Anfang des Wintersemesters 2008 entschloss ich mich zusammen mit einem Freund, die nächste Famulatur im Ausland zu absolvieren. Da wir gerne einmal Wien erkunden wollten, fi el unsere Wahl auf die österreichische Hauptstadt, bestärkt durch die vielen positiven Erfahrungsberichte über Famulaturen dort. Famuliert haben wir im Bereich der Anästhesie und Intensivmedizin.
Freie Auswahl
Die Vorbereitung und Bewerbung für die Famulatur verlief recht unkompliziert. Ende November suchten wir im Internet zunächst mehrere Krankenhäuser, die für eine mögliche Famulatur in Frage kamen. Anschließend schrieben wir eine kurze Bewerbungsemail an den Chefarzt der Anästhesie bzw. das Sekretariat, in der wir uns kurz vorstellten sowie den gewünschten Zeitraum für die Famulatur angaben. Bei drei, vier Häusern bekamen wir direkt eine Zusage für die Famulatur. Glücklicherweise konnten wir uns also das Haus aussuchen. Nach kurzem Überlegen fi el unsere Wahl auf das Sozialmedizinische Zentrum Ost (SMZ-Ost), auch Donauspital genannt, weil wir hier einen Wohnplatz im Personalwohnheim erhielten und so nicht auch noch auf Wohnungssuche gehen mussten.
Zweitgrößtes Haus
Beim SMZ-Ost handelt es sich nach dem Universitätsklinikum AKH um das zweitgrößte Haus in Wien. Mit über 50 Ärzten war dementsprechend auch das Famulatur im Donauspital, Wien von Wolfgang Klossok Genug Zeit fürs Kaffeehaus Anästhesieteam sehr groß. Das Spital verfügt über drei zentrale OP-Trakte mit mehr als 15 OP-Sälen, in denen mit Ausnahme der Thoraxchirurgie alle Disziplinen vertreten sind. Hinzu kommen mehrere Eingriffsräume, in denen kleinere gynäkologische, urologische oder kieferorthopädische Operationen durchgeführt werden.
Das Krankenhaus liegt rechts der Donau, leider etwas außerhalb des Stadtzentrums, ist aber direkt an eine Straßenbahn angebunden. Dank des sehr guten öffentlichen Verkehrsnetzes dauerte es nie länger als eine halbe Stunde, um ins Zentrum zu kommen. Ab 2010 soll direkt vorm Spital außerdem die U-Bahn verkehren, mit der man ohne Umsteigen noch schneller ins Zentrum gelangt.
Die Anästhesisten begleitet
Für uns begann der Arbeitstag stets mit der Morgenbesprechung um 7:45 Uhr, bei der alle Anästhesisten dabei waren. Hier wurden kurz die einzelnen Patienten mit möglichen Auffälligkeiten vorgestellt. Oftmals gab es danach noch andere die Arbeit betreffende Punkte, die kurz durchgegangen werden mussten, so dass sich die Besprechung meist eine halbe Stunde hinzog. Anschließend wurden die Famulanten (wir waren drei) auf jeweils einen Anästhesisten aufgeteilt, mit dem wir in den OP gingen.
Es hing dabei vom Anästhesisten ab, wie viel wir selbst tun durften. Vorteilhaft war, dass wir oft den gleichen Anästhesisten begleiteten, so dass er uns mit der Zeit immer mehr hat machen lassen. Neben der Beatmung mit der Maske, dem Spritzen des Narkosemittels sowie dem Legen von Zugängen hatten wir auch die Möglichkeit zu intubieren. Am Anfang klappte das oft nicht so ganz, mit der Zeit aber immer besser. War die OP dann eingeleitet, erklärten uns die Ärzte oft etwas zur Narkose bzw. zur Operation. Wir konnten aber auch den Saal wechseln und einem anderen Arzt über die Schulter schauen.
An Sicherheit gewonnen
Die Ärzte waren sehr nett und beantworteten gerne meine Fragen. Bei kleineren Eingriffen bekamen wir am Tag bis zu drei Ein- und Ausleitungen mit, so dass wir schnell an Sicherheit gewannen. Am Anfang fühlte ich mich durchaus noch etwas unbeholfen. Vor allem, weil ich mit den Abläufen im OP nur rudimentär vertraut war. Allerdings stellte sich schnell eine gewisse Routine ein. Insgesamt war die Arbeit sehr kurzweilig, was auf jeden Fall auch mit den sehr kurzen Arbeitszeiten (spätestens um 13 Uhr durften wir gehen) zusammenhing. Nach der Arbeit hatten wir die Möglichkeit im Mitarbeiterrestaurant zu essen. Zwar nicht gratis, aber doch sehr erschwinglich und das Essen war lecker.
Insgesamt lässt sich sagen, dass mir die Arbeit im Spital viel Spaß gemacht hat. Die Ärzte waren stets darauf bedacht, mir viel zu zeigen, zu erklären und, wenn möglich, mich viel selbst machen zu lassen. Besonders gut fand ich, dass am Anfang der Famulatur ein Gespräch mit dem für uns zuständigen Facharzt stattfand. Wir konnten ihm schildern, was wir uns von der Famulatur erhoffen und er teilte uns mit, was man davon umsetzen würde können.
Ausgiebige Erkundungen
Da wir ja schon mittags frei bekamen, hatten wir echt viel Freizeit, was uns sehr entgegenkam. So nutzten wir die Zeit, um Wien ausführlich zu erkunden. Die Stadt hat einiges zu bieten. Am Anfang lohnt es sich, mit der Bahn einfach mal in die Innere Stadt zu fahren (Haltestelle Stephansplatz) und die Umgebung mit kleinen Spaziergängen zu erkunden. Neben zwei großen Opernhäusern gibt es viele Theater, unzählige Museen, schicke kleine Kinos und jede Menge sonstige Veranstaltungen, von denen man durch Plakate oder Flugblätter erfährt.
Wenn man keine Lust mehr auf Rumlaufen oder Sightseeing hat, kann man sich in einem der vielen Kaffeehäuser entspannen. Fast überall sind satte Studentenermäßigungen drin. Bei der Staatsoper zum Beispiel werden Restkarten, die normalerweise über 100 Euro kosten, eine Viertelstunde vor Vorstellungsbeginn für 12 Euro an Studenten verkauft. Für U- und Straßenbahn empfi ehlt es sich, eine Monatskarte zu kaufen, sie hat uns 50 Euro gekostet. Ich denke, dass jeder am besten selbst entscheidet, was er in Wien besichtigen will. Aber ich kann euch auf jeden Fall sagen, dass ihr Wien als Wahl für eure Auslandsfamulatur nicht bereuen werdet!