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Famulatur in Pakistan

Innere Medizin Civil-Hospital

Fabian Zubair

Famulatur in Pakistan

© Claudia35 /PIXELIO
Praktikumsland: Pakistan
Famulus: Fabian Zubair
Stadt: Karachi
Humanmedizinstudent der Justus Liebig Universität Giessen (4. klinisches Semester)
Station:Innere (medical-unit 1)
Krankenhaus: Civil-hospital
Fabian Zubair
Leihgesterner Weg 3
35392 Giessen
Tel.: 0641-9717965


Kontaktadresse in Pakistan:
Dr. Syed SherShah
PMA (Pakistan Medical Asso.)
Karachi, Pakistan

0092-21-7231534

MOTIVATIONEN 

Ich finde, dass die Welt "klein" geworden ist: Um z.B. von Deutschland nach Pakistan zu fliegen, benötigt man ca. 9 Stunden und ca. 500 € (Returnticket)! Mediziner der ersten Welt sollten sich den "Nord-Süd-Konflikt" mehr vor die Augen führen und die Möglichkeit ausnutzen, ihr Bewusstsein durch das "Live- Erleben" zu erweitern, denn viel Elend, Armut und Krankheiten gibt es in Entwicklungsländern!

Ich habe in vielen Fällen die Erfahrung gemacht, dass die Menschen aus der armen Bevölkerungsschicht sehr zugänglich sind und sich sehr freuen, wenn man sich um sie kümmert und sie untersucht. So kann man mit Engagement in z.B. einem öffentlichen großen Stadtkrankenhaus viele praktische Erfahrungen sammeln, insbesondere was die klinische Untersuchung angeht...

Mehrere Wochen Famulatur in der 13 Millionen Stadt Karachi (Südpakistan), Begegnungen mit Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten und Gegenden, können- entgegen den Medienberichten der vergangenen Monate- ansatzweise zeigen, dass dieses Land mit seinen Menschen zwar viele Macken und Probleme hat, aber die absolute Mehrheit der Bewohner sich nicht gegen „andersartige“ Menschen oder Touristen richtet. Irgendwo bestätigten das auch die anderen wenigen Europäer, die im Süden des Landes eine Ausnahme darstellen. Das Kennenlernen vieler Dinge hat meine Sichtweisen mit Sicherheit anders gestaltet, als es die Medien getan hätten...


ÖFFENTLICHE KRANKENHÄUSER (BEISPIEL CIVIL- HOSPITAL)

In Grosstädten gibt es private und öffentliche Krankenhäuser. Die Privaten haben in vielen Fällen den deutschen Standard und sind demnach teuer und nicht für den Hauptteil der Bevölkerung gedacht; dort sind Famulaturen natürlich auch möglich.
Anhand des Beispieles „Civil-Hospital“ möchte ich verdeutlichen, was man in öffentlichen Krankenhäusern erlebt : 

 

Eines der größten Krankenhäuser in Karachi ist das „Civil-Hospital“ . Neben vielen Fachbereichen gibt es dort mehrere Medical-Units (Innere- Stationen, für Frauen und Männer getrennt) mit ICU-Räumen (Intensive- Care- Units): Diese Medical-Units bestehen aus riesigen Räumen mit über 20 Betten. Katzen und Kakerlaken, Wassermangel und Seife als Desinfektionsmittel, leisten keinen guten Beitrag zur Infektionsprävention. Ein von der Regierung zur Verfügung gestelltes Budget deckt vielleicht 40 % der Bedürfnisse ab. 

Was es zu sehen gab

Viele verschiedene Krankheitsbilder gibt es hier zu sehen...insbesondere Patienten mit Malaria, Tuberkulose, Hepatitis und Malabsorptionen. Um das Nötigste zu erhalten, sind die Stationen auf private Spender angewiesen und haben oft ihr eigenes individuelles Finanzierungs- System. Wie sieht die Situation für den Patienten denn eigentlich aus, wenn wenig Geld vorhanden ist? In öffentlichen Krankenhäusern haben die Patienten für viele Dinge selbst aufzukommen, sei es Spritzen, Medikamente, OP-Material für einmalige Benutzung usw.. .Verwandte und Freunde kommen, um Blut zu spenden (ein Tauschverfahren, das sich unter diesen Umständen lohnt: Der Patient bekommt das nötige Blut und Bekannte spenden im Gegenzug Blut irgendeiner Blutgruppe). Sie übernachten meistens draußen vor den Stationen auf Decken im Freien, was bei den oft eintretenden Elektrizitätsausfällen (à la Ventilatorausfall) auch recht angenehm und luftig sein kann. Für bettlägerige Patienten ist die Anwesenheit ihrer Verwandten/ Bekannten recht wichtig, weil z.B. das Personal schlecht losgeschickt werden kann, um etwas zum Trinken zu kaufen.

Was Verwandte angeht, sah für mich der Anamnese-Aufnahme-Versuch nicht allzu selten so aus, dass ich erst mal auf einen Tee eingeladen wurde ...10 Tassen Schwarzer Tee pro Tag waren normal und „nein“ sagen fast unmöglich! Witzig fand ich übrigens die Einstellung der Patienten, dass ein Arztbesuch schlecht ist, wenn keine Medikamente verschrieben werden (dass die wenigen vorhandenen Medikamente in bestimmten Krankheitsfällen nichts bewirken, muss man ja nicht akzeptieren). 
Alle kostenaufwendigen Verfahren stellen ein großes Problem dar. Nehmen wir an, dass dort ein CT - Abdomen 4000 Rupien kostet (ca. 70 €) und dass der Patient in unserem Fall 50 % Ermäßigung erhält, also 2000 Rupien. Bei einem Durchschnittseinkommen einer Familie von 6000 Rupien ist schon ein Drittel des Monatsverdienstes ausgegeben ...

Ein Arzt ist dort mehr auf die klinische Diagnose angewiesen und hat leider oft das Problem, dass viele Patienten einfach zu spät auftauchen, weil sie erst mal versuchen, sich Zuhause auszukurieren, was sich z.B. bei einer Malabsorption nicht sehr rentiert.


MEIN KRANKENHAUS-ALLTAG IM CIVIL-HOSPITAL

Das Krankenhaus steht in Verbindung mit dem "Dow Medical College". Deshalb hat es einen recht gut strukturierten praktischen Lehrplan für Studenten, an dem ich mich täglich von ca. 10:30-12:00 Uhr beteiligen konnte (hauptsächlich anschaulicher Unterricht am Patienten). Da ich im 7. Semester war, gehörte ich in diesem Zusammenhang eigentlich zur Gruppe der „4. year- students“, konnte mich aber in andere Gruppen einmischen, wenn diese z.B. interessantere Patienten hatten.
Mir gefiel es auch sehr, nebenbei das College anzuschauen und mitzubekommen, wie dort unterrichtet wird.
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