, wie es den Patienten postoperativ geht, muß man eben Eigeninitiative zeigen.

Man hat außerdem die Möglichkeit, die zahlreich angebotenen Konferenzen, auch aus anderen Fachbereichen, zu besuchen. Das hängt natürlich davon ab, wie lange man im OP steht. Da ist von 5 bis 15 Stunden den Tag alles drin. Die Arbeitszeit gestaltet sich also recht unterschiedlich. Grundsätzlich müssen Studenten keine Dienste machen, es ist aber trotzdem interessant, auch nachts ein paarmal anwesend zu sein, beispielsweise finden Herztransplantationen kaum während der normalen Arbeitszeit statt. Ab und zu ist man auch im Herzkatheterlabor oder im nebenan liegenden herzchirurgischen OP des Texas Childrens Hospital zu Gast. Insgesamt kann ich sagen, daß ein Tertial am Texas Heart Institute sich für Leute, die später in die Herzchirurgie gehen möchten, sich sicher lohnt, anderen mag es etwas eintönig vorkommen. Wer sich also nicht ausschließlich für den wichtigsten Muskel im Körper interessiert, sollte es wie ich machen und sich für die zweite Hälfte des Tertials noch ein anderes Fachgebiet auswählen. Dabei muß man allerdings die Vorschriften der einzelnen Landesprüfungsämter berücksichtigen. Einige erlauben nicht, daß das Tertial geteilt wird. Das sächsische Landesprüfungsamt hat verlangt, daß mindestens zwei Monate Allgemeinchirurgie absolviert werden müssen. 


Baylor College of Medicine

Die nächsten zwei Monate rotierte ich im 4-Wochen Rhythmus am Baylor College of Medicine. Man kann selbst auswählen, in welchen Abteilungen man gerne arbeiten möchte. 

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