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Famulatur in Darjeeling, Indien

Famulatur im Land des Tees

Elias Engelking

Organisation

Ich war längere Zeit im heißen Süden Indiens gewesen und suchte etwas Abkühlung, aber auch die Möglichkeit, Medizin auf dem „gras roots level“ auszuüben. So entschied ich mich spontan, nach Darjeeling zu fahren. Ich fragte dort bei mehreren Kliniken nach (Gompaga Clinic, Tibetan Self Help Refugee Center), die mir jedoch nicht das bieten konnten, was ich mir für eine Famulatur vorstellte.

Aber über "indische Beziehungen" konnte ich dann im „Planters Hospital“ anfangen, einer kleinen Privatklinik, die ehemals zu den Teeplantagen gehörte und ca. 30 Betten hat. Ich begleitete Dr. Sherpa bei seiner Arbeit. Diese bestand aber hauptsächlich aus OPD (Ambulanz), also vergleichbar mit der Routine eines Allgemeinarztes. So konnte ich nichts sonderlich machen.
Ich hörte mich weiter um und durch glückliche Zufälle erhielt ich die Nummer von Dr. Chaudhuri, dem Gynäkologen am Sadar District Hospital. Durch seine Freundlichkeit und seinen Einsatz war es mir möglich, eine Erlaubnis vom Medical Superintendent zu erhalten. So wurde der Weg für ein einmaliges Erlebnis für mich geebnet.
Es stellte sich heraus, daß niemals zuvor ein Ausländer hier gearbeitet hatte und daß auch schon seit ein paar Jahren keine indischen Medizinstudenten mehr hier gesehen wurden. Aber nur zu meinem Vorteil: Ärzte und Schwestern waren äußerst aufgeschlossen und hilfreich!

Darjeeling

Darjeeling ist eines der berühmtesten „Hill Stations“ Indiens auf über 2000m Höhe, ganz im Nord-Osten zwischen Nepal, Tibet, Butan und Bangladesh, in den Fußgebirgen des Himalayas. In Darjeeling treffen viele Kulturen, Religionen und Klassen aufeinander, immer noch mit dem Flair der ehemaligen britischen Kolonialherren. Hier treffen Nepalesen, vertriebene Tibeter, Bengali, Tagelöhner aus dem Süden mit ihren eigenen Religionen und Sprachen auf reiche indische und westliche Touristen. Klimatisch fand ich es im November etwas zu kalt und feucht, aber die wahnsinnigen Aussichten von der Oberstadt auf mehrere schneebedekte Achttausender und die mit Teeplantagen gesäumten Täler machen es wieder wett.

Sadar District Hospital

Das Krankenhaus liegt in dem etwas ärmeren Teil der Stadt, erreichbar über mehrere gewundene steile Gassen. Offiziell gibt es 300 Betten und inoffiziell 500 Patienten. Die Umstände sind so unbeschreiblich, daß mir die Worte fehlen. Es fehlt am Nötigsten: Hygiene, fließendes Wasser, Medikamente, diagnostische Geräte (weder EKG noch Ultraschall),...Der Mangel an diagnostischen Möglichkeiten wird durch die klinische Untersuchung ersetzt, so weit überhaupt möglich.
Die Sprache der Ärzte untereinander ist Bengali und die der Schwestern und der meisten Patienten Nepali. Die Ärzte spechen sehr gutes, die meisten Schwestern gutes und einzelne Patienten mäßiges Englisch. Aber weil ich eine Art Kuriosität darstellte, sind Ärzte und Schwestern immer bereit, zu übersetzen.
Die Patienten stellen die armen und ärmsten Schichten der Bevölkerung da und können es sich nicht leisten, größere Summen für zusätzliche medizinische Behandlungen aufzubringen. Das durchschnittliche Einkommen einer Familie liegt bei 2-4DM pro Tag, bei manchen weit weniger.

Gynäkologie und Geburtshilfe

Ich begleitete Dr. Chaudhuri bei seinen morgendlichen und abendlichen Visiten, untersuchte die Patientinnen und assistierte im OP u. a. bei Sectios und Hysterectomien. Die restliche Zeit verbrachte ich im Kreissaal mit 6-12 Geburten pro Tag. Die Hebammen und Schwestern sind äußerst bereitwillig, mir ihre Kunst beizubringen, so daß ich in diesem Monat an die 30 Geburten selbt „conducted“ habe. Auch erhalte ich einen Einblick in die Neonatologie.
Jeden Tag gibt es etwas Neues, was mir den Atem verschlägt. Oft sind es Komplikationen (Vollbild der Eclampsie, Sepsis, Blutungen und Schock), die unter diesen verheerenden Umständen behandelt werden, ohne auch nur einen Ansatz westlicher intensivmedizinischer Betreuung. Weder aussagekräftige Labordiagnostik (nicht einmal Electrolyte), noch bildgebende Verfahren sind machbar. Dies führt mich zu einer intensiven Begegnung und Auseinandersetzung mit Leben und Tod, was hier untrennbar verbunden und Alltag (wörtl.: jeden Tag) der Menschen hier ist.

Dem „OT“ (OP) gebührt besondere Erwähnung, da hier zum einen die erschreckende Mißwirtschaft noch deutlicher wird, zum anderen, weil es auch immer etwas zu sehen und zu machen gibt.
Der OT hat drei Tische, die meist gleichzeitig von verschiedenen Fachrichtungen belegt sind. Die Chirurgen entfernen eine Galle, Dr. Mrs. Banerjee, die zweite Gynäkologin führt gerade eine Sektio durch, als gerade am dritten Tisch eine Spinale für eine Hysterectomie gelegt wird.

Gelauscht (Foren)

Auslandsberichte

Viel Wärme und viel Lachen trotz unglaublicher Zustände

Man steht sich dauernd auf den Füßen herum und an manchen Tagen wird das ganze Treiben von den Schreien eines Patienten auf einer provisorischen Liege übertönt, dessen Amputation versorgt wird.
Als Rahmenbedingungen muß man sich vorstellen, daß es kein fließendes Wasser gibt, nur zwei (funktionierende) Narkosegeräte (die aus Geldmangel auch manchmal mit Ether betrieben werden), normale Glühbirnen als Lichtquelle und manchmal eine Taschenlampe, sollten diese nicht ausreichen; einen Autoklaven, der auf dem Gaskocher betrieben wird und vielleicht noch ein oder zwei Patienten, die im Eingangsbereich auf dem Boden liegen, sozusagen in der Warteschlange.

Abschlußbemerkung

Trotz dieser unglaublichen Zustände, dem ganzen Leid und dem vielen Schmerz habe ich so viel Lachen und so viel Wärme der Menschen selten erlebt. Meine Famulatur hier in Darjeeling war eine besonders intensive persönliche Erfahrung sowie auch eine unschätzbare praktische Weiterbildung!

Der Pädiater meinte neulich zu mir: „At your place you can‘t do a single treatment without a row of examinations. Here we have to treat without any [technical] examinations at all. We have to relay purely on our clinical assessment and God will help!“

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