Famulatur in Ubombo, Südafrika
Sichtweisen südlich des Äquators
Franziska Böhm
Vom 19.02.2001 bis 26.03.2002 befand ich mich zu einem Famulaturaufenthalt am Bethesda Hospital in Ubombo, Südafrika. Von diesem Krankenhaus erfuhr ich über eine Kommilitonin, die dort auch einige Wochen gearbeitet hat. Die Bewerbung um eine Famulaturstelle richtete ich etwa neun Monate im voraus direkt an den Superintendent des Hospitals. Die Zusage liess zwei Monate auf sich warten, aber immerhin kam sie, und so konnte ich dann im Februar meine Reise antreten.
Vom student coordinator erhielt ich eine kurze „Gebrauchsanleitung“ für das Krankenhaus, so dass ich nicht ganz unvorbereitet ankommen sollte. Meine Anreise erfolgte über Johannesburg, von wo aus ich weiter nach Durban geflogen bin. Von hier aus ging es dann per Baz Bus (fährt nur an bestimmten Tagen) in nördliche Richtung nach Mkuze, was ungefähr 20 km von Ubombo entfernt ist. In Mkuze muss man sich um einen Weitertransport kümmern, was entweder Bus, Minibustaxi oder Taxi bedeutet. Wenn einem das zu unsicher erscheint, kann man auch einen der Ärzte um den Transport bitten.
Das Krankenhaus liegt in einer sehr ländlichen Umgebung, eingebettet in die Lebombo Moutains, hat 230 Betten und versorgt ca. 90000 Menschen in seinem Einzugsbereich. Man findet sechs Stationen (Male, Female, Paediatrics, Maternity, Isolation, TB) und ein Outpatient Department, welches am ehesten mit der Ambulanz in deutschen Krankenhäusern vergleichbar ist. Daneben werden vom Bethesda Hospital noch sieben entlegene Kliniken versorgt, die durch speziell trainierte Schwestern betreut werden. Einmal wöchentlich werden diese Clinics per Flugzeug oder Auto von einem Arzt besucht. Ihm werden die schweren Fälle, die von der Schwester nicht mehr beherrscht werden, vorgestellt. Das medizinische Personal umfasst acht Vollzeitärzte, von denen einer der Superindendent ist. Daneben gibt es über 200 Schwestern, einen Zahnarzt, einen Zahntechniker, Physiotherapeuten, Sozialarbeiter und eine Ernährungsberaterin.
Tagesablauf
Zum Tagesablauf ist zu sagen, dass alles relativ gut durchstrukturiert war. In der Montagmorgenbesprechung wurde ein Wochenplan erstellt und die Ärzte den Aufgabenbereichen zugeteilt, z.B.: Klinikbesuche, Outpatient Department, Augensprechstunde, Sektionsfälle. Am Dienstag begann der Tag mit einer akademischen Visite, in der interessante Fälle vorgestellt und Behandlungsstrategien ausgetauscht wurden.
Der Mittwoch stand ganz im Zeichen des Operierens - Theatre day. Auf diesen Tag wurden alle planmässigen Operationen der einzelnen Stationen gelegt, so dass sich meist ein bunt gemixtes OP-Programm ergab. Der Donnerstagmorgen begann immer mit einer Fortbildung und einzig der Freitagmorgen hatte kein gemeinsames Pflichtprogramm. Nach den Besprechungen schloss sich die normale Stationsroutine an: Visiten, Untersuchungen, Anforderungsscheine ausfüllen, Befunde beurteilen, Behandlungspläne erstellen usw.. War die Stationsarbeit getan, gab es Tea Time und danach fand sich der grösste Teil der Ärzte im OPD ein. Die Versorgung der täglich durchschnittlich 100 Ambulanzpatienten sollte dann auch den Rest des Tages ausfüllen, wenn nicht gravierende Schwierigkeiten auf den Stationen auftraten.Was gab es nun für eine deutsche Famulantin zu sehen oder zu tun? Da während meines Aufenthaltes keine anderen Studenten am Krankenhaus waren, hatte ich die volle Entscheidungsgewalt darüber, was ich gerne machen wollte. Ich konnte mich den einzelnen Stationen zugeteilten Ärzte anschliessen und so einen Einblick in die Stationsarbeit bekommen. In wöchentlichem Rhythmus wechselte ich die Stationen, um alles einmal gesehen zu haben. Montags nutzte ich immer die Gelegenheit und ging mit auf Klinikbesuche. Neben den interessanten Einblicken in die Lebensweisen der Einheimischen, dem Sichtbarwerden der weitverbreiteten Probleme (HIV, Tuberkulose) und den Versuchen, dieser Probleme Herr zu werden, kam ich auch in den Genuss des Fliegens.
In der Klinik
Diese Klinikbesuche gehörten zu den beeindruckendsten Erlebnissen während meines Aufenthaltes. Weitere Betätigungfelder waren der Kreissaal, wo man unter Anleitung der Hebammen einigen Kindern auf die Welt verhelfen kann, der Operationssaal, der viele Sectios bietet und wo man auch kleinere Eingriffe selber machen darf (Nähte, Spinalanästhesien, Debridements) und das OPD, das einen mit vielen chronisch Kranken (HIV, Tuberkulose) konfrontiert. Hier konnte man seine „eigenen“ Patienten untersuchen und Behandlungsvorschläge machen.
Zur Ausstattung des Krankenhauses ist zu sagen, dass es sich nach Angaben der Ärzte um ein eher höher ausgestattetes ländliches Hospital handelte. Röntgen und Ultraschall gehörten ebenso zur Ausrüstung wie ein eigenes Labor, in dem die meisten Routineblutuntersuchungen gemacht wurden. Die Unterbringung von Studenten erfolgt im Schwesternschülerinnenwohnheim, in welchem auch zwei Mehrbettzimmer für die Gaststudenten eingerichtet sind. Die Ausstattung ist sehr einfach (Bett, Tisch, einiges an Geschirr, Wasserkocher, Kühlschrank), aber für eine begrenzte Zeit annehmbar. Für die Unterkunft ist ein Betrag von 200 Rand/ Monat zu entrichten. Verpflegung kann man im Krankenhaus erhalten (Breakfast, Lunch je 7,50 Rand), wobei man aber keine grossen Ansprüche haben sollte (täglich Reis mit Huhn und Gemüse). Einkaufsmöglichkeiten sind in Form eines kleinen Supermarktes vorhanden. Auch gibt es die Möglichkeit, Obst und Gemüse bei direkt vor dem Krankenhaus sitzenden Frauen zu erwerben. Zur Deckung des Grundbedarfs sollte dieses ausreichend sein. Ebenfalls vorhanden sind eine Poststelle, viele öffentliche Telefonzellen und ein krankenhauseigener Internetzugang, so dass auch die Kommunikation mit der Aussenwelt möglich wird. Nun vielleicht noch ein paar Sätze zur Wochenendgestaltung. Eine Möglichkeit besteht darin, sich an den diensthabenden Arzt zu wenden und ihn bei der Versorgung von Notfällen zu unterstützen (kleinere Nähte, OP-Assistenz...).
Fazit
Andererseits gibt es aber auch in der Umgebung einiges zu sehen, zum Beispiel die wunderschönen Strände an der Küste des Indischen Ozeans oder die zahlreichen Game Reserves im Umland. Auch hier einfach die Doktoren fragen, denn die sind an jedem Wochenende unterwegs und kennen sich auch in der Umgebung aus. Eine andere Alternative ist, sich ein Auto zu leihen und so das Land zu erkunden. Hier sei angemerkt, dass bei der Planung eines Südafrikaaufenthaltes auch genug Zeit für das Entdecken des Landes einkalkuliert werden sollte - Kapstadt, die Drakensberge oder der Krüger Nationalpark sind Beispiele für lohnende Ziele.
An dieser Stelle möchte ich den einzigen mir ersichtlichen Nachteil Ubombos nicht unerwähnt lassen: die entlegene Lage. Um in die nächstgrössere Stadt zu gelangen, ist man immer auf ein Fahrzeug angewiesen. Man kann Busse benutzen, welche aber sehr unregelmässig fahren. Eine andere Möglichkeit sind Krankentransporte, die grössere umliegende Kliniken (Empangeni, Durban) anfahren, zu nutzen, was aber aufgrund der Unregelmässigkeit einiges an Geduld und Nerven kosten kann. Auch hier ist ein Mietwagen die optimale Lösung. Sind noch andere Studenten vor Ort, kann man sich Kosten und Auto teilen.
Alles in allem kann ich sagen, dass sich ein Famulaturaufenthalt in Ubombo lohnt. Die Gegend ist wunderschön, das Wetter warm, aber durch die Höhenlage meist nicht zu heiss, die Ärzte und Schwestern freundlich und vor allem lehrfreudig, die Krankheitsbilder vielfältig und die Betätigungsmöglichkeiten gross.
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