Famulatur in Bern
Kardioversion und Co
Alicja Zybowski
Famulaturbericht September/Oktober 2002
Am frühen Morgen meines ersten Tages an der Berner Universitätsklinik, genannt Inselspital, war ich mit einem Oberarzt der Kardiologie verabredet, der mir eine Station zuweisen sollte. Als ich jedoch eine halbe Stunde vergeblich gewartet hatte und niemand zu kommen schien, machten ich mich auf die Suche nach einem anderen Arzt, bis ich kurz darauf in die montagmorgendliche Patientenbesprechung gelangte.
Dort wurde mir ein anderer Oberarzt zugewiesen, der mich zu der Station Kardiologie P brachte, auf der ich die nächsten Wochen verbringen sollte.
Die Organisation für Famulanten schien nicht wirklich ernst genommen zu werden ganz im Gegensatz zu den Studenten im Praktischen Jahr, die sehr sorgfältig den verschiedenen Stationen zugewiesen und sehr großzügig vergütet wurden. Es war ein reges Kommen und Gehen von Studenten, so dass man den Anschein bekam, dass niemand richtig einen Überblick über alle Studenten hatte.
Zunächst erklärte mir ein Student im PJ ebenfalls von dieser Station den täglichen Ablauf auf dieser Station: die Patienten dieser Station blieben oft nur ein bis zwei Tage aufgrund der Zuweisung ihres Hausarztes wegen eines akuten kardialen Ereignisses, das abgeklärt werden sollte.
Der Großteil der Patienten erlitt kardiale Ereignisse aufgrund des eigenen Lebensstils: langjähriges Rauchen, Alkohollabusus, wenig Bewegung, schlechte Ernährung. Außerdem fanden sich mehr männliche als weibliche Patienten. Auf dieser Station befanden sich ungefähr 10 Betten zu fünf Zimmern; ab 9 Uhr morgens begann die Aufnahme von neuen Patienten, die eine ausführliche Befragung (Anamneseerhebung) des Patienten über den allgemeinen gesundheitlichen Zustand, über die akuten Zwischenfälle mit genauer Symptombeschreibung und über die momentane Arzneimittelversorgung beinhaltete. Nachdem der Patient alles wichtige erzählt hatte, konnte die körperliche Untersuchung beginnen. Jeder Arzt hat hierbei eine unterschiedliche jedoch immer systematische Vorgehensweise: angefangen beim Kopf wurde zuerst in den Mund geschaut nach möglichen sichtbaren Entzündungen oder Infektionen, dann der Puls der (Carotiden) Halsschlagadern, der Handgelenke, des Leistenbereiches, der Kniekehle und letztendlich des Fußrückens, um zu überprüfen, ob alle Bereiche gut durchblutet sind.
Dann wurden die Lungen und das Herz mit dem Stethoskop abgehört, was den wichtigsten Teil darstellte, denn ein erfahrenes Ohr in der Kardiologie hört schon den minimalsten Klappendefekt im Herzen aufgrund der veränderten Strömungsgeräusche. Als weitere Standarduntersuchungen gelten noch die neurologischen Untersuchungen, die jedoch in der Kardiologie keine große Rolle spielen und deshalb auch kaum zur Anwendung kommen.
Nachdem der Patient nun eingehend untersucht wurde, musste er aufgrund der Anweisungen des Kardiologen an zahlreichen Untersuchungen durch andere Spezialisten teilnehmen, die jeweils in ganz unterschiedlichen Bereiche des Krankenhauses stattfanden und somit die Arbeit für den Kardiologen meist hier endete.
An dieser Stelle möchte ich die wichtigsten Untersuchungen erläutern, die bei kardialen Krankheitsbildern durchgeführt werden und bei denen ich anwesend sein durfte:
Zu Beginn stehen meistens das Elektrokardiogramm (EKG) und die Röntgenuntersuchung.
Die Echokardiographie durch den Radiologen ist eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, die sehr häufig angewendet wird, da keine Strahlenbelastung auftritt und die Herzleistung und Morphologie anhand eines Computers leicht ausgewertet werden kann.