Die Stimmung nach dem „Hammer“
Erfahrungen der ersten Examenskandidaten
Jan-Peter Wulf
PJ: Einschränkung oder Praxis-Kick?
Doch es wird auch zur Vorsicht geraten: „Lerngruppen sind meiner Ansicht nach nur so gut wie die Leute darin“, erklärt ein Umfrage-Teilnehmer. „Ich habe von mehreren Lerngruppen gehört, deren Ergebnisse schlecht ausgefallen sind. Sicher sollte man unklare Dinge mit anderen besprechen, aber bitte sicherstellen, dass man das richtige Ergebnis erlangt!“
Die Lerndauer (Gesamtdauer und Stunden pro Tag), die von den Umfrageteilnehmern angegeben wird, entspricht in etwa derjenigen, die auch für das alte 2. Staatsexamen anberaumt wurde. Die meisten fingen etwa drei bis vier Monate vor dem Termin an, häufig mit einem „Gewöhnungspensum“ von zwei bis drei Stunden pro Tag. Spätestens acht Wochen vor dem Examenstermin wurde dieses auf acht bis sogar 12 Stunden am Tag hochgeschraubt.
Wesentlicher Unterschied zur alten Modalität: Vielen stand am Anfang der angesetzten Lernzeit noch das PJ im Wege. Zumindest zeitlich: „Das Lernen im PJ war für mich überhaupt nicht effektiv“, berichtet ein Teilnehmer. „Ich hatte ständig Überstunden zu machen, konnte deswegen im PJ überhaupt nicht lernen und musste die letzten drei Monate jeden Tag durchlernen“, so das Statement eines weiteren Examenskandidaten.
Ich habe auf Station die Kollegen ausquetschen können!
Andere weisen darauf hin, dass ihnen die tagesaktuell aufgetretenen Fälle hilfreich waren: „Die Fragen, die sich am Tage in der Klinik stellten, habe ich abends nachgelesen. Das war ein guter Einstieg!“ Oder: „Das, was auf Station los war, habe ich theoretisch aufbereitet. Und ich konnte bei Problemen meine Kollegen ausquetschen!“ Das scheint sich zu lohnen, denn laut Angabe eines Teilnehmers macht die PJ-Erfahrung in der Prüfung „über 20% der Fragen“ aus. Viele raten dazu, sich einen Teil des PJ-Urlaubs zum Lernen aufzusparen, aber auch, zumindest während des PJ Wochenende zu machen, also auch nicht zu lernen. In der „heißen Phase“ stellten dann viele auf die Sieben-Tage-Woche um, wie von den alten Examina bekannt.
Drei Tage überstehen
„Wichtig ist nur aufm Platz“ heißt ein hinlänglich bekanntes Fußball-Motto. Und wie sieht es aus, wenn der Platz der Examenssaal ist und das Spiel nicht 90 Minuten, sondern drei Tage dauert? Hier macht natürlich jeder „Spieler“ seine eigenen Erfahrungen. Entsprechend heterogen das Stimmungsbild:
„Subjektiv gesehen waren die Einzelfragen einfacher, als ich das von den 2. Stex-Altfragen her gewohnt war. Die Fälle haben doch sehr speziell fast nur auf ein vorgestelltes Krankheitsbild hin abgezielt. Nach dem zweiten Tag weiß man ja schon via Ausschlussprinzip, was am dritten Tag kommen wird. Ich habe die Zeit dann genutzt, und mein Kurzzeitgedächtnis nochmals richtig voll zu packen!“, so der Tipp einer Teilnehmerin. “Die Einzelfragen waren ähnlich wie bei den alten Examina. Das war irgendwie gewohnt, obwohl es teilweise lange Aufgabentexte waren. Da gab es einiges zu lesen und viele Informationen!“