Chirurgie- Tertial in den USA
Aufenthalt in Houston, Texas
Ines Adam
Kinderchirurgie im Texas Childrens Hospital
Den ersten Monat verbrachte ich in der Kinderchirurgie des Texas Childrens Hospital. Dort wird sehr viel Wert auf die Studentenausbildung gelegt. Man bekommt eigene Patienten zugewiesen, die man jeden Morgen untersucht, sogenannte progress notes schreibt und später mit seinem zuständigen attending bespricht. Um 7.00 Uhr schließt sich dann eine surgery lecture an, welche immer sehr praxisorientiert ist. Anschließend assistiert man im OP, wobei verlangt wird, daß man sich bereits am Vorabend auf die jeweiligen Operationen vorbereitet. Diese Vorbereitung sollte Kenntniss über das Krankheitsbild, Operationstechniken, Anatomie und Pathophysiologie umfassen. Realisieren kann man diese Forderungen nicht immer, zumal man sich täglich mindestens 12 Stunden und mehr im Krankenhaus befindet, auch Sonnabends.
Einmal pro Woche war ich in der Ambulanz tätig, wo prä- und postoperative Patienten betreut werden. In der Regel befragt und untersucht man den Patienten zunächst, um ihn dann dem attending vorzustellen. Eine weitere Möglichkeit ist, daß man den resident on call begleitet und sich mit ihm um akute Notfälle kümmert. Am späteren Nachmittag finden dann diverse Konferenzen statt. Pflicht ist die sogenannte M&M (Mortality and Morbidity) Konferenz. Dort werden im Team Todesfälle und Komplikationen kritisch diskutiert, um daraus für die Zukunft zu lernen. Eine andere interessante Veranstaltung ist beispielsweise das Tumor Board, eine interdisziplinäre Besprechung von onkologischen Fällen. Insgesamt war die Arbeit in der Kinderchirurgie sehr interessant und abwechslungsreich. Die Palette von Krankheitsbildern reichte von schweren Fehlbildungssyndromen über Tumoren im Kindesalter bis hin zu einfachen Leistenhernien.
Den darauffolgenden Monat verbrachte ich im Methodist Hospital, dem besten Privatkrankenhaus in Houston. Die Ausstattung entspricht eher der eines Luxushotels. Ich assistierte in der Abdominalchirurgie und verrichtete ähnliche Tätigkeiten wie im Texas Heart Institute. Es wurde mir aber zum Teil auch freigestellt, in anderen OPs zu assistieren. Die Sekretärinnen meines attendings waren mir sehr behilflich, Kontakte zu anderen Chirurgen zu knüpfen. So nahm ich an Operationen des Transplantationsteams teil und sah mir auch verschiedene neurochirurgische Operationen an.
Die Bewerbungen richtet man an:
Baylor College of Medicine
Office of Student Affairs
One Baylor Plaza
Houston, Texas 77030-3498
Man bekommt dann wiederum eine Liste mit den Verantwortlichen für die jeweiligen Fachbereiche (Chirurgie: Judy Corke) zugeschickt. Bei diesen muß man sich dann direkt nochmals bewerben. Offiziell heißt es zunächst, daß man als Gaststudent nur 2 Monate akzeptiert wird. Die einzelnen Fachbereiche entscheiden dann jedoch individuell, und ich habe von vielen anderen Studenten gehört, daß es vor Ort dann kein Problem mehr war, ein viermonatiges Praktikum zu absolvieren.Mein Fazit
Insgesamt haben sich die vier Monate in Houston für mich sehr gelohnt. Ich habe sowohl medizinisch als auch sprachlich und gesellschaftlich einiges dazugelernt. Es war auch gut, gerade im Rahmen der derzeitigen Reformierung des Gesundheitssystems in Deutschland, ein anders aufgebautes System einmal näher kennenzulernen und seine Vor- und Nachteile zu begreifen.
Freizeit:
Man lernt im Medical Center sehr schnell viele andere Studenten aus der ganzen Welt kennen. Im Favrot Tower, wo ich mein Zimmer in einem three-person-shared appartment hatte, wohnen viele Leute die zu kurz- oder längerfristigen Studien- und Forschungsaufenthalten in Houston sind. Irgendjemand hat auch immer ein Auto, mit dem man die weitere Umgebung erkunden kann. Als Ausflugsziele bieten sich San Antonio, Austin und New Orleans an. Wir habe auch ab und zu in einem der zahlreichen Nationalparks gecampt. Von der Küste am Golf von Mexico war ich eher entäuscht. Der Strand ist grau mit vielen Algen, direkt an der Straße, und auch das Wasser ist eher braun.
Ein Besuch im NASA-Zentrum durfte natürlich auch nicht fehlen. In Houston selbst hat man abends eine sehr große Auswahl. Es gibt Unmengen von Restaurants, Kinos, Kneipen und Discos. Im Theater District findet man eine große Auswahl an Konzerten, Oper und Schauspiel. Im Herrman Park befindet sich das Miller Outdoor Theatre. Dort gab es den ganzen Sommer lang kostenlose Aufführungen von Konzerten, Musicals, Opern, Shakespeare-Stücken und vieles mehr. Da es sich in Laufweite vom Medical Center befindet, haben wir dort sehr viele Abende verbracht.
Falls sich jemand für einen ähnlichen Aufenthalt interessiert und noch weitergehende Fragen hat, stehe ich natürlich sehr gerne für Auskünfte zur Verfügung