Ungewohnte Wahlfreiheit bei Famulaturen
Gelegenheit zum Kennenlernen neuer Fachbereiche
MEDI-LEARN Redaktion
Vier Semester hast du in Vorlesungen und am Schreibtisch verbracht, drei Monate Krankenpflegedienst geleistet und zuletzt das Physikum bestanden. In den nun folgenden klinischen Semestern wirst du neben Kursen und Vorlesungen durch Famulaturen die ärztliche Seite der Krankenversorgung kennenlernen. Erstmals kannst du weitgehend frei entscheiden, ob du diese Famulaturen im In- oder Ausland machst, wann, in welchem Fach und auf welcher Station. Famulaturen sind eine Gelegenheit, praktische Fähigkeiten zu trainieren, unbekannte Fachbereiche auszuprobieren, in von dir favorisierten Kliniken zu arbeiten oder im Ausland den eigenen Horizont zu erweitern.
Entscheidungshilfen für die Auswahl deiner Famulatur können Erfahrungsberichte anderer Studenten sein, deine Berufswünsche und nicht zuletzt deine Neugier. Denk daran, dass Innere Medizin und Chirurgie im praktischen Jahr (PJ) Pflichtfächer sind, dass du also ohnehin vier Monate in diesen Fächern arbeiten wirst. Hast du eine Auswahl getroffen, melde dich per E-Mail oder telefonisch beim Chefarzt oder seiner Sekretärin und erkundige dich, wie deine Bewerbung aussehen soll. Bei Famulaturen im Ausland kann die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) helfen und möglicherweise einen Reisekostenzuschuss gewähren.
Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) bietet Zuschüsse bei Auslandsaufenthalten und vermittelt Forschungs- und Famulantenaustausche. Informationen dazu sowie lesenswerte Erlebnisberichte findet ihr auf der Webseite:
Auch Famulanten dürfen was erklären
Laut Approbationsordnung sind vier Monate Famulatur im Zeitraum zwischen dem „1. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“ (Physikum) und dem Beginn des Praktischen Jahres vorgesehen. Wann genau du welche Famulatur machst, steht dir frei. Sie sollte möglichst in der vorlesungsfreien Zeit liegen und ein einzelner Abschnitt muss mindestens 30 Tage lang sein. Wie im Pflegepraktikum zählen dabei Wochenenden und Feiertage mit und nur in den seltensten Fällen gibt es eine Bezahlung. Anders als im Pflegepraktikum bist du jetzt allerdings den Ärzten unterstellt, nicht den Schwestern und Pflegern. Dementsprechend trainierst du in der Famulatur ärztliche Fähigkeiten wie Blutentnahmen, venöse Zugänge, Aufnahmegespräche mit Patienten und Assistenz bei verschiedenen ärztlichen Eingriffen. Denke dabei an deine eigene Zeit als Pflegeschüler, Praktikant, FSJler oder Zivi zurück: Sie alle freuen sich sehr, wenn ein Famulant ihnen etwas erklärt!
Ein Monat für die Wahlfamulatur
Mindestens zwei der insgesamt vier Monate musst du als Famulant auf einer Krankenhausstation verbringen. Ein weiterer Monat ist für die Praxisfamulatur vorgesehen, während der du vermutlich 30 Tage lang Kinder impfen, hausärztliche Gespräche führen oder Röntgenbilder auswerten wirst. Der verbleibende Monat steht dir für deine „Wahlfamulatur“ zur Verfügung, in der du dich noch einmal für Klinik oder Praxis oder je nach Landesprüfungsamt (LPA) für eine völlig andere Einrichtung entscheiden kannst. Was dabei erlaubt ist und was nicht, kann von Bundesland zu Bundesland sehr verschieden sein: Gilt Anästhesie als Praxis- oder als Klinikfamulatur? Unter welchen Voraussetzungen wird eine Auslandsfamulatur anerkannt? Darfst du die Wahlfamulatur in der Radiologie, im Gesundheitsamt oder in der Pathologie machen? Antworten auf solche Fragen erhältst du im Forum von MEDI-LEARN oder bei deinem LPA. Rechtzeitiges Nachfragen dort schützt dich vor bösen Überraschungen.
Lass dir die Zeit immer bis zum abschließenden Sonntag aufschreiben. Mache im Zweifel lieber ein paar Tage zu viel. Im LPA wird später Tag für Tag ganz genau nachgezählt.
Freundlich sein und Initiative zeigen
Die Erlebnisse einzelner Studenten während ihrer Famulaturen unterscheiden sich stark und hängen oft von der gezeigten Eigeninitiative ab. Es ist wichtig, sich gleich zu Beginn bei allen Beteiligten vorzustellen und viel zu fragen. Die Mitarbeiter deiner Station wissen zunächst nicht, was du schon kannst, ob du gerade frisch aus der Vorklinik kommst oder schon im 10. Semester bist, schon mal einen Patienten aufgenommen hast und so weiter. Achte selbst darauf, dass du wirklich ausgebildet wirst. Du weißt vermutlich aus dem Pflegepraktikum, dass im Krankenhaus selten jemand auf dich zukommt und dir unaufgefordert etwas erklärt. Deshalb abschließend einige Tipps aus dem MEDI-LEARN-Forum: „Selbstbewusst sein und sich etwas trauen. Du bist noch Student; Fehler sind erlaubt, daraus solltest du aber lernen. Nur durch ein starkes Selbstbewusstsein, Fragen und interessiertes Zuhören bist du mehr als bloß eine Blutabnehm- und Patientenaufnehm-Maschine.“