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Famulatur in der Herz- Thorax- Chirurgie der Nihon- Universität in Tokio

Erlebnisreiche Zeit in Tokio

Dorothee Broß

Einkaufspassage Tokio

Über ein schriftliches Auswahlverfahren wurde mir es mir und einem Kommilitonen ermöglicht eine Famulatur in der Herz- Thorax- Chirurgie der Nihon- Universität in Tokio zu absolvieren. Super klasse daran war schon allein die Übernahme der Flugkosten, der Unterbringung und Verpflegung während der Arbeitszeit und zusätzlich gab es ein kleines Taschengeld.

Nach einem 11-stündigen Flug von Frankfurt nach Tokio wurden wir persönlich abgeholt und per Bus und Taxi zu unsrerem kliniknahem Appartment gebracht. Der darauf folgende Sonntag diente der Erholung und Erkundung der näheren Umgebung sowie das Herantasten an die japanische Küche.

Unsere Unterbingung war für uns Europärer gewöhnungsbedürtig eng, aber sauber und zweckdienlich eingerichtet, auch mit kostenlosem Internetzugang. Einkaufsmöglichkeiten fanden sich direkt vor Ort, man konnte sich immer frisches Sushi zum Abendessen kaufen.

Der Fußweg zu Klinik betrug 20 min. Schon morgens um halb acht war es meist schon sehr schwül- warm, so dass man einigermaßen verschwitzt den Arbeitstag begann. Nach einer netten Begrüßung in deutsch und englisch am Montag, wurden wir durchs Krankenhaus geführt. Man erwartet ja eigentlich im super modernen Tokio ein Krankenhaus auf höchstem Standard, aber insgesamt machte das Krankenhaus einen eher älteren Eindruck, verglichen mit einem 70iger- Jahre Krankenhaus in Deutschland mit grünem Linoleumboden und Gemeinschaftsbädern auf dem Flur. Umso netter, höflicher und fürsorglicher waren Ärzte und Pflegepersonal. Die Schwestern lächeln stets freundlich, obwohl man sich überhaupt nicht verständigen kann.

Erst am Dienstag sind wir dann richtig in den Klinikalltag eingestiegen. Dienstag, Donnerstag und Freitag war immer Op- Tag, dann haben wir meist im Op bei der Operation zugeschaut oder es bestand die Möglichkeit von oben durch ein Glasdach, like Grey´s Anatomy, der Op zu folgen. Häufige Operationen waren Bypässe und Klappenersätze. Highlights u.a. waren ein Kawasakisyndrom (hier eine Seltenheit, aber in Japan recht häufig vorkommend) mit Koronaraneurysmen und eine Operation eines Rezidiv- Thymoms. Teigenommen haben wir in der Regel auch an den Visiten, allerdings war das Verständnis durch das Sprachhindernis erheblich erschwert. Mit großer Hingabe wurde uns aber von den deutschsprachigen Ärzten Visitengespräche übersetzt. Von Vorteil war allerdings, dass viele medizinischen Begriffe und Erkrankungen in Japan dem deutschen Sprachgebrauch entstammen, so z.B.: Magensonde, Leberzirrhose, Pinzette oder das Wort `sterben´.

Leider war es nicht möglich eigenständig am Patienten zu arbeiten, sei es Anamnesegespräche, Blutabnahmen oder Untersuchungen. Dafür konnte man an Echkardiographien und Herzkatheteruntersuchungen teilnehmen (überraschenderweise sehr modernes HKL). An einer tierexperimentellen Studie an einem Schwein haben wir auch teilgenommen. Man kann wohl nicht einfach die Ergebnisse europäischer Studien übernehmen, sondern es mußte erneut nachgewiesen werden, dass eine kleine Pumpe in der linken Herzkammer die EF nach Myokardinfarkt erheblich verbessert.

Die Wochenenden standen zu freien Verfügung und wir haben Tokio und Umgebung ausgedehnt erkundet. Sehenswert war der Fischmarkt am Samstag Morgen. Diesen haben wir mit japanischen Medizinstudenten besucht, die sich dann auch die Zeit genommen haben uns all die verschiedenen Sushivarianten zu zeigen und z.T. zu verköstigen(ich glaube auch für Sushikenner eine harte Bewährungsprobe). Beeindruckend sind die enormen Menschenmassen in der Stadt zu jeder Tageszeit und die Erfahrung, dass Raum in Tokio ein kostbares Gut zu sein scheint.

Auch hat sich Professor Minami die Zeit genommen uns zum Essen einzuladen und besonders toll war eine Enladung zum Sumo- Ringen. An einem unser letzten Abende wurden wir dann vom gesamten Team zum Essen eingeladen. In Japan ist es üblich, dass das Team den Ausstand gibt und nicht wie bei uns, die Leute die gehen, etwas vorbereiten.

Insgesamt kann ich sagen, dass es eine schöne und erlebnisreiche Zeit in Tokio war.

 

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