Famulatur in Rom und Genua
Chirurgie auf Italienisch
Daniele Camboni
Um Dekaden zurückversetzt
Ich fühlte mich um Decaden zurückversetzt, was die Baustruktur und die Ausstattung anbelangte . Was mir noch auffiel war, das dort jeder zweite- bis dritte "Weißkittel" ein Professor war. Und jeder Professor hat seine Betten. Mein Professor hatte 12 Betten zu verantworten. An meinem ersten Tag war von diesen zwölf Betten eines belegt, und während meiner ganzen Zeit waren nie mehr als 8 belegt.
Das Ärzteteam des Professors bestand aus seinem Primo Aiuto( Oberarzt), einem Stationsarzt und drei Spezzializanti, was Ärzte in der Facharztausbildung sind.Daneben war die Station noch mit zwei Studenten bestückt, die tagtäglich unentgeldlich als Knecht fungiert haben.Dieses ist für italienische Medizinstudenten sehr populär. Damit erhoffen sich die Studenten einen Namen beim Prof. zu machen, um dann eher als die Konkurrenz einen begehrten Weiterbildungsplatz zu erhaschen.Ja, und dann war ich da noch, Ihr könnt Euch vorstellen wieviel Arbeit da für mich übrig blieb, also beschränkte sich meine Arbeit auf das Zuschauen, Espresso trinken und durch die Stationen und den Campus in Begleitung der anderen Studenten und Ärzte zu flanieren. An zwei Tagen in der Woche wurde operiert, dort durfte ich auch zusehen und auf Anfrage waren die Herren Professori und Dottori gerne bereit, mich über den Op-Verlauf aufzuklären.
Der Op stand den deutschen Ops in Nichts nach. Von besonderem Vorteil war, dass mir vollkommen freigestellt wurde, wann , wie oft und wie lange ich beliebte zu famulieren. Somit kam das Kulturelle und das Partyleben nicht zu kurz. Was nicht zu verachten war.Besonders beeindruckt hat mich die Art und Weise der Anamnese; es wird dort sehr viel Wert darauf gelegt, und ganz ausführlich wird die Familienanmnese erhoben. Auch der eher freundschaftliche Umgang mit den Patienten hat mir sehr gut gefallen.
Genua
Verwöhnt von der südlichen Lebensart kam ich dann im September in den emsigen Norden Italiens.In Genua absolvierte ich ebenso eine Famulatur in der Chirurgia generale . Nur wurde mir hier nicht die Frequentierung der Station freigestellt, somit musste ich durch Präsenz glänzen. Allerdings hat es sich wirklich gelohnt, denn ein Professor hat mich an die Hand genommen und mir einige Themengebiete der allgemeinen Chirurgie in Theorie und Praxis beigebracht.
Hier wurde an drei Tagen in der Woche operiert, und man war als Student in den Op-Plan integriert. Zwar erfüllte man nur die Funktion des Hakenhalters, aber auch hier waren die Professori und Dottori sehr offen und haben die Operationen quasi kommentiert. Mit den üblichen Famulustätigkeiten wie Blutentnahme (Schwesternfunktion in Italien) usw. wurde man auch hier nicht konfrontiert oder besser gesagt belastet.Auch hier beschränkte sich die Arbeitszeit auf den Vormittag , d.h. das Nachmittage zur freien Verfügung standen. 4. Sprachprobleme
Auf Grund meiner fast genetischen Zweisprachlichkeit hatte ich kaum kommunikative Probleme, außerdem sind medizinische Begriffe sehr ähnlich.Allerdigs habe ich auch einige Zeit ( 3-4 Tage) gebraucht, bis ich problemlos kommunizieren konnte.Somit kann ich nur schlussfolgern, dass man, um im italienischen Krankenhausberieb nicht als Trottel dazustehen, schon über gute bis überdurchschnittlich gute Italienischkenntnisse verfügen sollte. Die Ausweichmöglichkeit Englisch kann vielleicht in vielen Fällen weiterhelfen, sie ist aber sicher keine Basis.Vielleicht kann ich Euch dadurch ermutigen, dass nur etwa ein drittel der 40 Studenten in Rom und 3 von 5 in Genua italienisch sprechen konnten.Und Sie haben es auch mit Bravour überstanden.
Ich möchte wirklich niemanden davor abschrecken, auf Grund von Sprachbarrieren nicht Italien als Auslandsfamulaturland zu wählen. Ich denke, dass die Wahl Italien nicht unbedingt fachliche-medizinische Prioritäten als Entscheidungsstützen besitzt, sondern vielmehr eine goße Italophilie und der Freude ein wenig von der italienischen Lebensart, Kultur und der " dolcen vita" mitzubekommen.