Famulatur in Australien
So weit weg und doch wie zu Hause gefühlt
Susanne Meister
Famulatur im Wodonga Hospital, VIC, Australien
Ende Juli bis Mitte September 2002
Übersicht
- Bewerbung
- Kosten / Unterkunft
- Allgemeines
- Tagesablauf
- Freizeit
- Fazit
- Kontaktadresse
Bewerbung
Da mich Australien schon immer in diversen Reiseberichten fasziniert hat, ich mein Englisch verbessern sowie ein anderes Gesundheitssystem kennenlernen wollte, habe ich mich ca. ein 3/4 Jahr vor Famulaturbeginn gemeinsam mit einer Freundin bei diversen australischen Krankenhäusern beworben. Das formlose Bewerbungsschreiben haben wir per E-Mail an Krankenhäuser in ganz Australien gesendet (Krankenhausadressen siehe Anhang) und bereits nach einigen Wochen Zu- und Absagen erhalten. Da aber z.B. in Queensland die Famulaturplätze zentral vergeben werden und außerdem Bewerbungsgebühren in Höhe von fast 400 AUD verlangt werden, blieben am Ende nur drei Krankenhäuser zur Auswahl, bei denen wir keine Gebühren zahlen sollten. Als wir uns für ein Krankenhaus entschieden hatten, verliefen alle weiteren Formalitäten weitestgehend per E-Mail. Von uns wurden lediglich ein Brief vom Dekan (Vordrucke im Dekanat erhältlich) sowie zwei Empfehlungsschreiben (z.B. vom Doktorvater) verlangt.
Im Januar haben wir uns beim dfa für einen Fahrtkostenzuschuss beworben und im April eine positive Antwort erhalten.
Kosten / Unterkunft
Um in Australien famulieren zu können, benötigt man ein Working Holiday Visum (ich kenne auch einige, die nur mit einem normalen Touristenvisum ausgekommen sind), welches relativ „unkompliziert“ gegen Vorlage des Reisepasses, einer Bescheinigung über genügend Geldmittel und den Gesundheitszustand (genaue Bedingungen siehe Internet) sowie 95 Euro bei der australischen Botschaft in Berlin (Adresse s. Anhang) zu erhalten ist. Mein Tip: Wenn man alle Unterlagen persönlich zur Botschaft bringt, bekommt man das Visum sofort ausgestellt!Unseren Flug haben wir bereits im März für 880 Euro bei Emirates (sehr gute und preiswerte Airline!) gebucht. Eine günstige Auslandskrankenversicherung habe ich bei der DKV ( für 77 Tage rund 30 Euro ) abgeschlossen.
Als Zahlungsmittel haben wir, neben einigen australischen Dollar (AUD) in bar, EC – (zum Geldabheben; kostenlos in Australien bei „Westpac“, wenn man ein Konto bei der „Deutschen Bank“ hat) und VISA- Card (zum Automieten, Touren buchen etc.) mitgenommen.
Im Vorfeld wurde uns vom Krankenhaus mitgeteilt, dass wir für 110 AUD (ca. 60 Euro) pro Woche pro Person in der Nähe des Krankenhauses untergebracht sowie in der Krankenhauskantine verpflegt werden können ( am Ende der Famulatur mussten wir jedoch, zu unserer freudigen Überraschung, nichts für Unterkunft und Verpflegung bezahlen).
Das erste Mal in der neuen Unterkunft
Als wir unsere Unterkunft das erste Mal zu Gesicht bekamen, waren wir sehr überrascht, da sich zeigte, dass wir in einem Einfamilienhaus untergebracht waren, welches wir lediglich mit einer Krankenschwester (die jedoch nur ein paar Tage die Woche dort wohnte) teilen sollten. Das Haus, welches aus 3 Schlafzimmern, einer komplett eingerichteten Küche, Wohnzimmer inkl. TV und Telefon (für Ferngespräche benötigte man eine Telefonkarte), Bad/WC sowie einer Waschmaschine bestand, war nur 150 m vom Krankenhaus entfernt. Sogar Bettwäsche und Handtücher wurden gestellt. Wenn wir nicht gerade zum Dinner ausgegangen sind (Essengehen ist bei den „Aussies“ sehr beliebt und günstiger als in Deutschland), haben wir die meisten Mahlzeiten (bis auf das Frühstück) in der – für unsere Erfahrungen sehr guten – Krankenhauskantine eingenommen.
Allgemeines
Das Wodonga Hospital entspricht etwa der Größe eines Krankenhauses in einer Kleinstadt.
Es beherbergt folgende Abteilungen: Notaufnahme, Radiologie, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Pädiatrie sowie Innere Medizin. Des weiteren befinden sich eine Antenatal sowie eine Mental Health Clinic auf dem Krankenhausgelände. Als Besonderheit gibt es am Wodonga Hospital einen „hospital-in-the-home“ – Service, der darin besteht, dass Patienten soweit es geht frühzeitig nach Hause entlassen werden und, je nach Fall, mehrmals täglich oder wöchentlich von einer Krankenschwester versorgt werden. Die „Versorgung“ kann aus Verbandswechsel, Blutzuckermessungen, Blutabnahmen, Injektionen o. Ä. bestehen. Es hat sich gezeigt, dass die Patienten in ihrer häuslichen Umgebung viel schneller genesen und dass dieser Service gleichzeitig sehr kosteneffektiv ist.
Zu Beginn der Famulatur hat der Chef des Krankenhauses, mit dem wir schon per E-Mail in Kontakt getreten waren, mit uns den Ablauf der Famulatur besprochen sowie uns herumgeführt und in den einzelnen Abteilungen vorgestellt. Des weiteren haben wir einen Krankenhausausweis mit Passfoto zur Identifikation als Krankenhauspersonal sowie einen Pager (Pieper) erhalten, mit dem wir zu wichtigen Meetings oder interessanten Fällen gerufen werden konnten.
In australischen Krankenhäusern ist „ordentliche“ Kleidung angesagt. D.h. den guten weissen Kittel und die Birkenstock-Sandalen kann man getrost zu Hause lassen. Die männlichen Studenten tragen Hemd, z.T. mit Krawatte, und Hose (keine Jeans), die weiblichen Hose oder Rock (eher seltener) und dazu ein ordentliches Oberteil (Blusen sind kein Muss!).