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Fünf Wochen auf Onko, alles andere als kalter Kaffee!

Mein Pflegepraktikum

Katharina Kübler

Vor zehn Minuten bin ich auf meine Couch gefallen und mag eigentlich nie wieder aufstehen. Meine Füße schmerzen an Stellen, von denen ich selbst nicht geglaubt hab, dass es sie gibt. Ein langer Tag auf meiner Station liegt hinter mir und ich frage mich wieder mal ernsthaft, was das alles mit Medizin und mit meinem Studium zu tun hat.
Vor fünf Wochen kam ich den ersten Tag auf die Onkologische Station der Gynäkologie.
Voll motiviert und mit großen Erwartungen betrat ich mit einem Lächeln das Stationszimmer, um zukünftige Kollegen, Ärzte und Schwestern zu begrüßen.Mit meinem freundlichen „Guten Morgen“ schien ich allerdings nicht ganz so gut anzukommen, denn der Frühdienst blickte mir nur misstrauisch entgegen, „Aha die Neue“ schienen ihre Augen zu sagen. Leicht verunsichert startete ich mit meiner „Öse“ (Wer zum Teufel denkt sich so einen Namen für eine Stationsschwester aus?) zum Rundgang durch die Station. In ca. 5 Minuten lernte ich sämtliche Zimmer samt 25 Patienten, alle Räume, Zimmer und Kämmerchen sowie Schränke mit deren Inhalt kennen und konnte mir dies auf jeden Fall alles super merken. Aus diesem Grund machten mir in den folgenden Wochen Anweisungen wie „Ach hol doch mal nen Combistopper!“ besonders viel Freude.Nachdem ich an diesem ersten Tag festgestellt hatte, dass die Schwestern eigentlich überhaupt nicht wussten, was sie mit mir anstellen sollten, die Ärzte gar keine Notiz von mir nahmen und ich dann sinnreiche und spannende Aufgaben wie Aufkleber auf Akten kleben oder Mülltüten zusammenfalten erfüllen durfte, war mir klar, dass das alles nicht ganz so läuft, wie ich es erwartet hatte.


Jugendlicher Leichtsinn

In meinem jugendlichen Leichtsinn hatte ich doch tatsächlich gedacht, dass ich einem Arzt über die Schulter schauen darf und in das Krankenhausleben voll integriert bin, aber ich bin nur Praktikant und das ist nicht immer ganz leicht. 

In den folgenden Tagen musste ich mich erst einmal daran gewöhnen, dass ich es tatsächlich mit schwerkranken Menschen zu tun habe. Manche traten freundlich und voller Mut auf, andere resigniert und wieder andere bösartig, da sie ihr Schicksal und ihre Krankheit nicht akzeptieren können. Es ist nicht leicht, immer die passenden Worte zu finden, wenn man mit Tränen aber auch mit Sticheleien und Schikane konfrontiert wird. 

Der Grundtenor der Patienten ist trotzdem Dankbarkeit für kleine Gesten und Nettigkeiten, die man ihnen entgegen bringt. Aus diesem Grund hatte ich auch schnell meine Lieblingspatienten auf der Station und der Alltag entpuppte sich als nicht ganz so schrecklich wie ich es am Anfang befürchtet hatte.Besonders viel Freude bereitete mir der Kontakt zu den Patienten. Ich habe oft die Zeit beim Puls messen oder Blutdruck ermitteln auch genutzt, um einfach zu reden. Ich habe viele Schicksale und sehr viele unterschiedliche Charaktere in dieser kurzen Zeit kennen gelernt. Viele haben es als angenehm empfunden, dass sich mal jemand Zeit für sie nahm und schütteten nicht selten mir ihr Herz aus. Oftmals flossen auch Tränen und ich war froh, dass ich mit ein paar tröstenden Worten vielleicht doch zu etwas nutze war neben meinen anderen bedeutenden Aufgaben wie Post holen, ins Labor flitzen, Schieber holen, Schieber säubern, Schieber bringen usw.


Nicht nur medizinisches Können spielt eine Rolle

Es war für mich am Anfang gar nicht so leicht immer mit einem Lächeln alle Aufgaben zu erfüllen, wobei ich besonders an das Entsorgen von menschlichen Ausscheidungen jeglicher Art denken muss. 

Gelauscht (Foren)

Pflegepraktikum FAQ

Das ist schon manchmal ganz schön übel, aber man lernt doch recht schnell, dass auch diese Dinge zum Krankenhausalltag dazu gehören und auch ein Arzt nicht arbeiten kann, wenn die Arbeit im Hintergrund nicht stimmt. Es klingt sehr heldenhaft, wenn man dies als angehende Ärztin so feststellt, aber gerade das ist mir in meiner Zeit auf der Station klar geworden. Nicht nur das große medizinische Können spielt hier eine Rolle!!! 

Da ich auf einer Krebsstation arbeitete lag es nahe, dass es auch Patienten gibt, denen nicht mehr geholfen werden kann. Ich erinnere mich an eine Patientin, die auf der Station schon lange bekannt war. In der ersten Woche meines Praktikums konnte sie noch selbst aus dem Bett steigen und am Tisch essen. Drei Wochen später war sie kaum noch ansprechbar und ich war richtig froh, wenn ich ihr zum Frühstück einen Joghurt füttern konnte. Sie wurde dann ins Hospiz verlegt um einzuschlafen. Es ist schrecklich mit ansehen zu müssen, wenn ein Mensch langsam stirbt. Das war für mich die prägendste Erfahrung. Anfangs hab ich mich gar nicht getraut sie anzufassen, aber als sie dann einmal meine Hand festhielt und mich mit einem flehenden Blick ansah, wusste ich, dass man diese Menschen nicht allein lassen kann.

Jede Medizin hat ihre Grenzen

Diese Momente haben mir gezeigt, dass die Medizin auch Grenzen hat, auch wenn das am Anfang des Studiums nicht ganz klar wird. Niemand redet am Anfang davon, dass Patienten auch sterben und man den Kampf gegen Krebs auch verlieren kann. Der Tod erscheint mir immer als Tabu-Thema und aus diesem Grund ist es wichtig auch Erfahrungen in dieser Hinsicht zu machen, auch wenn es vielleicht unangenehm oder schmerzhaft ist.

Im Großen und Ganzen hab ich mein Praktikum als ganz OK empfunden. Es gibt immer Schwestern, die einen ärgern wollen und Sprüche wie „Ihr Revier ist die Küche!“ sind für den Erfahrungswert nicht gerade fördernd, aber wenn man alles locker sieht und versucht für sich selbst viel rauszuholen, kann die Arbeit auch ohne große medizinische Verantwortung auch ganz angenehm sein. Außerdem steigert das selbständige Übernehmen von Aufgaben auch das Vertrauen und man darf dann auch ein bisschen mehr machen. Die letzten Tage meines Aufenthaltes durfte ich dann sogar mit in den OP und ein bisschen rumgucken und das hat dann doch für ein paar Unangenehme Dinge entlohnt.

 

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