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Famulatur in Tansania

Am Fuße des Kilimanjaro

Anja Edelmann

Die Weiten Tansanias

Nachdem ich bereits ein Krankenpflegepraktikum in England und eine Famulatur in Australien gemacht hatte, wollte ich gerne ein Entwicklungsland kennen lernen. Daher beschloss ich, mit einer Kommilitonin eine Famulatur in einem afrikanischen Krankenhaus zu absolvieren. Die Entscheidung fiel schließlich auf Tansania. 

Im Internet fanden wir eine Menge Krankenhäuser in Tansania, bei denen wir uns etwa ein Jahr im Voraus per EMail bewarben. Schließlich kamen zwei Zusagen: von einem kleinen Buschkrankenhaus und vom KCMC (Kilimanjaro Christian Medical Centre). Wir entschieden uns für das KCMC. Zum einen wegen seiner perfekten Lage direkt am Fuße des Kilimanjaro (mit 5995 m der höchste Berg Afrikas), zum anderen ist es eines der größten Krankenhäuser der Region. Unsere E-Mails wurden innerhalb von zwei Tagen beantwortet. Im Gegensatz dazu hatte sich das kleine Buschkrankenhaus erst nach einem halben Jahr wieder gemeldet!
Nach der Zusage des Krankenhauses buchten wir einen Direktflug von Frankfurt zum Kilimanjaro International Airport gebucht. Je zeitiger man sich um den Flug kümmert, desto preiswerter ist er meist. Alternativ könnte man nach Nairobi oder Dar Es Salaam fliegen, was allerdings wesentlich weiter entfernt ist.


Gut geimpft

Wir ließen uns im Tropeninstitut beraten sowie gegen Gelbfieber, Typhus und Meningokokken impfen. Tollwut ist nicht notwendig, sofern man den Kontakt mit freilaufenden Tieren meidet.
Als Malariaprophylaxe kann ich Doxycyclin empfehlen: Am Tag der Einreise mit der Einnahme beginnen und erst vier Wochen nach Rückkehr absetzen. In das Krankenhaus nahmen wir ausreichend Handschuhe, OP-Kleidung, Mundschutz sowie einige Flexülen und Ringer-Infusionslösung mit.
Gegen die Mückenstiche kann man sich gut mit Moskitospray speziell für die Tropen und einem imprägnierten Moskitonetz schützen. Kurz vor unserer Reise haben wir noch etwas Geld in US-Dollar getauscht. Die Währung tansanische Schillinge (TSH) bekommt man erst vor Ort. Ein- und Ausfuhr sind verboten. Mit USD kann man touristische Aktivitäten zahlen, für Lebensmittel vor Ort werden meist nur TSH akzeptiert.


Im Doctor´s Compound

Im August 2008 war es dann soweit: Unser vierwöchiger Aufenthalt in Afrika begann. Nach acht Stunden Flugzeit kamen wir endlich an. Vom Flughafen Kilimanjaro International Airport zum Krankenhaus KCMC teilten wir uns mit zwei weiteren Personen ein Taxi. Im KCMC wurden wir herzlich von der Studentenbeauftragten des Krankenhauses empfangen, mit der wir vorher auch schon E-Mail-Kontakt hatten. Sie führte uns im Krankenhaus herum, stellte uns den Ärzten vor und brachte uns in unsere Unterkunft.
Wir wohnten im Doctor’s Compound, einem Wohngebiet nur für Studenten und Ärzte des KCMC. Dort waren wir in einem großen Haus mit schönem Garten untergebracht. Die ersten beiden Wochen wohnten wir alleine, gegen Ende der Famulatur hatten wir fünf weitere Studenten als Mitbewohner. Für die Registrierung im KCMC mussten wir 150 US-Dollar zahlen, für die Unterkunft 120 US-Dollar pro Monat.

Etwas Kisuaheli kommt gut

Die ersten beiden Wochen famulierten wir in der Gynäkologie/Geburtshilfe. Die Ärzte empfingen uns alle sehr herzlich und nahmen uns in ihr Team auf. Der Chef hatte sogar in Deutschland studiert. Da die Landessprache Kisuaheli ist und viele Patienten kein Englisch sprechen, waren wir man immer auf die einheimischen Ärzte angewiesen. Die Visiten wurden aber meist in englischer Sprache durchgeführt. Ansonsten waren auch alle gern bereit, ein paar Worte Kisuaheli für uns zu übersetzen. Es macht sich gut, wenn man selbst ein wenig Kisuaheli sprechen kann bzw. sich bemüht, dies vor Ort zu lernen.
Unsere Vorstellungen von Afrika vor dem Aufenthalt waren Ärztemangel und lange Arbeitszeiten: Im Krankenhaus selbst waren unheimlich viele Ärzte und Studenten tätig, was wir nie erwartet hätten. Wir konnten uns jeden Tag etwas anderes ansehen: Visiten auf der gynäkologischen und geburtshilflichen Station, sehr viele Geburten und Kaiserschnitte im Kreißsaal sowie einige ambulante Behandlungen und Operationen. Als Student aus Europa ist man eher passiv tätig und lernt vor allem durch Zusehen. Die afrikanischen Studenten haben bei den praktischen Tätigkeiten meist Vorrang.

Therapie mit Honig

Bei den Visiten auf der Station wurden die Patienten klinisch untersucht, Wunden gesäubert und Verbände angelegt. Die Zahl der postoperativen Infektionen unter diesen Verhältnissen ist extrem hoch. Nach Sektios oder Hysterektomien lagen teilweise fünf Zentimeter tiefe, offene und völlig vereiterte Wunden vor. Die afrikanischen Ärzte therapieren dies mit Honig, den sie in die Wunde gießen. Die Bakterien haben eine höhere Affinität gegenüber Honig und produzieren weniger Eiter.

Hohe Pauschalen

In der Ambulanz konnten wir bei der Aufnahme schwangerer Patientinnen mithelfen. Im Kreißsaal nahmen wir die Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt entgegen nehmen und untersuchten sie. In insgesamt zwei Wochen in der Gynäkologie sahen wir sehr viele außergewöhnliche Krankheitsbilder, die es bei uns in Deutschland nicht gibt. Die Patienten in Afrika haben keine Krankenversicherung, sondern müssen für ihren Aufenthalt eine für ihre Verhältnisse sehr hohe Pauschale pro Tag zahlen. Das erklärt auch, warum die meisten gar nicht oder erst im sehr fortgeschrittenen Stadium zum Arzt gehen.

Surftipp

Weitere Informationen
 

Campen mit Elefanten

Nach der Gynäkologie und Geburtshilfe fuhren wir in die Nationalparks Tansanias. Lake Manyara, Serengeti Nationalpark, Ngorongo Krater und Tarangire bieten eine faszinierende Tierwelt, wie man sie nur aus dem Zoo kennt. Wir campten neben Elefanten, Zebras, Giraffen, Hyänen und Löwen – die Geräusche nachts waren manchmal erschreckend! Nach Rückkehr ins KCMC kam ich in die Pädiatrie. Die Arbeit dort war sehr interessant: Insbesondere verschiedene Fehlbildungen oder angeborene Syndrome, die man bei uns nicht findet. Die Kinderheilkunde ist ein relativ groß etabliertes Fachgebiet unter Leitung einer deutschen Ärztin, die am Aufbau dieses Gebiets beteiligt war. Es gibt drei verschiedene Stationen: Neugeborene, Infektiologie und Allgemeine Pädiatrie. Da am Ende über zehn Studenten dort rotierten, wechselte ich in die Notaufnahme. Hier bekam ich einige Verletzungsfolgen spektakulärer Autounfälle zu sehen.

Augen geöffnet

Der Aufenthalt in Tansania öffnet nicht nur die Augen für eine Medizin ohne wesentliche Hilfsmittel, sondern auch für die Menschen, die unter diesen Bedingungen leben. Ich würde jede Möglichkeit nutzen und eine solche Famulatur sofort wieder machen.

 

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