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Das Praktische Jahr ist der letzte Abschnitt im Medizinstudium

Auf der Zielgeraden

Redaktion (MEDI-LEARN)

Zwischen zehn Semestern Theorie und der großen Abschlussprüfung liegt das Praktische Jahr, kurz PJ. Es ist zwar ein Teil des Medizinstudiums, unterscheidet sich aber stark von den anderen Semestern. Du sitzt nicht mehr zu Hause am Schreibtisch, sondern stehst im OP oder bist auf Station. Dort bearbeitest Du nicht mehr Klausuren, sondern Patienten. Damit du das PJ nicht nur vollständig anerkannt bekommst, sondern auch noch etwas lernst, gibt es Einiges zu beachten:  

Erst die Bürokratie 

Wie so vieles beginnt das PJ mit einem Antragsformular, welches du beim Studiendekanat einreichen musst. Weitere Unterlagen sind alle bereits erworbenen Scheine des klinischen Studienabschnittes, der Anrechnungsbescheid des Landesprüfungsamtes (LPA) über deine Famulaturen und das Zeugnis des „1. Abschnittes der Ärztlichen Prüfung.“ Beachte die Einreichungsfrist, die etwa vier Monate vor dem ersten Arbeitstag endet. Wenn alles in Ordnung ist, erhältst du deinen PJ-Zulassungsbescheid. Einige Kliniken fordern zusätzlich einen Nachweis, dass du für eine medizinische Untersuchung beim Betriebsarzt warst.   Eine Feinheit bei der Anmeldung ist, dass du nicht nur alle geforderten Scheine einreichen musst, sondern mindestens zwei Jahre und 10 Monate seit bestandenem „1. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“ vergangen sein müssen. Es ist nicht möglich, alle Famulaturen und klinischen Scheine in kürzerer Zeit „abzureißen“ und früher ins PJ zu starten.  Beachte: An einigen Universitäten ist der Antrag nicht an das Dekanat, sondern direkt an dein LPA zu richten. Das bedeutet, dass du sämtliche Unterlagen oder zumindest Famulatur Zeugnisse und das Studienbuch persönlich beim LPA vorbeibringen musst.   

Tertiale – was bitte? 

Das PJ beginnt jeweils Ende Februar oder Ende August. Es besteht aus 48 Wochen, die sich aus drei „Tertialen“ zusammensetzen. Jedes Tertial besteht aus 16 Wochen. Eines ist für die Chirurgie vorgesehen, eines für Innere Medizin und das dritte für „Allgemeinmedizin oder ein Wahlfach in einem der übrigen klinisch-praktischen Fachgebiete.“ Von Uni zu Uni gibt es andere Vorgaben, wo du dieses Wahlfach ableisten darfst. Ebenso unterschiedlich sind die Vorgaben zum „Splitting“ von Tertialen. Also der Aufteilung eines oder mehrerer Tertiale in zwei mal acht Wochen, um dadurch mehr Stationen kennenzulernen. Für jeden Ausbildungsabschnitt stellt dir die jeweilige Klinik einen Schein aus.   Kümmere dich rechtzeitig um ein PJ-Zeugnis der jeweiligen Abteilung. Manchmal gibt es Vordrucke, die aber relativ nichtssagend sind. Wenn du das Zeugnis für deine Bewerbung brauchst, solltest du dir jemanden suchen, der dir ein individuelles Zeugnis schreibt. Irgendwann im dritten Tertial musst du schon an den nächsten Schritt denken: die Anmeldung zum „2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung.“ Bis zu einem bestimmten Termin muss der Antrag zusammen mit allen darin geforderten Unterlagen dem Landesprüfungsamt vorliegen.

Urlaub gibt es nicht 

Im PJ hast du eine normale 38- oder 40-Stunden-Woche, die Wochenenden sind meist frei. Auch Feiertage, Weihnachten und Sylvester musst du nicht zwangsläufig arbeiten. Urlaub gibt es aber keinen. Während des ganzen Jahres sind 20 Fehltage erlaubt. Bist du nicht da, egal aus welchem Grund (Krankheit, Urlaub, verschlafen), schwinden diese Fehltage dahin. Es ist klug, die Fehlzeiten nicht zwischendurch zu verpulvern, sondern am Ende zu nehmen, wenn du fürs Examen lernen musst. An vielen Kliniken ist es möglich, freie Tage durch Dienste zu „erarbeiten.“ Trage dich frühzeitig in den Dienstplan ein, sonst sind die guten Termine schnell weg.  

Die Auswahl ist begrenzt 

Die Auswahl an Krankenhäusern ist bei Famulaturen und Pflegepraktika nahezu unbegrenzt. Beim Praktischen Jahr musst du die Vorgaben der Universität beachten, an der du dein Studium abschließen möchtest. Nur das Uniklinikum und eine geringe Zahl an „akademischen Lehrkrankenhäusern“ kommen infrage. Auslandsaufenthalte sind möglich und erwünscht, hier solltest du aber im Voraus alles mit der Uni, der Klinik und dem LPA abklären.

Informieren, vorstellen und los geht es

An einigen Universitäten gibt es ein PJ-Büro, an manchen Kliniken eine PJ-Sprechstunde. Nimm jede Hilfe an, die du kriegen kannst, und kläre alle offenen Fragen, bevor es zu Problemen kommt. Der wichtigste Ansprechpartner ist aber immer noch das LPA, denn genau dieses muss dir am Ende dein PJ anerkennen und dich zum „2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“ zulassen. Bist du neu in einer Abteilung, erkundige dich, ob es eine Einführung für PJler gibt und nimm gegebenenfalls daran teil. Es ist sinnvoll, schnell zu erfahren, was wo ist und welche Aufgaben wo zu erledigen sind.   Ein ganz wichtiger Punkt, den du wahrscheinlich schon aus deinen vergangenen Krankenhauspraktika kennst, ist das Vorstellen. Lieber doppelt als einmal zu wenig. Das ist besser für die Stimmung, verhindert Tratsch und erhöht deine Chance, etwas erklärt zu bekommen. Auf chirurgischen Abteilungen solltest du deinen Namen im Sekretariat angeben, damit man dich auf den OP-Plan setzen kann.  

Den Alltag kennen lernen 

Auf Station wirst du in den normalen Alltag eingebunden. Während des Studiums erworbene Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten kannst du endlich anwenden, üben und erweitern. Du nimmst an Visiten, klinischen Konferenzen und ärztlichen Besprechungen teil. Du assistierst bei Operationen, nimmst Patienten auf, schreibst Briefe, nimmst Blut ab und legst venöse Zugänge. Weil du noch Student bist, und kein Arzt, verrichtest du alle Aufgaben unter „Anleitung, Aufsicht und Verantwortung“ von Ärzten.

Schweinefüße nähen

Neben den alltäglichen Aufgaben wirst du mehr oder weniger ausgebildet. Im Mittelpunkt sollte die Lehre am Patienten stehen. Spezieller PJ-Unterricht ist an einigen Einrichtungen sehr gut, an anderen gar nicht vorhanden. Neben der Theorie gehören praktische Übungen wie Knotentechniken, Reanimation oder Nähen an Schweinefüßen dazu. Es gibt für das Praktische Jahr keinen offiziellen Lernzielkatalog, jedoch einen inoffiziellen vom Hartmannbund [siehe Kapitel „Hartmannbund“] und einigen Fakultäten. Frage nach, ob du an Fortbildungen oder Kursen für Assistenzärzte teilnehmen darfst. Eine Sache, die jede Station anders handhabt, sind „Studientage.“ Manche PJler lernen so etwas gar nicht kennen. Einige dürfen an bestimmten Tagen eher gehen. Andere Studenten bekommen pro Woche einen Tag frei oder dürfen die Studientage sogar gebündelt ans Ende des PJs legen. Die Zeit ist dafür gedacht, das Gesehene nachzuschlagen, sich auf kommende Aufgaben vorzubereiten oder für das Examen zu lernen.

Surftipp

Lernzielkatalog für das PJ
Den Lernzielkatalog für das PJ herausgegeben vom Hartmannbund findest Du hier: 
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