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Ein fast vergessenes Land

Famulatur in Mazedonien

Mathias Kellermann

Ein fast vergessenes Land

© / Istockphoto
Eher aus dem Bauch heraus als wohl durchdacht: Ganz nach dem Motto „Ab ins Unbekannte“ habe ich mich etwa ein halbes Jahr vor meinem Aufenthalt in Skopje, der Hauptstadt Mazedoniens, beim DFA für eine Famulatur in Mazedonien beworben.
Trotz vieler bekannter Ressentiments gegenüber dem Balkan war ich immer der Überzeugung, dass die Famulatur sicherlich gut werden wird. Mazedonien hat mich nicht enttäuscht und ich bin froh, dieses Land gewählt zu haben, selbst wenn die Famulatur manchmal nicht ganz meinen Erwartungen entsprochen hat.

Kein großer Akt

Ich musste hundert Euro anzahlen, einen Nachweis über das Beherrschen der englischen Sprache bei der Uni organisieren und das Bewerbungsformular des DFA korrekt ausgefüllt an die Vertretung in Bonn senden. Eigentlich kein großer Akt, abgesehen von den Verzögerungen, vor allem wenn man als Mediziner ein Zeugnis von einem Doktor der Anglistik braucht. Na ja, aber das ist eine andere Geschichte. Nach meiner Bewerbung bekam ich relativ schnell eine Zusage vom DFA und auch die verantwortlichen Studenten in Skopje meldeten sich sehr schnell. Schon im Vorfeld der Famulatur entstand eine nette Korrespondenz mit den mazedonischen Studenten und ich fühlte mich schon im Voraus gut betreut. Am 27. Februar ging es für mich los. Den Flug nach Skopje hatte ich schon zwei Monate vor Abflug bei Alitalia gebucht. Zwar war dieser kein Non-Stop-Flug, dafür kostete er aber nur 250 Euro hin und zurück! Im Vergleich zu anderen Fluggesellschaften ist das echt billig!
Angekommen am Airport Skopje, erwarteten mich schon die beiden Studenten, die während meines Austauschs in Mazedonien für mich verantwortlich waren. Sie brachten mich in meine Wohnung, in der ich die nächsten fünf Wochen untergebracht war. Die Wohnung gehörte einer Familie, die Zimmer an Studenten vermietet. Die Wohnung war klein, aber fein und ich hatte familiären Anschluss. Prima! Mazedonisches Familienleben live – was will man mehr?

Archaisch, aber funktional

Am 1. März wurde ich meinem persönlichen Assistenten auf der Gastroenterohepatologie vorgestellt. Nach kurzer Einweisung konnte ich auch schon den ersten Koloskopien beiwohnen. Ich habe so ziemlich alle endoskopischen Eingriffe auf dieser Abteilung mitverfolgen können. Mithelfen konnte ich aber leider nicht sehr viel. Wie mir schnell auffiel, ist die Aufgabe der Ärzte hier in Mazedonien beschränkt auf invasive Untersuchungen. Stationsarbeit war stets Sache der Schwestern, so konnte ich leider fast nie den Stationsalltag miterleben.

Trotzdem habe ich viele interessante Dinge gesehen. Krankheiten, die bei uns so selten sind, dass man Glück haben muss, sie einmal im Studium zu sehen, treten hier teilweise häufig auf. Auch die Methoden und Techniken, die in Mazedonien angewendet werden, sind nicht mit Deutschland zu vergleichen. Koloskopie mit Narkose ist hier ein Fremdwort. Das Gesundheitssystem und die Patienten haben für so etwas einfach kein Geld. Die Medizin ist zum Teil wirklich archaisch, aber sie funktioniert trotzdem. In der zweiten Woche wechselte ich auf die Pulmologie. Eine der am besten ausgerüsteten Abteilungen in der Inneren Medizin hier in Skopje. Die Abteilung wird vom japanischen Staat gesponsert, deswegen auch das neue und gute Equipment! Auch hier bekam ich einen persönlichen Mentor. Auf der „Pulmo“ habe ich ebenfalls vor allem endoskopische Untersuchungen gesehen und durfte manchmal auch Pleurapunktionen vornehmen. Sonographische Untersuchungen und Ambulanzarbeit ergänzten meinen einwöchigen Aufenthalt. Aber auch hier war mir die Stationsarbeit nicht vergönnt. Die Arbeit ist hier eben anders aufgeteilt als in Deutschland. Nach einer recht lehrreichen Woche auf der Pulmologie wechselte ich auf die Endokrinologie. Diese Abteilung war für mich die langweiligste, denn außer ständigen Diskussionen über Blutbefunde und dem Hormonstatus von Patienten konnte ich hier relativ wenig sehen. Doch die für mich abgestellte Mentorin Dr. Katerina versuchte mir viel zu erklären und schickte mich oft in die Ambulanz, auf der ich dann doch einiges gesehen und gelernt habe. Bis zum Ende meiner Famulatur bin ich auf der Endokrinologie geblieben, denn hier hatte ich neben der Pulmologie den besten sozialen Anschluss an die Ärzteschaft!

Schlechte Bezahlung, gute Ärzte

Die Innere Klinik in Skopje war für mich ein echter Schock, als ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Das Gebäude ist heruntergekommen und wirkt marode. Doch die Arbeit, die hier von den Ärzten verrichtet wird, ist echt gut. Es wird mit primitiven Mitteln das best Mögliche für den Patienten erzielt. Die Ärzte haben noch viel Ahnung über konventionelle Untersuchungsmethoden und brauchen nicht für alles Geräte und Maschinen. Dennoch sind die Arbeitsbedingungen nicht besonders berauschend. Der Lohn für die Ärzte ist sehr schlecht und trotz sehr guter Ausbildung, die auf dem neuesten Stand der Wissenschaft beruht, können die Ärzte hier vieles nicht umsetzen. Mazedonien ist ein kleines Land und alles zentriert sich auf Skopje, doch leider wird kein Geld in die Uniklinik investiert. Und so dümpelt das Gesundheitssystem in Mazedonien nur so vor sich hin. Es herrscht kein Klima für Innovationen, oft habe ich während meiner Famulatur mit den Ärzten in einem Café auf dem Campus herumgesessen, um die Zeit totzuschlagen. Trotzdem will ich den Ärzten hier meinen Dank aussprechen, die mir trotz aller widrigen Umstände immer geholfen haben und mir viel erklärt und beigebracht haben.
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